Exkursionen

Poveglia – die Geisterinsel

Der Titel weckte leichte Schauer-Assoziationen: Mit der Wiederbelebung der unbewohnten Insel Poveglia befasste sich der internationale Workshop, zu dem die Stiftung Deutscher Architekten vom 30. September bis zum 6. Oktober 22 junge Absolventinnen und Absolventen nach Venedig eingeladen hatte. Kooperationspartner war die Università Iuav di Venezia (IUAV) mit ihrer Architekturfakultät.

18.10.2022

Mit der Wiederbelebung der unbewohnten Insel Poveglia befasste sich der internationale Workshop, zu dem die Stiftung Deutscher Architekten vom 30. September bis zum 6. Oktober 22 junge Absolventinnen und Absolventen nach Venedig eingeladen hatte.
© Foto: Melina Beierle/ Architektenkammer NRW

Im Rahmen eines umfangreichen Programms wurden die Teilnehmenden an die Geschichte und städtebauliche Entwicklung der Hauptinsel Venedigs mit den verschiedenen zugehörigen Inseln in der Lagune herangeführt. Anschließend entwickelten sie vor Ort auf der Klosterinsel San Servolo spannende Konzepte und Ideen zu der gestellten Aufgabe.

Betreut wurde der Workshop von Prof. Donatella Fioretti (Kunstakademie Düsseldorf), Prof. Rolf Westerheide (Vorstandsmitglied AKNW) und seitens der IUAV von Prof. Marco Pogacnik und Prof. Sergio Pascolo.

Poveglia per Tutti

Am Beispiel der verlassenen venezianischen Insel Poveglia, die sich auf Grund ihrer Vergangenheit und des verfallenden Gebäudebestands einer ehemaligen Psychiatrie als „Geisterinsel“ einen zweifelhaften Ruf erworben hat und sich heute im Spannungsfeld der wirtschaftlichen Interessen von Investoren und einer Bürgerinitiative „Poveglia per Tutti“ zum Erhalt der Insel für die Bevölkerung befindet, wurden baukulturelle und gesellschaftlich relevante Themen in fünf kleinen Arbeitsgruppen bearbeitet. Dabei standen vor allem die Themen Klima- und Hochwasserschutz, Resilienz in der Stadtentwicklung sowie der dramatische „Übertourismus“ in der Lagunenstadt im Vordergrund.

Originell und provokative Konzepte

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops entwickelten in knapp zwei Tagen spannende, teilweise auch provokante und überraschende Ideen und Konzepte. Mit dem Titel „COVEGLIA – Ein Stein im Wasser, der Wellen schlägt.“ entstand der Vorschlag, auf der Insel ein Reallabor zur Kommunikation und Kooperation zu gründen.

„Alles bleibt – aber besser!“ schlug eine andere Gruppe vor. Es soll die Wildheit der Insel erhalten bleiben und einen Studiengang der IUAV für „archäologische Politikwissenschaften“ entstehen. Teile des Gebäudebestand würden erhalten und für wissenschaftliche Zwecke nutzbar sein. Andere Teile sollen als Ruinen Zeitzeugen bleiben.

Für das Thema Übertourismus und die Möglichkeit, einen ökologischen und gesellschaftlich vertretbaren Tourismus, aber auch zeitlich begrenztes Wohnen zuzulassen, fand eine Gruppe die Antwort: „Auf Poveglia ist jeder Gast.“

Mit einem „Manifesto: Occupy Poveglia“ entwarf eine weitere Gruppe zwei unterschiedlich radikale Szenarien zur Aneignung der Insel und Bildung eines neuen gesellschaftlichen Systems, das den Naturraum schützt und das sich von Poveglia ausgehend verbreitet.

„Elysium – Die Insel der Verrückten“ war schlussendlich der Vorschlag, ein „Raster für Alles“ zu entwickeln. Von Poveglia ausgehend sollen Wissenschaftler städtebauliche und politische Strukturen schaffen, die als Raster auf der Insel genutzt werden können und sich von Poveglia aus über die ganze Welt erstrecken können. Utopie oder Dystopie?

Unheimlich gut: Dokumentation

Wenn Sie neugierig geworden sind und mehr über die Ideen, Konzepte und Vorschläge der jungen Planerinnen und Planer wissen wollen: Die Ergebnisse werden ausführlich in einer Dokumentation dargestellt und erläutert. Die Dokumentation können Sie nach der Veröffentlichung über die AKNW oder die Stiftung Deutscher Architekten erhalten.

Förderpreis

Förderpreis 2023: Jetzt bewerben!

Die Stiftung Deutscher Architekten lobt zum 19. Mal ihren Förderpreis für außergewöhnliche Leistungen aus, die im Rahmen eines Architektur-, Innenarchitektur- oder Landschaftsarchitekturstudiums oder des Studiums der Stadtplanung in den Jahren 2021 und 2022 an einer nordrhein-westfälischen Hochschule erbracht wurden.

20.07.2022

Förderpreis 2023 –
© Foto: jcomp – de.freepik.com

Die Stiftung Deutscher Architekten lobt zum 19. Mal ihren Förderpreis für außergewöhnliche Leistungen aus, die im Rahmen eines Architektur-, Innenarchitektur- oder Landschaftsarchitekturstudiums oder des Studiums der Stadtplanung in den Jahren 2021 und 2022 an einer nordrhein-westfälischen Hochschule erbracht wurden.

Ziel

Das Ziel des Förderpreises ist es, besonders begabte Absolventinnen bzw. Absolventen zu fördern und für den Start in den Beruf zu motivieren. Es geht bei der Auszeichnung nicht darum, nur eine gute Einzelleistung zu prämieren, sondern die besondere Begabung des Bewerbers umfassend festzustellen und zu fördern. Mit dem Förderpreis soll auch die Qualität der Hochschulausbildung im Land Nordrhein-Westfalen dokumentiert werden.
Preise

Der Förderpreis ist in diesem Jahr mit insgesamt 16.000 Euro dotiert. Es sind drei gleiche Preise zu je 4.000 Euro vorgesehen. Darüber hinaus kann die Jury für besondere Anerkennungen eine Summe von 4.000 Euro nach ihrem Ermessen gleichmäßig oder gestaffelt verteilen.

Jury

Der Jury gehören an:

  • Jakob Dürr, Dipl.-Ing, Architekt, aretz duerr architektur BDA, Köln
  • Monika Lepel, Innenarchitektin, LEPEL & LEPEL, Köln
  • Prof. Katja Benfer, Landschaftsarchitektin, bbzl, Berlin
  • Prof. Rolf Westerheide, Architekt und Stadtplaner, Aachen
  • Felix Mayer, M.Sc., Förderpreisträger der Stiftung Deutscher Architekten 2021
  • Ernst Uhing, Architekt, Präsident der AKNW und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten

Teilnahmevoraussetzungen

Teilnahmeberechtigt sind Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung aus den Abschlussjahrgängen in NRW, die mit Ausnahme der beruflichen Praxis und der postgradualen Weiterbildung die Voraussetzungen zur Eintragung in die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen erfüllen.

Absolventen aus postgraduierten Studiengängen sind nicht teilnahmeberechtigt.

Zur Teilnahme muss eine schriftliche Empfehlung durch einen Hochschullehrer vorliegen.

Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer kann sich nur einmal bewerben

Bewerbung

Das Bewerbungsverfahren wird in zwei Stufen durchgeführt. Sie bewerben sich zuerst in einem online Verfahren mit den in der Anlage unter „online Bewerbung“ dargestellten Materialien. Im zweiten Schritt übersenden Sie uns zwei DIN A 0 Blätter mit Ihrem Entwurf. Es sollen keine Modelle eingereicht werden.

Die Datenblätter zum online – Bewerbungsverfahren sind in der Zeit vom 01. November 2022 bis zum 30. November 2022, auf der Internetseite www.stiftung-deutscher-architekten.de und auf der Seite der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen www.aknw.de eingestellt. Bewerber*innen, die ihre Bewerbung aufgrund von technischen Problemen nicht abschließen konnten, können diese kurzfristig per E-Mail bei Vera Anton-Lappeneit (lappeneit@aknw.de) nachreichen.

Die DIN A0 Pläne für die Jurysitzung sollen bis zum 02. Februar 2023 bei der Stiftung Deutscher Architekten, Zollhof 1, 40221 Düsseldorf eingereicht werden. Bei postalischer Übersendung gilt der Poststempel.

Die eingereichten Unterlagen können nach Abschluss des Verfahrens von den Teilnehmerinnen oder Teilnehmern bis zum 10. März. 2023 abgeholt werden, danach gehen sie in das Eigentum der Stiftung Deutscher Architekten über und werden vernichtet.
Jurysitzung

Die Jury wird am 23. Februar 2023 im Baukunstarchiv NRW in Dortmund zusammentreten.
Dokumentation

Das Ergebnis des Auswahlverfahrens für den Förderpreis 2023 und alle Bewerbungen werden in einer Dokumentation dargestellt und im Internet auf der Seite der Stiftung Deutscher Architekten veröffentlicht. Die Bewerberinnen und Bewerber stimmen mit ihrer Teilnahme am Verfahren einer Veröffentlichung zu.

Preisverleihung

Die Preisverleihung und die Bekanntgabe der Preisträger finden, direkt nach der Jurysitzung, am: 23. Februar 2022, 18.30 Uhr im Baukunstarchiv NRW in Dortmund, Ostwall 7 statt.

Rückfragen

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Frau Vera Anton-Lappeneit: Tel. +49(0)211/4967-42, E-Mail: lappeneit@aknw.de

Weitere Hinweise zu den einzureichenden Unterlagen finden Sie hier (PDF)

Bewerbung:
Die Frist zur Bewerbung ist am 30.11.2022 abgelaufen.

20.07.2022, Vera Anton-Lappeneit

Stipendien

Karl Ganser: Vordenker eines neuen Ruhrgebiets

Stipendiatin Dr. Anna Kloke erforscht für ihr Habilitation Leben und Werk des Architekten Karl Ganser, der im Jahr 2022 im Alter von 85 Jahren gestorben ist. – Erster Zwischenbericht.

01.06.2022

Karl Ganser wurde 1937 im bayrischen Mindelheim geboren und studierte Chemie, Biologie und Geographie an der Technischen Hochschule München. Nach seiner Promotion und Assistenzzeit am dortigen Geographischen Institut wurde Ganser Projektleiter im Stadtentwicklungsreferat der Landeshauptstadt München, wo er auch für die Olympischen Spiele plante. Nach seiner Habilitation wurde er Leiter des Instituts für Landeskunde in Bonn, der späteren Bundesforschungsanstalt für Landes- und Raumkunde. Von 1980 bis 1989 war Ganser Abteilungsleiter Städtebau im Ministerium für Landes- und Stadtentwicklung des Landes NRW unter der Führung von Christoph Zöpel. Nach einem Besuch der „Internationalen Bauausstellung 1987“ in Berlin schlug Ganser seinem Minister eine „Internationale Bauausstellung“ als Strukturförderprogramm für das nördliche Ruhrgebiet vor. Als Geschäftsführer lenkte Ganser von 1989 bis 1999 maßgeblich die Geschicke der „IBA Emscher Park“.

Die IBA – Werkstatt für das Ruhrgebiet und darüber hinaus

Die IBA Emscher Park war mit ihren 119 Initiativen als Impuls für eine Erneuerung im städtebaulichen, sozialen, kulturellen wie auch ökologischen Bereich angelegt. Verbunden mit einem Anspruch auf Modellhaftigkeit lautete ihr Untertitel „Werkstatt für die Zukunft alter Industriegebiete“. Wichtiges Credo: Die Reaktivierung der Flächen dürfe nicht zum Verlust ihrer Geschichtlichkeit führen, da diese essentiell für die räumliche und städtebauliche Identitätsbildung in der Region sei. Somit konnten durch die IBA Emscher Park wichtige Zeugnisse der Industriekultur erhalten und darüber hinaus für eine breitere Öffentlichkeit erlebbar ge-macht werden. Die IBA stieß einen bedeutenden Wandel in der Wahrnehmung und Rezeption der Metropolregion an. Die Zeche Zollverein, lange Zeit negativ konnotiert mit dem Niedergang der Montanindustrie, entwickelte sich zu einem „Ausrufezeichen des Strukturwandels“, wie Andreas Rossmann am 19.11.2011 in der FAZ schrieb. Die „Europäische Kulturhauptstadt Ruhr 2010“ versuchte den Faden aufzunehmen und verstand sich selbst als Nachfolgeinstitution der IBA Emscher Park.

Der Bestand „Ganser“ im Baukunstarchiv NRW

Neben bereits bekannten und publizierten Inhalten zählen zum Bestand des Nachlasses Ganser im Baukunstarchiv NRW Korrespondenzen, Aktennotizen und Vortragsmanuskripte, die neben zahlreichen anderen Initiativen neue Einblicke in bedeuten-de Projekte wie die IBA Emscher Park oder die RUHR.2010 gewähren. Das Material legt Hintergründe offen und zeichnet politische Debatten auf unterschiedlichen Ebenen nach. In Brief-wechseln und Vortragsmanuskripten blickt Ganser zurück, bewertet und wagt einen Ausblick etwa auf die Regionalpolitik im Ruhrgebiet. Eine Dankesrede, die er anlässlich der Verleihung des „Obayashi Prize“ 2006 in Japan hielt, zeugt davon. Verschiedene Kartons mit Archivmaterial zu Auslandskontakten gewähren einen Einblick in die Rezeption der Bauausstellung auch auf internationaler Ebene.

Forschungsstand erweitern

Zahlreiche Publikationen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen sind dem Thema IBA Emscher Park und der Metropole Ruhr gewidmet. Der Bestand „Ganser“ im Baukunstarchiv NRW bietet nun die einmalige Möglichkeit, den aktuellen Forschungsstand zur jüngeren Geschichte der Architektur und des Städtebaus des Ruhrgebietes um die Perspektiven, die die wissenschaftliche Erschließung des persönlichen Nachlasses Karl Gansers eröffnen, zu erweitern.

Dr. Anna Kloke forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Technischen Universität Dortmund zur Geschichte der Architektur und des Städtebaus im Ruhrgebiet. Als Mitglied der AKNW wurde sie 2022 von der Stiftung Deutscher Architekten für ein Habilitationsstipendium ausgewählt.
Weitere Infos und Bilder unter www.stiftung-deutscher-architekten.de

Dr. Anna Kloke – 1.6.2022

üBER UNS

Nachwuchsförderung bleibt unverzichtbar

Einstimmig haben die Mitglieder des Vorstands und des Kuratoriums der Stiftung Deutscher Architekten eine neue Projektstruktur für die künftige Stiftungsarbeit vereinbart. In einer gemeinsamen Sitzung der Gremien am 5. Mai im Baukunstarchiv in Dortmund wurde beschlossen, die vier Säulen der baukulturellen (Nachwuchs-)Förderung grundsätzlich zu erhalten.

23.05.2022

Gemeinsame Sitzung im Gartensaal des Baukunstarchivs NRW: Vorstand und Kuratorium der Stiftung Deutscher Architekten
© Christof Rose

„Die Förderung unseres Berufsnachwuchses bleibt unverzichtbar“, unterstrich Ernst Uhing, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten und Präsident der Architektenkammer NRW. „Gerade in Zeiten, in denen die Anforderungen an das Planen und Bauen in technischer Hinsicht und in Fragen der Nachhaltigkeit immer weiter wachsen, müssen wir junge Planerinnen und Planer dazu ermutigen, ganzheitlich und interdisziplinär zu denken.“ Der satzungsgemäße Stiftungszweck wird entsprechend um Projekte erweitert, die sich verstärkt den Zukunftsthemen widmen.

Die Stiftung wird mit ihren kleinen, aber ausgesuchten Projekten weiterhin im „Best of“ Bereich agieren; der Stiftungszweck wird durch die zielgruppenscharfe Förderung weiterhin erreicht werden. Neben der Unterstützung des Baukunstarchivs und der Vergabe von Stipendien bleiben der „Förderpreis“ und das „Summercamp“ erhalten; beide Format wechseln sich im jährlichen Rhythmus ab: Der Förderpreis richtet sich an besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der letzten beiden Abschlussjahrgänge, die von ihrem Hochschulprofessor bzw. ihrer -professorin vorgeschlagen werden müssen.

Zum Summercamp können sich an junge Architekturschaffende anmelden, die noch nicht Kammermitglied sind und eine jeweils bestimmte Altersgrenze noch nicht überschritten haben.

Architekturbiennale wird Anker des Summercamps

Das „Summercamp“ der Stiftung Deutscher Architekten erfährt einen Relaunch mit folgenden wichtigen Eckpunkten:

  • Das Summercamp ist international.
  • Es findet eine Zusammenarbeit mit Hochschulen oder Architekturbüros statt.
  • Das Exkursionsziel ist baukulturell attraktiv.
  • Neben der Arbeit an einem Thema wird mehr Zeit für Gespräche und den Austausch eingeplant.
  • Der Workshop wird mit Ankerthemen oder Megatrends verbunden.

Vor dem Hintergrund dieser Zielvorgaben soll Venedig regelmäßiger Standort der Summercamps werden. Die erste Reise nach Venedig findet in diesem Herbst statt; sie ist bereits ausgebucht. Die Architekturbiennale wird zukünftig Anker des Summercamps sein. Das jeweilige Thema der Biennale wird im Workshop aufgegriffen. Eine teilweise Anerkennung als Weiterbildung soll erreicht werden.

Volunteers, hands on!

Neu beschlossen wurde die Projektreihe „volonteers, hands on“, bei dem die Studierenden selbst an einem gemeinnützigen Projekt mitarbeiten können sollen. Voraussetzung ist, dass man bestehende Vorhaben unterstützt. Mit diesem Projekt wird an die guten Erfahrungen aus der Kooperation mit der RWTH Aachen beim Projekt „Des étudiants construisent pour des étudiants“ im Jahr 2010 in Kananga in der Demokratischen Republik Kongo angeknüpft.

Dank an den Vorstand

Dass die Arbeit der Stiftung Deutscher Architekten professionell und transparent durchgeführt wird, bestätigte Wirtschaftsprüfer Ralf Sieben in der Sitzung am 5. Mai im Baukunstarchiv NRW. Die finanzielle Lage der Stiftung macht die weitere Entwicklung der Projekte – zumindest in nächster Zeit – möglich. Die Wirtschaftsprüfer der Dr. Stallmeyer GmbH erteilten für das 2021 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk; das Kuratorium entlastete den Vorstand einstimmig und dankte für den Einsatz.

Stipendium

Anna Kloke

Seit 2022 forscht Anna Kloke mit Unterstützung der Stiftung Deutscher Architekten im Rahmen eines Habilitationsstipeniums über eines der größten Zukunftsprojekte in NRW: die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park, die in den 80er und 90er Jahren des 20 Jahrhunderts den großen Strukturwandel im Ruhrgebiet begleitete.

01.05.2022

Anna Kloke, Habilitationsstipendiatin der Stiftung Deutscher Architekten (2022)
© Foto: privat

Im November 2021 wurden auf Initiative Christoph Zöpels, dem ehemaligen Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes NRW, 32 Kartons aus Bayern an das Baukunstarchiv NRW in Dortmund geliefert. Sie enthalten den Nachlass des Stadtplaners und Geographen Karl Ganser, den Bundespräsident Johannes Rau 1999 beim Finale der Internationalen Bauausstellung Emscher Park als „einen der Architekten des neuen Ruhrgebietes“ würdigte.

Karl Ganser verstarb im April 2022. Mit einem durch die Stiftung Deutscher Architekten geförderten Habilitationsprojekt sollen auf Grundlage des Nachlasses „Karl Ganser“ neue Perspektiven auf sein Wirken für die jüngere Entwicklung der Architektur und des Städtebaus des Ruhrgebietes aufgezeigt werden.

Zur Person

Anna Kloke ist seit 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund tätig. Seit 2019 nimmt sie am Forschungsprojekt „Stadt Bauten Ruhr. Forschen Lehren Teilhaben“ teil. Anna Kloke promovierte an der Fakultät für Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar. Von 2009 bis 2015 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Hochschule Niederrhein beschäftigt. Vor ihrem Master-Studium der Kunst- und Designwissenschaften an den Universitäten Duisburg-Essen und Bochum absolvierte sie ein Diplomstudium an der FH Lippe-Höxter im Fach Innenarchitektur und eine ergänzende Hochschulprüfung zur Bauvorlageberechtigung. Als Mitglied der AKNW wurde sie 2022 von der Stiftung Deutscher Architekten für ein Habilitations-Stipendium ausgewählt.

Exkursionen

Auf die Geisterinsel

Die Stiftung Deutscher Architekten bietet für Absolventinnen und Absolventen aus den Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung vom 30.09.– 06.10.2022 einen „International Workshop“ nach Venedig an. Am Beispiel der verlassenen venezianischen Insel Poviglia werden aktuelle baukulturelle Themen behandelt.

16.02.2022

Thema des International Workshop 2022 der Stiftung Deutscher Architekten: Poveglia. Hier zu sehen: das verlassene Lazzaretto, daneben der Kirchturm von San Vitale .
© Foto: Chris 73 / Wikimedia Commons

Geplant ist eine Zusammenarbeit mit der Università Iuav di Venezia. Gemeinsam und im Austausch mit den Studierenden der Hochschule wollen wir vor Ort, in einem internationalen Workshop, aktuelle Themen zur Baukultur am Beispiel der verlassenen Insel Poviglia in Venedig analysieren und bearbeiten wie:

–    Klima- und Hochwasserschutz
–    Umbaukultur, Innovative Wohntypologien
–    Resiliente Stadtentwicklung

Besonderes hingewiesen wird auf den hohen Qualitätsanspruch der Aufgabe innerhalb des Weltkulturerbes Venedig, vor diesem Hintergrund erwartet die Stiftung ein Motivationsschreiben zu der Bewerbung.

Betreut wird der Workshop von Prof. Donatella Fioretti, Prof. Rolf Westerheide und seitens der IUAV von Prof. Marco Pogacnik und Prof. Sergio Pascolo.

Die Eigenbeteiligung der Teilnehmenden ist im DZ 150,00 € und im EZ 200,00 € pauschal für den gesamten Workshop mit Unterbringung und Anreise.

Wer kann teilnehmen?

Mit dem International Workshop fördert die Stiftung Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtung Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung, die bei Reiseantritt nicht älter als 33 Jahre und noch nicht Mitglied der AKNW sind.

Mit der Bewerbung für die Reise ist der Nachweis eines erfolgreich abgelegten Studiums in NRW erforderlich, das, mit Ausnahme der beruflichen Praxis und der Weiterbildung, zum Eintritt in die AKNW berechtigt. Im Falle eines Studiums der genannten Fachrichtungen an einer Hochschule in einem anderen Bundesland, berechtigt auch ein Wohnsitz in NRW zur Teilnahme.

Die Teilnehmerzahl ist auf 16 Personen beschränkt.

Die Ergebnisse des Workshops werden in geeigneter Weise durch die Stiftung Deutscher Architekten veröffentlicht.

Der Workshop ist ausgebucht. Bei Interesse oder Fragen schreiben Sie uns unter: workshops@aknw.de an oder rufen uns an unter: Tel. 0211 496742, Frau Vera Anton-Lappeneit.

Baukunstarchiv NRW

Baukunstarchiv feierlich eröffnet

„Das ist ein guter Tag für die Baukultur!“ Mit diesem Statement fasste Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau zahlreiche Aussagen rund um die Eröffnung des neuen Baukunstarchivs NRW zusammen. Insgesamt kamen am 4.11.18 mehr als 1300 Gäste und Besucher in das historisch bedeutende Gebäude am Ostwall 7 in Dortmund, in dem die neue Institution einen angemessenen Sitz gefunden hat.

05.11.2018

Eröffnet! Insgesamt 19 Gesellschafter, Partner und Unterstützer durchschnitten am 04.11.18 symbolisch das blaue Band zur Einweihung des Baukunstarchivs NRW, unter ihnen (Mitte) NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau und AKNW-Präsident Ernst Uhing
© Detlef Podehl / Baukunstarchiv NRW

Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Baukunstarchiv gGmbH und Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing, hob im Rahmen seiner Eröffnungsrede die Bedeutung des neuen Archivs hervor: „Nordrhein-Westfalen hat nun ein Baukunstarchiv, um die Nachlässe bedeutender Architekten und Ingenieure aus unserem Bundesland für die wissenschaftliche Forschung und für den Architekturdiskurs zu sichern.“ Auch die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes, Ina Scharrenbach, lobte das Engagement der beteiligten Baukammern und Institutionen: „Das Vorhaben wurde über zehn Jahre lang parteiübergreifend mitgetragen. Das zeigt die Bedeutung, die auch die Politik des Landes und unser Haus dem Baukunstarchiv NRW beimessen.“

Das Baukunstarchiv NRW wird Nachlässe einflussreicher und bedeutsamer Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure sammeln und für die wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich machen. Gesellschafter sind die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Deutscher Architekten, die Ingenieurkammer-Bau NRW und der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW. Sie werden das Baukunstarchiv betreiben.

Geschäftsführer des Baukunstarchivs NRW ist Stadtplaner Markus Lehrmann, der zugleich auch Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer NRW ist. Er unterstrich das starke Netzwerk der beteiligten Partner und Akteure, durch welches die Einrichtung des Baukunstarchivs NRW erst möglich geworden sei. „Hier wirken Architekten und Ingenieure mit Forschung und Wissenschaft zusammen, unterstützt von der Stadt Dortmund und vielen privaten engagierten Bürgerinnen und Bürgern. In diesem Verbund wird es gelingen, hier nicht nur ein Archiv, sondern ein lebendiges Haus der Baukultur zu etablieren“, zeigte sich Lehrmann überzeugt.

Das Gebäude stellt die Stadt Dortmund den Gesellschaftern mietfrei zur Verfügung. Die TU Dortmund bringt die Bestände des Archivs für Architektur und Ingenieurbaukunst NRW (A:AI) als Grundstock in das Baukunstarchiv NRW ein und übernimmt mit Prof. Dr. Wolfgang Sonne die wissenschaftliche Leitung des Hauses. Schon die Eröffnungsausstellung, die unter dem Titel „Eins, zwei, drei – Baukunstarchiv“ Einblicke in die aktuell rund 80 Nachlässe des Archivs gibt, wurde unter Mitwirkung von Studentinnen und Studenten an der TU Dortmund entwickelt. „Bewahren – Erforschen – Ausstellen“ – unter diesem Leitsatz will Prof. Sonne die wissenschaftliche Arbeit des Archivs aufbauen. „Nicht nur die Bauten, auch die Medien wie Pläne, Zeichnungen, Fotografien und Modelle, mit denen sie geschaffen und verbreitet werden, sind Baukunst. Dieses Kulturgut wollen wir sammeln, analysieren und der Öffentlichkeit präsentieren.“

Die Technische Universität Dortmund sei gerne Partnerin des „Baukunstarchivs NRW“, weil die Sammlung von Nachlässen eine bewährte Tradition von Architekturfakultäten sei. „Wir müssen die Vergangenheit kennen, um die Zukunft bauen zu können“, betonte Prof. Dr. Barbara Welzel, Prorektorin der TU Dortmund, im Rahmen der Eröffnungsfeier am 4. November. Ein Archiv habe eine wichtige „Gedächtnisfunktion“, die unverzichtbar sei für die Forschung.

Das neue Baukunstarchiv NRW stelle eine große Bereicherung für die Archivlandschaft in Deutschland dar, erklärte Prof. Dr. Hermann Parzinger in seiner Festrede. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sagte, Archive seien bedeutsam, um regionale Identitäten zu stiften. „In Zeiten der durchgreifenden Digitalisierung unserer Gesellschaft stellen wir gegenwärtig einen regelrechten ‚memory boom‘ fest“, so Prof. Parzinger. „Archive sind Botschafter unseres baukulturellen Erbes.“ Ihre Bedeutung werde immer dann besonders deutlich, wenn wichtige Bauwerke durch Natur- oder Menschengewalt zerstört würden. Hermann Parzinger lobte das Vorhaben der Gesellschafter der Baukunstarchiv NRW gGmbH, mit Ausstellungen und Veranstaltungen im neuen Haus den Dialog mit der Öffentlichkeit zu suchen.

Die im Januar 2017 begonnenen Arbeiten zur Revitalisierung und Modernisierung des geschichtsträchtigen Gebäudes am Ostwall 7 waren im Frühjahr 2018 planmäßig abgeschlossen worden. Bauherr war die Stadt Dortmund. Nach Entwürfen des Büros Spital-Frenking + Schwarz Architekten (Lüdinghausen/Dortmund) konnten alte Qualitäten des ursprünglich 1872 bis `75 nach Plänen des Berliner Architekten Gustav Knoblauch errichtete Landesoberbergamts freigelegt werden und baugeschichtliche Erweiterungen nach dem Teilwiederaufbau als „Museum am Ostwall“ 1956 für die Zukunft gesichert werden. Das beeindruckende Glasdach des Lichthofs wurde instandgesetzt, historische Bauteile und Bodenbeläge saniert, das Gebäude energetisch ertüchtigt und die Haustechnik erneuert.

Die notwendige Investitionssumme für die Ertüchtigung des Gebäudes betrug 3,5 Millionen Euro. Das Land NRW unterstützte diese Maßnahme zu 80 Prozent mit Mitteln der Städtebauförderung, 10 Prozent trug die Stadt Dortmund, 10 Prozent der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau verwies anlässlich der Eröffnung des Baukunstarchivs NRW auf die lange Tradition des Gebäudes Ostwall 7 und auf seine besondere Bedeutung für die Stadt. Historisch sei das frühere Oberbergamt die Genehmigungsbehörde für den gesamten Bergbau und das Hüttenwesen im Ruhrgebiet und in Norddeutschland gewesen. Später sei das Gebäude dann als Ort der modernen Kunst überregional wahrgenommen worden. „Mit Blick auf diese herausragende historische Bedeutung“, so Oberbürgermeister Sierau, „wurde die Idee geboren, diesen Ort auch künftig entsprechend öffentlich zu nutzen.“ In diesem Zusammenhang dankte Sierau den 8000 Bürgerinnen und Bürgern, die sich „mit ihrem Engagement trotz widriger Umstände für den Erhalt des Gebäudes und die Nutzung als Baukunstarchiv eingesetzt haben“. Es ist beabsichtigt, im Baukunstarchiv NRW einen speziellen fachlichen Informationsort für die Route der Industriekultur zu entwickeln, und zwar mit einer Schwerpunktsetzung zur Architektur- und Ingenieurbaukunst im Ruhrgebiet.

Mehr Informationen unter www.baukunstarchiv.nrw

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Eins zwei drei Baukunstarchiv“ ist bis zum 10. Februar 2019 im Baukunstarchiv, Ostwall 7 in Dortmund, zu sehen. Geöffnet ist sie jeweils am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 20 Uhr. Führungen und Sonderöffnungen finden nach Absprache statt.

Stipendien

Quo Vadis Geschosswohnungsbau

Der Essener Architekt Jan Sebastian Kutschera wird seit 2018 von der Stiftung Deutscher Architekten in seinem Promotionsvorhaben unterstützt. Er promoviert über das Thema Geschosswohnungsbau. – Erster Zwischenbericht.

01.01.2018

Deutsche Großstädte wachsen seit einer Dekade rapide bei gleichzeitig fortschreitender Atomisierung der Bewohnerprofile (Senioren, Singles, Wohngemeinschaften, Patchworkfamilienverbünde, Wohnen und Arbeiten unter einem Dach usw.). Als Folge dessen erleben aktuell zahlreiche deutsche Städte eine starke Wohnbautätigkeit und großflächige Erneuerung des Geschosswohnungsbestandes. Interessanterweise verläuft diese Bautätigkeit jedoch weitestgehend ohne eine in den Medien präsente, fachliche Diskussion zur Frage der Wohnbedürfnisse und zu aktuellen Anforderungen an die räumlich-grundrissbezogenen Wohnqualitäten sowie zu Fragen des Gebäudeausdrucks und dem Verhältnis des Gebäudes zur Stadt, analog zu jenen Diskussionen in der Deutschschweiz.

Die Vielfalt der Bewohnerprofile und die daraus abgeleiteten unterschiedlichen Wohnbedürfnisse werden in aktuellen Wohnbauten nicht widergespiegelt; die überwältigende Mehrheit der aktuell entwickelten Wohnbauten verharrt in bekannten Wohnformen „ZiKüDiBad“. Räumliche Beziehungen der Zimmer untereinander, welche unterschiedliche Belegungen der Räume und eine vielfältige Nutzung der Wohnungen zulassen würden (beispielsweise zuerst als Kinder-/WG-Zimmer, dann etwa als Home-Office/Gästeraum/ausgegliederte Studiowohnung o.ä.) sucht man vergebens.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Wohnungsbau zeigt der Blick auf die für den Wohnungsbau sehr fruchtbare, experimentierfreudige und vielfältige Nachkriegszeit, dass sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Lebensweisen einen starken Einfluss auf die Wohnarchitekturen haben können.

Das Wohnen unterliegt während der großflächigen Erneuerung des Wohnungsbestandes der Nachkriegszeit starken gesellschaftlichen Veränderungen und sich wandelnden Ansprüchen. Der wirtschaftliche und motorisierte, rapide Wandel der Gesellschaft ermöglicht eine präzedenzlose Individualisierung und Vervielfältigung der Lebensentwürfe. Die daraus erwachsenden Veränderungen der Wohnmöglichkeiten und -vorstellungen prägen zu jener Zeit das räumlich-plastische Schaffen der nordrhein-westfälischen Architekten (O. M. Ungers, R. Link, W. Brune u.a.) und kulminieren in Verner Pantons fantastischer Wohnlandschaft „Visiona II“ im Rahmen der Kölner Möbelmesse 1970. Diese entwerferische Experimentierfreude bildet einen fruchtbaren Hintergrund für die wohnungsbauenden Architekten der Nachkriegszeit, deren Schaffen ein vielfältiges und an Raum- und Wohnkonzepten reiches Erbe hinterlässt. Diese fruchtbare Schaffensperiode geht erst mit der Öl- und anschließenden Wirtschaftskrise der 1970er Jahre zu Ende.

Nordrhein-Westfalen ist das Zentrum des politischen, wirtschaftlichen und baulichen Geschehens in der Nachkriegszeit der Bundesrepublik. Nach der ersten Phase des bereits gut dokumentierten existenzsichernden Wohnungsbaus der frühen Nachkriegszeit entstehen in Nordrhein-Westfalen – und vorwiegend in den Städten des Rheinlandes – ab Mitte/Ende der Fünfzigerjahre Wohnungsbauprojekte, welche statt der reinen Wohnraumbeschaffung vielmehr die Grundriss- und Ausdrucksqualitäten der Gebäude und ihrer Beziehungen mit dem umgebenden Stadtraum in den Vordergrund stellen.

Die Vielfalt und die architektonische Qualität dieser von Architekten meist ortsspezifisch entwickelten Wohnprojekte ist bisher für das Land NRW noch nicht zusammengetragen worden. Dieses reichhaltige Architekturerbe sichtbar zu machen und einzuordnen, ist Thema meiner Promotionsarbeit.

Der Fokus der Sammlung wird auf jenen „bunten“, elaborierten und von Architekten sorgfältig geplanten Bauten im städtischen Kontext liegen, welche in ihrer architektonischen Gestalt zur Stadt sowie in der Grundrissstruktur eigenständige Beiträge zum Wohndiskurs der Nachkriegszeit anstreben. Die Forschungsarbeit wird den architektonischen Lösungsreichtum des Wohnungsbauerbes der nordrhein-westfälischen Nachkriegszeit sammeln, aufbereiten und einordnen. Sie wird wichtige Wohnbauten mithilfe umfassender Projektdokumentationen und -analysen untersuchen und das breite, vielfältige Feld entwickelter Entwurfskonzepte sichtbar machen.

Das Ziel der Forschungsarbeit ist es, die Fülle der architektonischen und konzeptionellen Lösungen nordrhein-westfälischer Wohnbauprojekte aufzuzeigen, sie in den zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen und mithilfe dieser Promotion die vielfältige Wohnbauarchitektur des Landes in der europäischen Architekturgeschichte zu verankern.

Jan Sebastian Kucera, 01.01.2018

Stipendium

Jan Sebastian Kucera

Der Architekt Jan Sebastian Kucera untersucht die Entwicklung des Wohnungsbaus in europäischen Städten untersucht. Dabei wird er von der Stiftung Deutscher Architekten mit einem Promotionsstipendium unterstützt.

01.01.2018

Dies ist eine Bildbeschreibung
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Deutsche Großstädte wachsen seit einer Dekade rapide bei gleichzeitig fortschreitender Atomisierung der Bewohnerprofile (Senioren, Singles, Wohngemeinschaften, Patchworkfamilienverbünde, Wohnen und Arbeiten unter einem Dach usw.). Als Folge dessen erleben aktuell zahlreiche deutsche Städte eine starke Wohnbautätigkeit und großflächige Erneuerung des Geschosswohnungsbestandes. Interessanterweise verläuft diese Bautätigkeit jedoch weitestgehend ohne eine in den Medien präsente, fachliche Diskussion zur Frage der Wohnbedürfnisse und zu aktuellen Anforderungen an die räumlich-grundrissbezogenen Wohnqualitäten sowie zu Fragen des Gebäudeausdrucks und dem Verhältnis des Gebäudes zur Stadt, analog zu jenen Diskussionen in der Deutschschweiz.

Das Ziel der Forschungsarbeit ist es, die Fülle der architektonischen und konzeptionellen Lösungen nordrhein-westfälischer Wohnbauprojekte aufzuzeigen, sie in den zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen und mithilfe dieser Promotion die vielfältige Wohnbauarchitektur des Landes in der europäischen Architekturgeschichte zu verankern.

Zur Person

(*1980) hat an der Technischen Universität Darmstadt Architektur studiert. Er arbeitet als selbständiger Architekt, vor allem im Bereich Wohnungsbau, zuerst in Zürich und nun in Essen/Darmstadt und verantwortete die Recherche für das fünfjährige Forschungsprojekt „Wohnen in Europa – Zur Entwicklung des Wohnungsbaus in europäischen Städten der Nachkriegszeit“ am Wohnungsbaulehrstuhl von Prof. Elli Mosayebi. Diese Arbeit am Wohnungsbau und seiner Geschichte bildet einen fruchtbaren Nährboden für seine Promotionsarbeit.

Förderpreis

Empathischer Nachwuchs

Motivieren, inspirieren und gute Architekturkonzepte öffentlich präsentieren – das sind die Ziele des „Förderpreises“ der Stiftung Deutscher Architekten, der am 6. April im Haus der Architekten zum 16. Mal an angehende Architektinnen und Architekten verliehen wurde. Drei Preise und fünf Anerkennungen gingen an Absolventinnen und Absolventen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH Aachen), der Peter Behrens School of Arts (pbsa) in Düsseldorf und der msa münster school of architecture.

07.04.2017

Preisträger und Redner (v. l.): Oliver Wenz, Katrin Recker, Hanna Teuwsen, Taina Puyn, Dasha Kuletskaya, Roland Bondzio (Jury-Vorsitzender), Virginia Clasen, Gerhard Kalhöfer (Festredner) und Klaus Brüggenolte (AKNW-Vizepräsident)
© AKNW

„Wir brauchen begabte junge Menschen, die unsere gebaute Umwelt von morgen engagiert gestalten und planen“, erklärte der Vizepräsident der Architektenkammer NRW und Vorstandsmitglied der Stiftung, Klaus Brüggenolte, in seiner Begrüßung vor rund 150 Verfahrensbeteiligten, interessierten Kammermitgliedern und Gästen. Insgesamt 47 Arbeiten waren von Absolventen der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung aus acht nordrhein-westfälischen Hochschulen zum „Förderpreis 2016“ vorgelegt worden. Alle Bewerberinnen und Bewerber wurden von ihren Professoren als „besonders begabt“ eingeschätzt.

Die Jury unter Leitung des Münsteraner Architekten Roland Bondzio lobte die ausgezeichneten Arbeiten als Beispiele für die planerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, die mit großer Analysetiefe, Fachkompetenz und Einfühlungsvermögen zu originellen Lösungsansätzen geführt hätten.

Die drei gleichrangigen Förderpreise (je 4.000 Euro) erhielten Virginia Clasen (pbsa Düsseldorf) für die Arbeit „Astronomy Center Redsand“, Li Lin (RWTH Aachen) für „Die Ewigkeit und ein Tag“ und Hanna Teuwsen (msa, Münster) für den Entwurf „Zwischen den Sphären Santa Maria de la Valldigna, Ein Kinderhospiz im Konvent“. Roland Bondzio unterstrich in seinem Bericht aus der Jurysitzung, dass in diesem Jahr der große Anteil junger Frauen unter den vorgeschlagenen Preis-Aspiranten auffalle. „Es würde der Baukultur insgesamt guttun, wenn die Architektur weiblicher wird. Die Ergebnisse des Förderpreises 2016 zeigen dies deutlich auf.“ Die eingereichten Arbeiten der Teilnehmerinnen hätten vielfach „durch Mut, Zielstrebigkeit sowie analytische und handwerkliche Fähigkeiten“ überzeugt. Die Jury sei insbesondere von den sensiblen entwurflichen Eingriffen und der hohen atmosphärischen Dichte der ausgezeichneten Arbeiten beeindruckt gewesen. Insgesamt sei die Beratung der Jury fordernd, aber auch sehr bereichernd gewesen. „Wir hatten 47 Arbeiten der Jahrgangsbesten vorliegen. Jede Bewerberin und jeder Bewerber um den Förderpreis 2016 ist sowieso schon ein Gewinner!“

Eine besondere Anerkennung (1.500 Euro) vergab die Jury an Viktoria Falk und Lukas Mahlendorf (RWTH Aachen) für ihr künstlerisch orientiertes Master-Projekt „Kinetic Weaving“. Zudem gingen vier Anerkennungen (je 1.000 Euro) an Dasha Kuletskaya („Banja“), Katrin Recker („Landpartie“) und Oliver Wenz („High Five – Hochhaus in Neapel“), alle drei von der RWTH Aachen; sowie an Taina Puyn von der TU Dortmund für „Stadtbibliothek Köln“.

„Ihr braucht Mut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen“, empfahl Gerhard Kalhöfer den angehenden Kolleginnen und Kollegen. Der Kölner Architekt (Kalhöfer – Korschildgen) berichtete auf der Preisverleihung aus seinem Werdegang. Am Anfang hätte sein Büro nur kleine Projekte gemacht, die zwar wenig Honorarumsatz generiert, dafür aber Renommee gebracht hätten. „Versuchen Sie, Ihre Projekte in Fachzeitschriften zu publizieren“, riet Kalhöfer. Die meisten Aufträge erhielten Architekten noch immer über Empfehlungen und Einladungen. Wichtig seien zudem Empathie und Kommunikationsfähigkeit. „Davon kommt in den Arbeiten der Preisträgerinnen viel zum Ausdruck.“

Das Vorstandsmitglied der Stiftung Deutscher Architekten, AKNW-Vizepräsident Klaus Brüggenolte, betonte im Rahmen der Preisverleihung in Düsseldorf die Bedeutung einer umfassenden, profunden Hochschulausbildung für Architektinnen und Architekten, deren Berufsbild immer komplexer und anspruchsvoller werde. Eine profunde Ausbildung im Studium und der anschließenden Berufspraxis sei deshalb unverzichtbar.

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