Fördeprreis Was planen junge, angehende Architektinnen und Architekten? Aufschluss darüber gibt der Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten (SDA), mit dem im Frühjahr im Baukunstarchiv NRW in Dortmund junge Nachwuchsplanerinnen und -planer für ihre überzeugenden Studienabschlussarbeiten ausgezeichnet wurden. Ruth Johanna Dyzmann (FH Münster) ist eine von drei gleichrangigen Preisträger*innen. Sie überzeugte die Jury mit ihrer Masterarbeit „Am Rande – Grenzenlose Verflechtung des Ruhrgebiets“. Ruth Johanna Dyzmann, Ihre Arbeit befasst sich mit den baukulturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen im Ruhrgebiet. Was hat Sie zu dieser Aufgabenstellung gebracht? Ich bin mit offenen Augen durch verschiedene Städte gegangen, und mir ist dabei besonders aufgefallen, wie stark aktuell an den Rändern verdichtet wird – oft „auf der grünen Wiese“. Die Architektur dieser neuen Quartiere ist zwar häufig hochwertig, aber das Umfeld, das für ein lebendiges Alltagsleben notwendig wäre, fehlt oft. Spannend fand ich das Ruhrgebiet, weil hier die Städte stark zusammengewachsen sind, sodass die Ränder nicht immer klar erkennbar sind. Es war für meine Arbeit daher eine zusätzliche Herausforderung, die unterschiedlichen Arten von „Rändern“ zu identifizieren und zu analysieren – oft liegen diese nicht offensichtlich am Stadtausgang, sondern sind eher als Brüche, Übergänge oder Nahtstellen innerhalb der dichten urbanen Struktur zu finden. Das machte das Thema für mich besonders reizvoll. Warum haben Sie sich für die jeweiligen Orte entschieden, und was hielten Sie für besonders geeignet für Ihre Fallstudie? Die Orte habe ich mir bewusst „erfahren“: Ich bin mit dem Motorrad durch einen Teil des Ruhrgebiets gefahren, nachdem ich mich intensiv mit dem Schwarzplan beschäftigt hatte. Ich wollte herausfinden: Wo trifft bebaute und unbebaute Fläche aufeinander? Wo gibt es markante Einkerbungen, Brüche oder Lücken? Beim Kohlenbunker in Gelsenkirchen hat mich besonders die starke Präsenz der Struktur fasziniert. Die Fläche wirkte wie ein vergessener, aber potenzieller Ort – mit einer Skateanlage, aber ohne echte Belebung. Ich sah darin großes Potenzial, einen identitätsstiftenden Raum zu schaffen. Das Grundstück fand ich aufgrund der Nähe zur Ruhr-Universität Bochum spannend. Ich habe vor Ort mit Studierenden gesprochen, um herauszufinden, was ihnen fehlt, und mir wurde klar, dass hier ein Raum fehlt, der Freizeit, Begegnung und Nahversorgung verbindet, ohne dafür direkt in eine der Innenstädte zu müssen – ein ideales Szenario, um ein lebendiges Quartier zu entwickeln. Wurde Ihre Arbeit an den beiden Orten zur Kenntnis genommen? Trägt sie zum aktuellen Diskurs in der Stadtplanung bei? Meine Arbeit hat zwar keinen direkten Einfluss auf konkrete Bauvorhaben an den beiden Orten genommen, wurde aber im Rahmen von Präsentationen an der Universität und durch Diskussionen mit lokalen Akteur*innen aufmerksam wahrgenommen. Besonders die Gespräche mit Studierenden in Bochum und die Rückmeldungen von Fachleuten haben gezeigt, dass meine Ansätze Denkanstöße liefern, wie wir Stadtentwicklung neu denken können. Inhaltlich trägt meine Arbeit zum aktuellen Diskurs bei, indem sie die Themen Wohnungsnot, bezahlbaren Wohnraum und sozialen Zusammenhalt zusammenführt. Ich habe bewusst den Fokus darauf gelegt, dass neue Quartiere nicht nur für das reine Wohnen geplant werden sollten, sondern zum Leben. Meine Konzepte zeigen auf, dass es zwar bestimmte Leitlinien für ausgewogene Quartiere geben kann, aber jedes Projekt auf die Besonderheiten des Ortes abgestimmt sein muss. Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Welche Ziele möchten Sie als Architektin erreichen? Derzeit befinde ich mich in der Einarbeitung in den Berufsalltag und sammle wertvolle praktische Erfahrungen, die mir helfen, die vielfältigen Herausforderungen und Realitäten des Architekt*innenberufs besser zu verstehen. Langfristig ist es mein Ziel, aktiv an Projekten mitzuwirken, die einen nachhaltigen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Besonders die Themen Stadtentwicklung und zukunftsorientierte Planung liegen mir am Herzen. Ich möchte mich daher künftig verstärkt für integrative, lebenswerte Quartiere einsetzen, die nicht nur architektonisch überzeugen, sondern auch sozial, ökologisch und funktional einen echten Beitrag leisten.Interview: „Am Rande“
© Foto: Detlef Podehl / Architektenkammer NRW
Gewinnerin des Förderpreis 2025 Ruth Johanna Dyzmann im Interview
Förderpreis Mit dem Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten wurden im Frühjahr 2025 im Baukunstarchiv NRW junge Nachwuchsplanerinnen und -planer für ihre überzeugenden Studienabschlussarbeiten ausgezeichnet. Ann-Kathrin Penkert (FH Münster) ist eine von drei gleichrangigen Preisträger*innen. Unter dem Titel „Wandel.gestalten – Über das Recycling von Orten im städtischen Raum“ entwickelte sie ein Szenario für die Reaktivierung eines ehemaligen Kaufhauses in Celle. Die Jury zeigte sich beeindruckt von ihrem respektvollen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und würdigte die strategische Klarheit ihres Konzepts, den nachhaltigen Ansatz sowie die hohe gestalterisch-funktionale Qualität der vorgeschlagenen Umnutzung. Ann-Kathrin Penkert, die Jury hat Ihr besonderes konzeptionelles Talent bestätigt. Was bildet Ihrer Meinung nach die Basis für die Entwicklung eines guten architektonischen Konzepts? Die Grundlage eines überzeugenden architektonischen Konzepts ist das Verständnis für den spezifischen Ort, seine Geschichte und die Bedürfnisse der Nutzer*innen. Im Rahmen meiner Masterarbeit lag der Fokus auf der Entwicklung eines Konzepts, das die Potenziale einer ressourcenschonenden Umnutzung innerstädtischer Kaufhausstrukturen untersucht. Zentral war dabei ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsverständnis, das ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen gleichwertig integriert, um eine resiliente und vielfältig nutzbare Alternative zum monofunktionalen Einzelhandel aufzuzeigen. Die aktive Einbindung relevanter Akteur*innen von Politik über Wirtschaft bis hin zur Zivilgesellschaft bildet eine wichtige Grundlage, um tragfähige Lösungen zu entwickeln, die gestalterisch wie auch funktional überzeugen. Welche Strategien haben Sie angewendet, um die Transformation des Karstadt-Gebäudes im Kontext des tiefgreifenden Strukturwandels im Einzelhandel zukunftsfähig zu gestalten? Im Zentrum meines Ansatzes stand das Konzept des „Recyclings von Orten“, bei dem bestehende Bausubstanz ressourcenschonend weiterentwickelt und ihre Identität geschützt wird. Ziel war es, das Gebäude vor dem Abriss zu bewahren, es durch gezielte Transformation in seiner städtebaulichen Bedeutung zu stärken und neue, vielfältige Funktionen in die Innenstadt zu integrieren. Als grundlegende Strategie dient ein hybrides Nutzungskonzept, das Bildung, Kultur, Wirtschaft und Wohnen intelligent miteinander verknüpft. Durch die Schaffung gemeinschaftlich nutzbarer Flächen wird das Gebäude zu einem produktiven Ort, der auf veränderte Arbeits- und Konsumformen reagiert und Synergien zwischen den Nutzer*innen fördert. Es entsteht ein zukunftsfähiger Ort, der Wandel nicht nur mitträgt, sondern einen solchen aktiv ermöglicht. Wie trägt Ihr Konzept dazu bei, das Stadtzentrum von Celle als lebendigen, multifunktionalen Ort zu stärken? Mein Konzept trägt zur Stärkung des Stadtzentrums von Celle bei, indem es monofunktionale Strukturen gezielt aufbricht und stattdessen einen Ort der Begegnung, Vielfalt und Teilhabe schafft. Mit dem WANDEL.HAUS entsteht ein offenes Umfeld, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten zusammenkommen können. Durch die aktive Einbindung verschiedener Akteur*innen wird das Gebäude zum Impulsgeber für eine lebendige Stadtmitte. Celle ist mit Herausforderungen konfrontiert, die auch in vielen anderen mittelgroßen Städten zu beobachten sind – Rückgang des Einzelhandels, Leerstände, sinkende Aufenthaltsqualität. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich übertragbare Prinzipien ableiten, etwa Mischnutzung, bauliche und programmatische Flexibilität sowie die gezielte Aktivierung von Erdgeschosszonen, die auch an anderen Standorten als wirksame Strategien zur Belebung der Innenstadt dienen können. Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Welche Ziele möchten Sie als Architektin erreichen? In meinem weiteren Werdegang möchte ich mich intensiv mit nachhaltigen Transformationen im urbanen Raum auseinandersetzen, sowohl in der Planungspraxis als auch möglicherweise in der Forschung. Mein Ziel ist es, Projekte zu entwickeln, die den Bestand intelligent weiterentwickeln, Ressourcen schonen und gleichzeitig soziale Werte fördern. Langfristig strebe ich eine Tätigkeit an, in der ich konzeptionelles Arbeiten, Entwurf und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden kann.Interview: „Wandel.gestalten“
© Foto: Detlef Podehl / Architektenkammer NRW
Gewinnerin des Förderpreis 2025 Ann-Kathrin Penkert im Interview
Förderpreis Für ihre überzeugenden Studienabschlussarbeiten wurden junge Nachwuchsplanerinnen und -planer am 10. April 2025 im Baukunstarchiv NRW mit dem Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten ausgezeichnet. Felix Schweizer von der RWTH Aachen ist einer von drei gleichrangigen Preisträger*innen. „Brauerei im Wandel – Eine Transformation des Brauereigeländes Ganter in Freiburg zu einem lebendigen Quartier“ lautet der Titel seiner Masterarbeit, mit der er die Jury überzeugte. Diese bescheinigte Schweizer „ein hohes Maß an Sensibilität im Umgang mit den vorhandenen Strukturen eines postindustriell geprägten Areals.“ Die Jury hat Ihren auffällig sensiblen Umgang mit vielschichtigen und überzeitlichen Themen gewürdigt. Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken und wo manifestieren sich diese in Ihrer Abschlussarbeit? Ich denke, ich habe mich besonders mit dem Ort und seinen räumlichen, historischen, funktionalen und architektonischen Schichten beschäftigt. Mich interessieren dabei nicht nur die offensichtlichen Merkmale eines Areals, sondern auch die Eigenarten und Potenziale, die in der Geschichte und den vorhandenen Strukturen verankert sind. Beim Ganter Areal war es mir wichtig, den Bestand nicht nur baulich zu erfassen, sondern auch seine Atmosphäre und Nutzungszusammenhänge zu verstehen. Die besondere Heterogenität des Areals – architektonisch wie programmatisch – habe ich nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt für den Entwurf verstanden. Die Mischung aus historischen und neuzeitlichen Gebäuden, unterschiedlichen Nutzungen und Leerständen bildet eine komplexe Grundlage, die Raum für neue Ideen eröffnet. Dies habe ich als Potenzial erkannt und als Ausgangspunkt und Grundgerüst für meinen Entwurf genutzt. Dabei ging es mir darum, die vorhandenen Qualitäten zu erkennen und herauszuarbeiten, um sie durch neue Akzentuierungen, räumliche Qualitäten und Strukturen hervorzuheben. Welche Herausforderungen sind bei der Integration der historischen Brauerei Ganter in das neue Quartier aufgetreten, insbesondere im Hinblick auf die Wahrung der Identität und die funktionale Weiterentwicklung? Die zentrale Herausforderung bestand darin, die identitätsstiftenden Merkmale des Ortes zu bewahren und gleichzeitig eine funktionale Weiterentwicklung zu ermöglichen. Das Ganter Areal ist durch eine vielschichtige bauliche Struktur geprägt, mit Gebäuden unterschiedlicher Epochen, Nutzungen und Bausubstanz. Diese Heterogenität erforderte eine differenzierte Herangehensweise, um die vorhandenen Qualitäten nicht zu überformen, sondern in die zukünftige Entwicklung einzubinden. Besonders anspruchsvoll war es, eine stimmige Balance zwischen Bestand und Neubau zu finden – sowohl gestalterisch als auch programmatisch. Die Entwicklung eines tragfähigen Nutzungsmix war eng mit der Frage verbunden, wie bestehende Gebäude sinnvoll aktiviert und neue Funktionen ergänzt werden können, ohne den Ort zu überfrachten. Hinzu kam die Herausforderung, ein funktionierendes Nebeneinander sehr unterschiedlicher Anforderungen zu ermöglichen – von Wohnen und Kultur über kleinteiliges Gewerbe bis hin zur weiterhin aktiven Brauerei. Es ging also nicht nur um bauliche Integration, sondern auch um die konzeptionelle Verbindung von Geschichte, Gegenwart und zukünftigen Anforderungen, welche nicht in Konkurrenz stehen, sondern in miteinander korrespondieren. Wie haben Sie diese Herausforderungen methodisch und gestalterisch gelöst, um eine kohärente Verbindung zwischen Alt und Neu zu schaffen? Zu Beginn stand eine umfassende Analyse des Bestands – sowohl hinsichtlich baulicher Strukturen als auch im Hinblick auf Nutzung, Atmosphäre und stadträumliche Einbindung. Ergänzt wurde dieser analytische Zugang durch einen Workshop mit lokalen Akteur*innen, um ein differenziertes Bild des Ortes zu gewinnen und externe Perspektiven einzubeziehen. Gestalterisch habe ich den Bestand als strukturelles und identitätsstiftendes Gerüst verstanden, das durch gezielte Eingriffe ergänzt und aktiviert wird. Statt auf radikalen Wandel setzte der Entwurf auf Weiterentwicklung: leerstehende Gebäude wie die Alte Mälzerei oder der Flaschenkeller wurden umgenutzt, neue räumliche Qualitäten geschaffen und Neubauten so positioniert, dass sie auf Maßstab, Materialität und Höhenentwicklung des Bestands reagieren. Das Zusammenspiel von Nachverdichtung, Nutzungsmischung und behutsamer Transformation bildet die Grundlage für eine räumlich und funktional stimmige Verbindung von Alt und Neu – eingebettet in ein übergeordnetes städtebauliches Konzept, das neue Zugänge schafft, bestehende Qualitäten stärkt und dem Areal eine klare Ordnung und Offenheit zum städtischen Umfeld gewährt. Welchen Beitrag können Architektinnen und Architekten zum Erhalt der regionalen Baukultur Ihrer Meinung nach leisten? Architektinnen und Architekten tragen eine zentrale Verantwortung zum Erhalt regionaler Baukultur – nicht nur durch den Schutz historischer Bausubstanz, sondern auch durch die zeitgemäße Weiterentwicklung gewachsener Strukturen im Sinne ihrer Geschichte und Identität. Die intensive Auseinandersetzung mit dem, was da ist und es umgibt, ist für mich ein essenzieller Bestandteil des Entwurfsprozesses selbst – und ein Aspekt, der aus meiner Sicht noch stärker ins Zentrum der Praxis rücken sollte. Es geht darum, den Charakter und Potenziale eines Ortes zu erkennen und in die Gegenwart zu überführen, ohne ihn einfach nur zu überformen. Eine respektvolle Haltung gegenüber dem Bestand, genaues Hinsehen sowie der Dialog mit lokalen Akteurinnen und Akteuren, sowie ein sensibler, kontextbezogener Entwurfsansatz sind für mich der Schlüssel zu einer zeitgemäßer Baukultur die regional verwurzelt und zugleich zukunftsfähig ist. Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Welche Ziele möchten Sie als angehender Architekt erreichen? Ich möchte zunächst weitere praktische Erfahrung in einem Büro sammeln, das sich mit der Schnittstelle von Architektur und Städtebau beschäftigt, um das an der Universität gelernte auch in der Praxis umsetzen und gestalten zu können. Das Großartige an unserem Beruf ist, dass er sehr vielseitig ist , daher reizt es mich langfristig, noch viele Teilbereiche kennenlernen zu dürfen und mich intensiv mit ihnen zu beschäftigen, um immer wieder neue Perspektiven auf Architektur und Städtebau gewinnen zu können.Interview: „Brauerei im Wandel“
© Detlef Podehl/Architektenkammer NRW
Gewinner des Förderpreis 2025 Felix Schweizer im Interview
Video zum Förderpreis 2025
Förderpreis „Was plant der Architektur-Nachwuchs?“ Das will die Stiftung Deutscher Architekten (SDA) wissen – und zeichnet die begabtesten Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung in NRW alle zwei Jahre mit ihrem Förderpreis aus. In diesem Jahr wird der Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten zum 20. Mal ausgelobt. Der Förderpreis würdigt außergewöhnliche junge Talente, die von ihren Professorinnen und Professoren vorgeschlagen werden. Deutlich wird das Talent an Arbeiten, die im Rahmen eines in den Jahren 2023 oder 2024 an einer nordrhein-westfälischen Hochschule abgeschlossenen Studiums der Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung erbracht wurden. Ziel ist es, den Berufsnachwuchs zu fördern und für den Start in das Berufsleben zu motivieren. Teilnahmeberechtigt sind Absolventinnen und Absolventen, die (mit Ausnahme der beruflichen Praxis und der postgradualen Weiterbildung) die Voraussetzungen zur Eintragung in die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen erfüllen. Das Bewerbungsverfahren für den Förderpreis beginnt am 1. Oktober. Bis zum 10. November können Kandidatinnen bzw. Kandidaten dann von ihren Hochschulen vorgeschlagen werden. Insgesamt ist der Förderpreis mit 16 000 Euro dotiert. Vorgesehen ist die Vergabe von drei gleichen Preisen zu je 4000 Euro. Darüber hinaus kann die Jury für besondere Anerkennungen eine Summe von 4000 Euro gleichmäßig oder gestaffelt verteilen. Eine Teilnahme ist ab 1. Oktober möglich (bis 10. November). Förderpreis 2025: Jetzt teilnehmen!
Förderpreis Die Stiftung Deutscher Architekten vergibt alle zwei Jahre Förderpreise an besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge. Die unabhängige Jury unter Vorsitz von Stadtplaner und Architekt Prof. Rolf Westerheide hat im Februar getagt und drei besonders talentierte Nachwuchs-Planerinnen und -Planer ausgewählt. Einen Förderpreis erhielten Chiara Erhardt und Luca David Steinert für die Arbeit „ritrova.riesi – Impulse und Handlungsstrategien für die Stadt Riesi“, vorgeschlagen von Univ.-Prof. Anke Naujokat (RWTH Aachen). Chiara Erhardt und Luca David Steinert, am Beispiel der schrumpfenden Stadt Riesi in Sizilien befassen Sie sich mit der Frage, welchen Beitrag die Architektur als Baustein für mögliche Transformationen und nachhaltige Stadtentwicklung leisten kann. Wieso haben sie gerade diesen Ort für die Analyse ausgewählt? Luca Steinert: „Riesi kenne ich seit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für eine soziale Einrichtung, dem Servizio Cristiano. Ich lebte dafür ein Jahr in Riesi und lernte die Stadt gut kennen. Sie ist Außenstehenden vor allem durch negative Schlagzeilen zum Thema Abwanderung und Zerfall bekannt. Von den heute noch knapp 11 000 lebenden Einwohnern Riesis sind laut dem Einwohnermeldeamt ca. 7400 im Ausland registriert. Das hinterlässt nicht nur im Stadtbild deutliche Spuren, sondern auch kulturell, sozial und ökonomisch. Meine persönliche Erinnerung ist aber vor allem durch die Geschichten und gemeinsamen Erlebnisse mit den Menschen vor Ort geprägt. Diese wertschätzende Wahrnehmung der Stadt wollte ich unbedingt sichtbar machen. Dazu kam Chiaras sizilianischer familiärer Hintergrund und ihre eigene Motivation, das Sizilien von heute zu erforschen.“ Konnten Sie bei Ihrer Analyse auch Ableitungen für andere europäische Standorte mit ähnlicher Problematik erkennen? Chiara Erhardt: „Da die Herausforderung im Umgang mit schrumpfenden Städten europaweit besteht, wurde es uns früh ein Anliegen, eine Methode zu finden, die sich auch übertragen lässt. Wir haben Riesis besondere Orte gesammelt und mit den Erinnerungen der Bewohner*innen und räumlichen Analysen verknüpft. Aus diesen Fragmenten haben wir ein Leitbild entwickelt, das die vielseitigen Facetten der Stadt widerspiegelt und Regeln für den anschließenden Entwurfsprozess setzt. Somit verkörpern die beiden Entwürfe hybride und heterogene Räume Riesis. In diesem Prozess wurde uns besonders deutlich, dass eben auch die subjektive Wahrnehmung der Stadt eine maßgebliche Bedeutung für den Umgang mit Bausubstanz haben kann.“ Luca Steinert: „Der intensive Einbezug und der Austausch mit den Bewohner*innen hat unsere Sichtweise auf unsere Aufgabe stark beeinflusst und ihr eine neue Richtung gegeben. Dazu war es für uns sehr wichtig, für mehrere Wochen in Riesi zu leben. Wir glauben, dass diese Form des Austausches, Verständnis und vor allem Zuhörens Grundlage jeder Aufgabenstellung in der Architektur und Stadtplanung sein sollte.“ Die Jury hat Ihnen beiden eine besondere Beobachtungsgabe und ein großes Talent im methodischen Arbeiten sowie ein beseeltes Einfühlungsvermögen in gesellschaftliche Prozesse und deren Spiegelung in Stadtraum und Architektur bescheinigt. Möchten Sie im Bereich der Stadtplanung weiterarbeiten? Chiara Erhardt: „Die Thesis war für mich sicherlich der Auslöser für die Orientierung in Richtung Stadtplanung und hat meinen Blick insbesondere auf partizipative Prozesse gelenkt. Da „wertvolle“ Räume nicht immer durch einen städtebaulichen Plan erkennbar und verständlich sind, war es mir wichtig, den Einbezug von Öffentlichkeit in Planungsprozessen weiterzuverfolgen. In Riesi wurde deutlich, dass der Verlust und Verfall des gebauten Umfeldes den Zerfall städtischer Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Engagements nach sich zieht. Die wertschätzende Wahrnehmung der Stadt, die wir als Außenstehende hatten, sollte auch für die Bevölkerung vor Ort wieder sichtbar werden. Ich bin sehr froh darüber, diesen Weg eingeschlagen zu haben und diese Arbeitsweise weiterzuverfolgen.“ Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Luca Steinert: „Die Auseinandersetzung mit Riesi hat mir gezeigt, welches Potenzial im Vorgefundenen schlummert. Ein besonderer Anreiz war es für mich, den Dialog zwischen Bestehendem und Neuem herzustellen, erlebbar zu machen und weiterzuerzählen. Dazu gehört es meiner Meinung nach, sowohl die Eigenschaften des Ortes als auch das Alltägliche, das die Menschen mit diesem verbindet, zu verstehen und – im Kontext Riesis – wieder ‚erlebbar‘ zu machen. Davon leitet sich auch der Titel ‚ritrovare‘, also wiederfinden oder sich wieder treffen, ab. Ich wünsche mir nach der langjährigen Arbeit mit Riesi, diese Erkenntnisse nicht nur als Architekt, sondern auch fachlich übergreifend in der Lehre vermitteln und vertiefen zu können.“ Interview: Vera Anton-Lappeneit „ritrova.riesi – Impulse und Handlungsstrategien für die Stadt Riesi“ – Arbeit von Chiara Erhardt und Luca David Steinert – Rendering: Chiara Erhardt / Luca David SteinertInterview: „ritrova.riesi“
© Foto: Christof Rose/Architektenkammer NRW

Förderpreis 2023 Den Nachwuchs zu motivieren, zu inspirieren und gute Architekturkonzepte öffentlich zu präsentieren – das sind die Ziele des „Förderpreises“ der Stiftung Deutscher Architekten, der am Donnerstag, 23. Februar 2023, in einem Festakt im Baukunstarchiv NRW in Dortmund zum 19. Mal an angehende Architektinnen und Architekten verliehen wurde. Drei gleichrangige Förderpreise, die mit je 4000 Euro dotiert sind, und zwei Anerkennungen gingen an Absolventinnen und Absolventen der Architekturfakultäten der nordrhein-westfälischen Hochschulen. „Architektur und Stadtplanung müssen in großem Maßstab zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen, deshalb brauchen wir begabte junge Menschen, die unsere gebaute Umwelt von morgen engagiert gestalten und planen“, erklärte der Präsident der Architektenkammer NRW und Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ernst Uhing. Insgesamt 31 Arbeiten waren von Absolventinnen und Absolventen der Architekturfakultäten von elf nordrhein-westfälischen Hochschulen zum „Förderpreis 2023“ vorgelegt worden. Alle Bewerberinnen und Bewerber wurden von ihren Professor*innen als „besonders begabt“ eingeschätzt; der Vorschlag zur Teilnahme an dem Auszeichnungsverfahren erfolgte durch die jeweilige Hochschule. Die Jury unter Vorsitz des Architekten und Stadtplaners Prof. Rolf-Egon Westerheide (Aachen) lobte die ausgezeichneten Arbeiten als Beispiele für die planerische Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen: „Die jungen Planerinnen und Planer haben sich viel mit Lösungsansätzen für die globalen Klimafolgen befasst“, berichtete Prof. Westerheide aus der Jurysitzung. „Es geht darum, nachhaltig und klimagerecht zu planen, die natürlichen Ressourcen zu schonen, den Gebäudebestand weiterzuentwickeln, aber auch mit Schrumpfung und Rückbau im Sinne der Kreislaufwirtschaft verantwortungsvoll umzugehen.“ Alle eingereichten Arbeiten hätten mit großer Analysetiefe, Fachkompetenz und Einfühlungsvermögen zu originellen Lösungsansätzen geführt. Drei gleichrangige Förderpreise – dotiert mit je 4.000 Euro – erhielten Susanne Hugenberg (msa Münster) für ihre Masterabeit „Hommage di Marmi | Cava di Marmi – Ein Kulturort inmitten der Marmorberge“, Eva Krings und Katja Gadziak (RWTH Aachen) für ihre gemeinsame Arbeit „Ohne Ende Anfang – Zur Transformation der Zeilenbausiedlung in Eisenhüttenstadt“ sowie Chiara Erhardt und Luca David Steinert (RWTH Aachen) für ihren Entwurf „ritrova.riesi“. Außerdem vergab die Jury zwei Anerkennungen an Davin Schröder (FH Dortmund) für „The Earth School – Secondary school in Kafountine, Senegal“ (dotiert mit 2.500 Euro) und Joshua Karategin (PBSA Düsseldorf) für seinen Entwurf „Crossfloat“ (1.500 Euro). In die Bewertung der Jury flossen u. a. ein: der Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellung, die Intensität und Durchdringung des Themas, die Experimentierfreudigkeit und Innovationskraft der Lösung, die bautechnologische Präzision und die Qualität der Präsentation des Entwurfsprozesses. An diesen Kriterien soll das besondere Talent des Bewerbers bzw. der Bewerberin ablesbar sein. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutscher Architekten, Architektenkammerpräsident Ernst Uhing, betonte anlässlich der Preisverleihung die Bedeutung einer umfassenden, profunden Hochschulausbildung für Architektinnen und Architekten, für Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner*innen. Das Berufsbild werde immer komplexer und anspruchsvoller: Neben der Qualität des kreativen Entwurfs und der Präzision in der technischen Umsetzung müssten Architektinnen und Architekten heute zunehmend Aufgaben der Projektsteuerung leisten sowie Kommunikationsprozesse moderieren. „Die zukünftige Bau- und Planungsqualität in unserem Land braucht einen klaren Kompass und den Geist der Innovation“, führte Uhing aus. Die ausgezeichneten Förderpreisträgerinnen und -preisträger hätten mit ihren eingereichten Arbeiten dafür hervorragende Beispiele geliefert.Lösungsansätze für die globalen Klimafolgen
© Foto: Detlef Podehl / Architektenkammer NRW
Aktuelle Fragestellungen
Drei Förderpreise, zwei Anerkennungen

© Susanne Hugenberg
© Eva Krings und Katja Gadziak
© Chiara Erhardt und Luca David Steinert
Weitere Informationen
Video der Preisverleihung
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Förderpreis Frage: Ihre Arbeit befasst sich mit den Themen „Holz und Hochwasser am Beispiel einer Anlage für Schreinerwerkstätten in Bukit Duri“ in Indonesien. Mit diesem Thema haben Sie angesichts der Hochwasserkatastrophe in Deutschland und angrenzenden Ländern ein Thema gewählt, das an Aktualität kaum zu übertreffen ist. Was hat Sie zu dieser Aufgabenstellung gebracht? Die Flutkatastrophe hat uns deutlich die Macht der Natur vor Augen geführt. Anders als hier sind jährliche Überschwemmungen und das sogenannte fünfjährige Hochwasser in der indonesischen Hauptstadt Jakarta bereits ein wiederkehrendes Naturphänomen, dass das Leben aller Gesellschaftsschichten bestimmt. Im Stadtbezirk Bukit Duri, wo ich einige Jahre zur Schule ging, kommen zur Problematik der wiederkehrenden Fluten auch soziologische und politische Aspekte hinzu. Außerdem sind in diesem Stadtbezirk viele Handwerksbetriebe angesiedelt, und es ist ein Ort von historischer Bedeutung der kolonialen Stadtgeschichte Jakartas. Besonders faszinieren mich die Bewohner: Die vielen Schreinereien und Handwerksbetriebe stellen sich gegen das Angebot der Stadt, in deutlich sicherere Stadtgebiete umzusiedeln, und kämpfen dafür, vor Ort zu bleiben – mit all den Schwierigkeiten und Risiken. Dieser Kampfgeist wird an vielen Stellen durch bauliche Formen sichtbar; improvisierte Gesten, die das Leben während der Flut erträglicher machen. In diesem komplexen Gefüge, dass einen sensiblen, respektvollen Umgang erfordert, sah ich eine interessante Aufgabe, mit der ich mich befassen wollte. Sie haben das Thema Hochwasser an einem Holzbauprojekt für einen Standort in Indonesien bearbeitet. Können Sie aus Ihrer Arbeit auch für den Umgang mit Hochwasser in der europäischen Baukultur und Stadtplanung Erkenntnisse ziehen? Der Entwurf versucht zwar, auf die spezifischen Gegebenheiten des Ortes wie die lokale Baukultur und die klimatischen Bedingungen einzugehen, basiert aber auf einem Grundgedanken, der auch im veränderten Kontext funktioniert. Dieser stammt aus der Beschäftigung mit der Theorie im Bereich der vernakularen Architektur. Dabei übernimmt die Natur weder die Haupt- noch die Nebenrolle, sondern ist eine unaufhörliche, durchgehende Konstante, die es immer schafft, sich ihren Weg zu bahnen. Um einen dauerhaften Lebensraum für Menschen zu schaffen, muss zuerst die Akzeptanz und Aussöhnung mit der Natur geschaffen werden; ein Ausgleich, der die Schönheit der Natur mit ihrer unbarmherzigen Seite in sich vereinbart. Alle Facetten der Natur aufzunehmen und sogar zu inszenieren, ist ein interessanter Gedanke – aber auch nur einer von den vielen Möglichkeiten in der Architektur. Mit dem Förderpreis wurde Ihnen ein besonderes Talent attestiert. Was möchten Sie in Zukunft mit diesem Talent machen, wo sehen Sie selbst Ihre Stärken, und in welchem Bereich möchten Sie gerne arbeiten? Diese Arbeit hat mich inspiriert, mich noch intensiver mit dem Thema Gleichgewicht und seinen Einflussfaktoren zu beschäftigen. Es existieren bereits viele großartige Werke dazu – davon möchte ich in der Zukunft noch mehr lernen. Besonders reizvoll sind eben solche Bereiche, die in vielseitiger Wechselwirkung stehen, wo Theorie und Praxis, Ingenieurskunst und Gestaltung, Wissenschaft und Kunst zusammenkommen. An solchen Schnittstellen möchte ich gerne tätig sein. Wo das konkret zur Anwendung kommt, wird die Zeit noch zeigen. Interview: Vera Anton-LappeneitInterview: „Ein sensibler und respektvoller Umgang“
© Anthony Hans Widjaja

Förderpreis Die Stiftung Deutscher Architekten vergibt alle zwei Jahre den mit insgesamt 16 000 Euro dotierten Förderpreis an besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge. Eine unabhängige Jury unter Vorsitz von Architektin Dagmar Grote wählte im Mai 2021 drei besonders talentierte Nachwuchs-Planerinnen und -Planer für den Förderpreis 2021 der Stiftung Deutscher Architekten aus. Einer der Preisträger: Felix Mayer, der mit seiner Arbeit „Dokumentationszentrum – Flucht, Vertreibung und Heimatverlust“, vorgeschlagen von Prof. Dipl.-Ing. Uwe Schröder (RWTH Aachen), überzeugen konnte. 06.09.2021 In Ihrer Arbeit befassen Sie sich mit den Themen Verlust und Vertreibung. Auf dem Grundstück des ehemaligen Anhalter Bahnhofs sollte ein Ort geschaffen werden, der sich all jenen Menschen widmet, die sich gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen. Wie haben Sie sich – als junger Mensch, der vermutlich selbst keine Erfahrung mit dem Verlust von Heimat und Familie hat – dem Thema genähert und Ihre Entwurfshaltung entwickelt? Richtig. Als Grundlage für die Bearbeitung habe ich mich mit individuellen, aber auch mit kollektiven Schicksalen auseinandergesetzt. Über den ganzen Prozess hat mich insbesondere eine Stelle in Carl Zuckmayers Autobiografie „Als wär’s ein Stück von mir“ nicht mehr losgelassen: „Die Fahrt ins Exil ist ‚the journey of no return‘. Wer sie antritt und von der Heimkehr träumt, ist verloren. Er mag wiederkehren – aber der Ort, den er dann findet, ist nicht mehr der gleiche, den er verlassen hat, und er selbst ist nicht mehr der gleiche, der fortgegangen ist.“ Um aus all den gesammelten Erkenntnissen sowie der tiefen Auseinandersetzung mit dem Ort eine entschiedene Haltung und eine konzeptionelle Essenz zu entwickeln, habe ich mir unterschiedliche Fragen prozessbegleitend gestellt: Wie kann die überzeitliche Thematik in der Architektur auftauchen? Welche Bedeutung spielt der unmittelbare Ort? Wie können räumliche Situationen den Zugang zur Thematik stärken? Welcher architektonische Ausdruck ist der Bauaufgabe angemessen? Die Jury hat Ihnen ein besonderes Talent bestätigt. Ihr sensibler Umgang mit vielschichtigen und überzeitlichen Themen wird herausgestellt. Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken? Seit einiger Zeit beschäftige ich mich sehr intensiv mit Räumen und deren leiblicher Erfahrung auf den Menschen. Es ist für mich faszinierend, wie Räume auf subtile Weise Emotionen wecken können und uns dadurch nahetreten können. Die Architektur wird in dieser Hinsicht manchmal unterschätzt. Sie betrifft meiner Auffassung die ganze Bandbreite menschlicher Wirklichkeitserfahrungen und ist dadurch nicht auf eine intellektuelle Rezeption beschränkt oder gar an zeitliche Moden gebunden. Ein Phänomen, dem es sich meines Erachtens nach lohnt, mit eigenen Studien, Entwürfen und Projekten nachzugehen. „Durch die schöne Präsentation und die klugen Texte scheint eine Persönlichkeit durch, welche die Baukultur in Zukunft sicher bereichern wird“, so die Meinung der Jury. Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Das Schöne sind für mich die unterschiedlichen Themen, mit welchen wir uns als Architekt*innen mit der Bearbeitung von Entwurf zu Entwurf an unterschiedlichen Orten beschäftigen dürfen. Für die berufliche Zukunft erhoffe ich mir zum einen, meine eigene Haltung im Entwurf weiterentwickeln zu können, und zum anderen die große Freude an der Architektur hoffentlich lange beibehalten zu dürfen. Interview: Vera Anton-LappeneitInterview: „The Journey of no return“
© Felix Meyer

Förderpreis Flucht und Vertreibung, Holz und Hochwasser sowie Kinder und der Tod – die angehenden Nachwuchs-Architektinnen und Architekten, die in diesem Jahr von der Stiftung Deutscher Architekten mit dem „Förderpreis 2021“ ausgezeichnet wurden, hatten sich mit anspruchsvollen Themen befasst. Was sie dazu motiviert hat, wie sie ihre Masterarbeiten angegangen sind und welche Pläne und Träume sie haben, schildern die drei Träger*innen des Förderpreises 2021 in dem Dokumentationsfilm zum Auszeichnungsverfahren „Förderpreis 2021 der Stiftung Deutscher Architekten“, der jetzt online zu sehen ist. Felix Mayer (Stuttgart, Masterarbeit zu „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung und Heimatverlust, Berlin“), Anna Constanze Mersmann (Düsseldorf, „Eine kurze Endlichkeit: Ein Kinderhospiz in der Stadt“) und Anthony Hans Widjaja (Aachen, „Holz & Hochwasser: Schreinerverkaufsstätte in Bukit Duri“), alle drei Absolventen des Masterstudiums an der RWTH Aachen, hatten die gleichrangigen, mit je 4.000 Euro dotierten Förderpreise im Mai 2021 im Baukunstarchiv NRW in Dortmund verliehen bekommen. Der rund 30-minütige Film stellt die Preisträger sowie die vier Anerkennungen mit ihren Arbeiten und den Jury-Begründung vor. Die Anerkennungen erhielten Svenja Roßmöller (Berlin, RWTH Aachen: „Bedacht – Unterkunft für Obdachlose in Berlin“, 1.500 Euro), Hannah Torkler (Aachen, FH Aachen: „Zwischen Wasser und Land – Kultur und Freizeit in einem ehemaligen Trockendock in Kopenhagen“, 1.000 Euro), Henry Kirchberger (Münster, MSA, „Saatgutbibliothek + im Tagebau Hambach“, 750 Euro) und Sarah Bäumer (Siegen, Universität Siegen, „LAG (isl.) schichten – besucherzentrum in islands schwarzen lavafeldern“, 750 Euro). Die Vorsitzende der Jury, Architektin Dagmar Grote (farwick+grote, Ahaus/Dortmund), erläutert die Beurteilungskriterien. Außerdem werden alle eingereichten Arbeiten dokumentiert. Ziel des Förderpreises der Stiftung Deutscher Architekten, einer Tochter der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, ist es, den Nachwuchs zu motivieren, zu inspirieren und gute Architekturkonzepte öffentlich zu präsentieren. Das Auszeichnungsverfahren fand in diesem Jahr bereits zum 18. Mal statt. „Architektur und Stadtplanung stehen in Zeiten der Pandemie und der Klimaschutzziele vor großen Herausforderungen, deshalb brauchen wir begabte junge Menschen, die unsere gebaute Umwelt von morgen engagiert gestalten und planen“, erklärte der Präsident der Architektenkammer NRW und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutscher Architekten, Ernst Uhing. „Ich bin stolz darauf, dass wir mit unserem Förderpreis nun schon seit mehr als 30 Jahren angehende Architektinnen und Architekten auf ihrem Weg in den Beruf unterstützen können.“ Insgesamt 24 Arbeiten waren von Absolventinnen und Absolventen der Architekturfakultäten von neun nordrhein-westfälischen Hochschulen zum „Förderpreis 2021“ vorgelegt worden. Alle Bewerberinnen und Bewerber wurden von ihren Professor*innen als „besonders begabt“ eingeschätzt; der Vorschlag zur Teilnahme an dem Auszeichnungsverfahren erfolgte durch die jeweiligen Hochschullehrer*innen. Die Jury unter Vorsitz der Architektin Dagmar Grote (farwick+grote, Ahaus/Dortmund) lobte die ausgezeichneten Arbeiten als Beispiele für die planerische Auseinandersetzung mit aktuellen, gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, die mit großer Analysetiefe, Fachkompetenz und Einfühlungsvermögen zu originellen Lösungsansätzen geführt hätten. Der Film ist abrufbar auf dem YouTube-Kanal der Architektenkammer NRW.Film zum „Förderpreis 21“ jetzt online
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Förderpreis Die Stiftung Deutscher Architekten vergibt alle zwei Jahre Förderpreise an besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge. Eine unabhängige Jury unter Vorsitz von Architektin Dagmar Grote vergab am 5. Mai 2021 die Förderpreis 2021 an drei besonders talentierte Nachwuchs-Planerinnen und Planer; außerdem wurden vier Anerkennungen ausgesprochen. Einen der drei (gleichrangigen) Förderpreise, die mit 3000 Euro dotiert waren, erhielt Anna Constanze Mersmann für ihre Arbeit „Eine kurze Endlichkeit – Ein Kinderhospiz in der Stadt“, die sie an der RWTH Aachen University vorgelegt hatte, vorgeschlagen von Prof. Dr. Carolin Stapenhorst. Frau Mersmann, in Ihrer Arbeit befassen Sie sich mit dem Thema „Sterben von Kindern“ und gestalten einen Ort für Kinder und ihre Familien auf dem letzten gemeinsamen Weg. Was hat Sie dazu gebracht, sich mit diesem bewegenden Thema zu befassen? Das Thema Kinderhospiz löst in vielen Menschen im ersten Augenblick Unbehagen aus. Dass ein Kinderhospiz neben der letzten Station des Lebens ein schöner, unterstützender Ort ist, an dem täglich gelebt und gelacht wird, ist vielen nicht bewusst. Auf die individuellen Bedürfnisse und Situationen der Menschen einzugehen und so einen Ort zu schaffen, der sie unterstützt, war für mich eine besonders spannende Herausforderung. Dabei war mein Ziel, ein freies und mutiges architektonisches Konzept zu entwickeln, welches der Sensibilität des Themas gerecht wird. Die Jury hat Ihnen ein besonderes Talent bestätigt. Sie haben in Ihrer Arbeit kreative Gestaltungskraft, gepaart mit einem guten Gefühl für menschliche Bedürfnisse und einer angemessenen Umsetzung in architektonische Formensprache gezeigt. Was bildet Ihrer Meinung nach die Basis für die Entwicklung eines guten architektonischen Konzepts? Aus meiner Sicht ist das Bewusstsein, für wen man plant und wer die geplanten Gebäude nutzt, einer der wichtigsten Bausteine für einen guten Entwurf. Die Bedürfnisse der Nutzer eines Gebäudes zu analysieren, und die dadurch gefundenen Lösungsansätze in einem architektonischen Konzept zusammenzubringen, sind die Herausforderungen, denen ich mich auch in meiner Thesis von Beginn an gestellt habe. Das gilt meiner Meinung nach nicht nur für sensible Bau- oder Planungsaufgaben, sondern sollte grundsätzlich für uns als Architektinnen und Architekten von besonderer Bedeutung sein. So verändern sich beispielweise auch durch die Corona-Pandemie die Bedürfnisse der Menschen in den Bereichen Wohnen und Arbeiten. Dies sollte bei neuen Planungsaufgaben individuell betrachtet und in die Konzeptentwicklung einbezogen werden. Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Welche Ziele möchten Sie als angehende Architektin erreichen? Derzeit sammle ich Erfahrungen in einem großen Architekturbüro. Dort habe ich die Möglichkeit, spannende und herausfordernde Planungsaufgaben von der Konzeptfindung bis zur Realisierung zu begleiten. Für die Zukunft ist es mir wichtig, dass ich meine persönlichen Vorstellungen und Ideen nicht aus den Augen verliere und mich durch neue Impulse sowie den Austausch und Dialog über Architektur stetig weiterentwickle. Das Interview führte Vera-Anton LappeneitInterview: „Ein freies, mutiges Konzept“
© Anna Constanze Mersmann

