Exkursionen

Poveglia – die Geisterinsel

Der Titel weckte leichte Schauer-Assoziationen: Mit der Wiederbelebung der unbewohnten Insel Poveglia befasste sich der internationale Workshop, zu dem die Stiftung Deutscher Architekten vom 30. September bis zum 6. Oktober 22 junge Absolventinnen und Absolventen nach Venedig eingeladen hatte. Kooperationspartner war die Università Iuav di Venezia (IUAV) mit ihrer Architekturfakultät.

18.10.2022

Mit der Wiederbelebung der unbewohnten Insel Poveglia befasste sich der internationale Workshop, zu dem die Stiftung Deutscher Architekten vom 30. September bis zum 6. Oktober 22 junge Absolventinnen und Absolventen nach Venedig eingeladen hatte.
© Foto: Melina Beierle/ Architektenkammer NRW

Im Rahmen eines umfangreichen Programms wurden die Teilnehmenden an die Geschichte und städtebauliche Entwicklung der Hauptinsel Venedigs mit den verschiedenen zugehörigen Inseln in der Lagune herangeführt. Anschließend entwickelten sie vor Ort auf der Klosterinsel San Servolo spannende Konzepte und Ideen zu der gestellten Aufgabe.

Betreut wurde der Workshop von Prof. Donatella Fioretti (Kunstakademie Düsseldorf), Prof. Rolf Westerheide (Vorstandsmitglied AKNW) und seitens der IUAV von Prof. Marco Pogacnik und Prof. Sergio Pascolo.

Poveglia per Tutti

Am Beispiel der verlassenen venezianischen Insel Poveglia, die sich auf Grund ihrer Vergangenheit und des verfallenden Gebäudebestands einer ehemaligen Psychiatrie als „Geisterinsel“ einen zweifelhaften Ruf erworben hat und sich heute im Spannungsfeld der wirtschaftlichen Interessen von Investoren und einer Bürgerinitiative „Poveglia per Tutti“ zum Erhalt der Insel für die Bevölkerung befindet, wurden baukulturelle und gesellschaftlich relevante Themen in fünf kleinen Arbeitsgruppen bearbeitet. Dabei standen vor allem die Themen Klima- und Hochwasserschutz, Resilienz in der Stadtentwicklung sowie der dramatische „Übertourismus“ in der Lagunenstadt im Vordergrund.

Originell und provokative Konzepte

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops entwickelten in knapp zwei Tagen spannende, teilweise auch provokante und überraschende Ideen und Konzepte. Mit dem Titel „COVEGLIA – Ein Stein im Wasser, der Wellen schlägt.“ entstand der Vorschlag, auf der Insel ein Reallabor zur Kommunikation und Kooperation zu gründen.

„Alles bleibt – aber besser!“ schlug eine andere Gruppe vor. Es soll die Wildheit der Insel erhalten bleiben und einen Studiengang der IUAV für „archäologische Politikwissenschaften“ entstehen. Teile des Gebäudebestand würden erhalten und für wissenschaftliche Zwecke nutzbar sein. Andere Teile sollen als Ruinen Zeitzeugen bleiben.

Für das Thema Übertourismus und die Möglichkeit, einen ökologischen und gesellschaftlich vertretbaren Tourismus, aber auch zeitlich begrenztes Wohnen zuzulassen, fand eine Gruppe die Antwort: „Auf Poveglia ist jeder Gast.“

Mit einem „Manifesto: Occupy Poveglia“ entwarf eine weitere Gruppe zwei unterschiedlich radikale Szenarien zur Aneignung der Insel und Bildung eines neuen gesellschaftlichen Systems, das den Naturraum schützt und das sich von Poveglia ausgehend verbreitet.

„Elysium – Die Insel der Verrückten“ war schlussendlich der Vorschlag, ein „Raster für Alles“ zu entwickeln. Von Poveglia ausgehend sollen Wissenschaftler städtebauliche und politische Strukturen schaffen, die als Raster auf der Insel genutzt werden können und sich von Poveglia aus über die ganze Welt erstrecken können. Utopie oder Dystopie?

Unheimlich gut: Dokumentation

Wenn Sie neugierig geworden sind und mehr über die Ideen, Konzepte und Vorschläge der jungen Planerinnen und Planer wissen wollen: Die Ergebnisse werden ausführlich in einer Dokumentation dargestellt und erläutert. Die Dokumentation können Sie nach der Veröffentlichung über die AKNW oder die Stiftung Deutscher Architekten erhalten.

Förderpreis

Förderpreis 2023: Jetzt bewerben!

Die Stiftung Deutscher Architekten lobt zum 19. Mal ihren Förderpreis für außergewöhnliche Leistungen aus, die im Rahmen eines Architektur-, Innenarchitektur- oder Landschaftsarchitekturstudiums oder des Studiums der Stadtplanung in den Jahren 2021 und 2022 an einer nordrhein-westfälischen Hochschule erbracht wurden.

20.07.2022

Förderpreis 2023 –
© Foto: jcomp – de.freepik.com

Die Stiftung Deutscher Architekten lobt zum 19. Mal ihren Förderpreis für außergewöhnliche Leistungen aus, die im Rahmen eines Architektur-, Innenarchitektur- oder Landschaftsarchitekturstudiums oder des Studiums der Stadtplanung in den Jahren 2021 und 2022 an einer nordrhein-westfälischen Hochschule erbracht wurden.

Ziel

Das Ziel des Förderpreises ist es, besonders begabte Absolventinnen bzw. Absolventen zu fördern und für den Start in den Beruf zu motivieren. Es geht bei der Auszeichnung nicht darum, nur eine gute Einzelleistung zu prämieren, sondern die besondere Begabung des Bewerbers umfassend festzustellen und zu fördern. Mit dem Förderpreis soll auch die Qualität der Hochschulausbildung im Land Nordrhein-Westfalen dokumentiert werden.
Preise

Der Förderpreis ist in diesem Jahr mit insgesamt 16.000 Euro dotiert. Es sind drei gleiche Preise zu je 4.000 Euro vorgesehen. Darüber hinaus kann die Jury für besondere Anerkennungen eine Summe von 4.000 Euro nach ihrem Ermessen gleichmäßig oder gestaffelt verteilen.

Jury

Der Jury gehören an:

  • Jakob Dürr, Dipl.-Ing, Architekt, aretz duerr architektur BDA, Köln
  • Monika Lepel, Innenarchitektin, LEPEL & LEPEL, Köln
  • Prof. Katja Benfer, Landschaftsarchitektin, bbzl, Berlin
  • Prof. Rolf Westerheide, Architekt und Stadtplaner, Aachen
  • Felix Mayer, M.Sc., Förderpreisträger der Stiftung Deutscher Architekten 2021
  • Ernst Uhing, Architekt, Präsident der AKNW und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten

Teilnahmevoraussetzungen

Teilnahmeberechtigt sind Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung aus den Abschlussjahrgängen in NRW, die mit Ausnahme der beruflichen Praxis und der postgradualen Weiterbildung die Voraussetzungen zur Eintragung in die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen erfüllen.

Absolventen aus postgraduierten Studiengängen sind nicht teilnahmeberechtigt.

Zur Teilnahme muss eine schriftliche Empfehlung durch einen Hochschullehrer vorliegen.

Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer kann sich nur einmal bewerben

Bewerbung

Das Bewerbungsverfahren wird in zwei Stufen durchgeführt. Sie bewerben sich zuerst in einem online Verfahren mit den in der Anlage unter „online Bewerbung“ dargestellten Materialien. Im zweiten Schritt übersenden Sie uns zwei DIN A 0 Blätter mit Ihrem Entwurf. Es sollen keine Modelle eingereicht werden.

Die Datenblätter zum online – Bewerbungsverfahren sind in der Zeit vom 01. November 2022 bis zum 30. November 2022, auf der Internetseite www.stiftung-deutscher-architekten.de und auf der Seite der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen www.aknw.de eingestellt. Bewerber*innen, die ihre Bewerbung aufgrund von technischen Problemen nicht abschließen konnten, können diese kurzfristig per E-Mail bei Vera Anton-Lappeneit (lappeneit@aknw.de) nachreichen.

Die DIN A0 Pläne für die Jurysitzung sollen bis zum 02. Februar 2023 bei der Stiftung Deutscher Architekten, Zollhof 1, 40221 Düsseldorf eingereicht werden. Bei postalischer Übersendung gilt der Poststempel.

Die eingereichten Unterlagen können nach Abschluss des Verfahrens von den Teilnehmerinnen oder Teilnehmern bis zum 10. März. 2023 abgeholt werden, danach gehen sie in das Eigentum der Stiftung Deutscher Architekten über und werden vernichtet.
Jurysitzung

Die Jury wird am 23. Februar 2023 im Baukunstarchiv NRW in Dortmund zusammentreten.
Dokumentation

Das Ergebnis des Auswahlverfahrens für den Förderpreis 2023 und alle Bewerbungen werden in einer Dokumentation dargestellt und im Internet auf der Seite der Stiftung Deutscher Architekten veröffentlicht. Die Bewerberinnen und Bewerber stimmen mit ihrer Teilnahme am Verfahren einer Veröffentlichung zu.

Preisverleihung

Die Preisverleihung und die Bekanntgabe der Preisträger finden, direkt nach der Jurysitzung, am: 23. Februar 2022, 18.30 Uhr im Baukunstarchiv NRW in Dortmund, Ostwall 7 statt.

Rückfragen

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Frau Vera Anton-Lappeneit: Tel. +49(0)211/4967-42, E-Mail: lappeneit@aknw.de

Weitere Hinweise zu den einzureichenden Unterlagen finden Sie hier (PDF)

Bewerbung:
Die Frist zur Bewerbung ist am 30.11.2022 abgelaufen.

20.07.2022, Vera Anton-Lappeneit

üBER UNS

Nachwuchsförderung bleibt unverzichtbar

Einstimmig haben die Mitglieder des Vorstands und des Kuratoriums der Stiftung Deutscher Architekten eine neue Projektstruktur für die künftige Stiftungsarbeit vereinbart. In einer gemeinsamen Sitzung der Gremien am 5. Mai im Baukunstarchiv in Dortmund wurde beschlossen, die vier Säulen der baukulturellen (Nachwuchs-)Förderung grundsätzlich zu erhalten.

23.05.2022

Gemeinsame Sitzung im Gartensaal des Baukunstarchivs NRW: Vorstand und Kuratorium der Stiftung Deutscher Architekten
© Christof Rose

„Die Förderung unseres Berufsnachwuchses bleibt unverzichtbar“, unterstrich Ernst Uhing, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten und Präsident der Architektenkammer NRW. „Gerade in Zeiten, in denen die Anforderungen an das Planen und Bauen in technischer Hinsicht und in Fragen der Nachhaltigkeit immer weiter wachsen, müssen wir junge Planerinnen und Planer dazu ermutigen, ganzheitlich und interdisziplinär zu denken.“ Der satzungsgemäße Stiftungszweck wird entsprechend um Projekte erweitert, die sich verstärkt den Zukunftsthemen widmen.

Die Stiftung wird mit ihren kleinen, aber ausgesuchten Projekten weiterhin im „Best of“ Bereich agieren; der Stiftungszweck wird durch die zielgruppenscharfe Förderung weiterhin erreicht werden. Neben der Unterstützung des Baukunstarchivs und der Vergabe von Stipendien bleiben der „Förderpreis“ und das „Summercamp“ erhalten; beide Format wechseln sich im jährlichen Rhythmus ab: Der Förderpreis richtet sich an besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der letzten beiden Abschlussjahrgänge, die von ihrem Hochschulprofessor bzw. ihrer -professorin vorgeschlagen werden müssen.

Zum Summercamp können sich an junge Architekturschaffende anmelden, die noch nicht Kammermitglied sind und eine jeweils bestimmte Altersgrenze noch nicht überschritten haben.

Architekturbiennale wird Anker des Summercamps

Das „Summercamp“ der Stiftung Deutscher Architekten erfährt einen Relaunch mit folgenden wichtigen Eckpunkten:

  • Das Summercamp ist international.
  • Es findet eine Zusammenarbeit mit Hochschulen oder Architekturbüros statt.
  • Das Exkursionsziel ist baukulturell attraktiv.
  • Neben der Arbeit an einem Thema wird mehr Zeit für Gespräche und den Austausch eingeplant.
  • Der Workshop wird mit Ankerthemen oder Megatrends verbunden.

Vor dem Hintergrund dieser Zielvorgaben soll Venedig regelmäßiger Standort der Summercamps werden. Die erste Reise nach Venedig findet in diesem Herbst statt; sie ist bereits ausgebucht. Die Architekturbiennale wird zukünftig Anker des Summercamps sein. Das jeweilige Thema der Biennale wird im Workshop aufgegriffen. Eine teilweise Anerkennung als Weiterbildung soll erreicht werden.

Volunteers, hands on!

Neu beschlossen wurde die Projektreihe „volonteers, hands on“, bei dem die Studierenden selbst an einem gemeinnützigen Projekt mitarbeiten können sollen. Voraussetzung ist, dass man bestehende Vorhaben unterstützt. Mit diesem Projekt wird an die guten Erfahrungen aus der Kooperation mit der RWTH Aachen beim Projekt „Des étudiants construisent pour des étudiants“ im Jahr 2010 in Kananga in der Demokratischen Republik Kongo angeknüpft.

Dank an den Vorstand

Dass die Arbeit der Stiftung Deutscher Architekten professionell und transparent durchgeführt wird, bestätigte Wirtschaftsprüfer Ralf Sieben in der Sitzung am 5. Mai im Baukunstarchiv NRW. Die finanzielle Lage der Stiftung macht die weitere Entwicklung der Projekte – zumindest in nächster Zeit – möglich. Die Wirtschaftsprüfer der Dr. Stallmeyer GmbH erteilten für das 2021 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk; das Kuratorium entlastete den Vorstand einstimmig und dankte für den Einsatz.

Stipendium

Anna Kloke

Seit 2022 forscht Anna Kloke mit Unterstützung der Stiftung Deutscher Architekten im Rahmen eines Habilitationsstipeniums über eines der größten Zukunftsprojekte in NRW: die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park, die in den 80er und 90er Jahren des 20 Jahrhunderts den großen Strukturwandel im Ruhrgebiet begleitete.

01.05.2022

Anna Kloke, Habilitationsstipendiatin der Stiftung Deutscher Architekten (2022)
© Foto: privat

Im November 2021 wurden auf Initiative Christoph Zöpels, dem ehemaligen Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes NRW, 32 Kartons aus Bayern an das Baukunstarchiv NRW in Dortmund geliefert. Sie enthalten den Nachlass des Stadtplaners und Geographen Karl Ganser, den Bundespräsident Johannes Rau 1999 beim Finale der Internationalen Bauausstellung Emscher Park als „einen der Architekten des neuen Ruhrgebietes“ würdigte.

Karl Ganser verstarb im April 2022. Mit einem durch die Stiftung Deutscher Architekten geförderten Habilitationsprojekt sollen auf Grundlage des Nachlasses „Karl Ganser“ neue Perspektiven auf sein Wirken für die jüngere Entwicklung der Architektur und des Städtebaus des Ruhrgebietes aufgezeigt werden.

Zur Person

Anna Kloke ist seit 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund tätig. Seit 2019 nimmt sie am Forschungsprojekt „Stadt Bauten Ruhr. Forschen Lehren Teilhaben“ teil. Anna Kloke promovierte an der Fakultät für Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar. Von 2009 bis 2015 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Hochschule Niederrhein beschäftigt. Vor ihrem Master-Studium der Kunst- und Designwissenschaften an den Universitäten Duisburg-Essen und Bochum absolvierte sie ein Diplomstudium an der FH Lippe-Höxter im Fach Innenarchitektur und eine ergänzende Hochschulprüfung zur Bauvorlageberechtigung. Als Mitglied der AKNW wurde sie 2022 von der Stiftung Deutscher Architekten für ein Habilitations-Stipendium ausgewählt.

Baukunstarchiv NRW

Baukunstarchiv NRW wird Teil der „Route Industriekultur“

Das Baukunstarchiv NRW ist Industriekultur: Am 7. April 2022 wurde vor dem Baukunstarchiv NRW feierlich eine neue Informationstafel der „Route Industriekultur“ des Regionalverbands Ruhr (RVR) enthüllt.

07.04.2022

Timo Hauge (l.), Leiter des RVR-Teams Industriekultur, und Prof. Dr. Wolfgang Sonne, wissenschaftlicher Leiter Baukunstarchiv NRW, enthüllten feierlich die neue Informationstafel vor dem Baukunstarchiv NRW
© Julia Neuhaus / Baukunstarchiv NRW

Timo Hauge, Leiter des RVR-Teams Industriekultur, und Prof. Dr. Wolfgang Sonne, wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchivs NRW, stellten die neue Tafel vor, die auf die besondere Rolle des Bauwerks am Ostwall 7 für die Dortmunder Bauhistorie und die Baukultur im Ruhrgebiet hinweist. Somit zählt das Gebäude des Baukunstarchivs NRW, das ehemalige „Museum am Ostwall“, nun offiziell zu der „Route Industriekultur“. Es ist als ausgezeichneter Standort auf der „Themenroute 6“ (auch „Dortmund: Dreiklang, Kohle, Stahl, Bier“ genannt) zu entdecken.

Die Historie des ältesten Profanbauwerks in der Dortmunder Innenstadt ist vielfältig: 1872 – 75 als Landesoberbergamt nach Plänen des Berliner Architekten Gustav Knoblauch realisiert, wurde es ab 1911 nach einem Umbau (Stadtbaurat Friedrich Kullrich) die städtische Sammlung des 1883 gegründeten Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute die Gründungsdirektorin des „Museums am Ostwall“ das Gebäude wieder auf und etablierte eine international renommierte Sammlung mit Werken von Künstlern der Moderne..

Weitere Informationen: www.baukunstarchiv.nrw

Baukunstarchiv NRW

Bauministerin Scharrenbach übergibt Förderbescheid

Die Gründungsdirektorin und langjährige Leiterin des Dortmunder „Museums am Ostwall“, Leonie Reygers (1905 – 1985), war nicht nur eine Botschafterin der künstlerischen Moderne, sondern auch eine Pionierin der Kunstdidaktik. Mit einer umfassenden Ausstellung will das Baukunstarchiv NRW im kommenden Jahr diese Visionärin und Identitätsstifterin für das Bundesland Nordrhein-Westfalen in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach übergab heute (04.04.22) die Förderzusage des Landes NRW, welche das Ausstellungsprojekt erst ermöglicht.

04.04.2022

04.04.22

Übergabe des Förderbescheids durch NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach an Prof. Dr. Franz Pesch (m., Vorsitzender des Fördervereins Baukunstarchiv NRW) und Ernst Uhing (l., Vorsitzender der Gesellschafter des Baukunstarchivs NRW)
© Christof Rose / Architektenkammer NRW

Die Förderung erfolgt im Rahmen des Programms „Heimat-Zeugnis“ und beläuft sich auf 131.400 Euro – 90 Prozent der veranschlagten Gesamtkosten für das umfängliche Ausstellungskonzept, das durch ein breit angelegtes Rahmenprogramm zusätzliche Wirkung entfalten soll. Die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, verwies auf die besondere Bedeutung von Leonie Reygers als Museumsgründerin und langjährige -direktorin, aber auch als Pädagogin und Vermittlerin von Kultur und Wissen an die jüngere Generation. „Ein wichtiges Projekt, mit dem die heute nach wie vor aktuellen Gedanken dieser in der Nachkriegszeit ungemein einflussreichen Frau in das kulturelle Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden sollen“, erklärte Ministerin Scharrenbach bei der Übergabe des Förderbescheids im Baukunstarchiv NRW.

Prof. Dr. Franz Pesch, der als Vorsitzender des antragstellenden Fördervereins für das Baukunstarchiv NRW in Dortmund den Bescheid entgegennahm, dankte der Ministerin für die Unterstützung „für ein wichtiges Projekt, das weit über Nordrhein-Westfalen hinaus Strahlkraft entfalten kann“.

Ernst Uhing, der Vorsitzende der Gesellschafter des Baukunstarchivs NRW, hob Reygers‘ besonderen Einsatz für den Wiederaufbau des kriegsgeschädigten Gebäudes am Ostwall 7 hervor. „Die Gründung des Museums am Ostwall erfolgte 1947 buchstäblich in Trümmern“, erinnerte Uhing. „Dass wir heute dieses wichtige Zeugnis der Baugeschichte als lebendigen Ort für das Baukunstarchiv NRW nutzen können, verdanken wir diesem Einsatz einer äußerst tatkräftigen und weitsichtigen Frau“.

Die Ausstellung „Im Lichthof der Avantgarden – Leonie Reygers und das Prinzip der Gleichzeitigkeit“ soll ab Februar 2023 im Baukunstarchiv NRW zu sehen sein. Kurator ist Christos Stremmenos, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Baukunstarchivs NRW. Anlass des Projektes ist das 75-jährige Jubiläum des einstigen „Museum am Ostwall“, in dem seit 2018 das „Baukunstarchiv NRW“ seinen Sitz hat.

Exkursionen

Auf die Geisterinsel

Die Stiftung Deutscher Architekten bietet für Absolventinnen und Absolventen aus den Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung vom 30.09.– 06.10.2022 einen „International Workshop“ nach Venedig an. Am Beispiel der verlassenen venezianischen Insel Poviglia werden aktuelle baukulturelle Themen behandelt.

16.02.2022

Thema des International Workshop 2022 der Stiftung Deutscher Architekten: Poveglia. Hier zu sehen: das verlassene Lazzaretto, daneben der Kirchturm von San Vitale .
© Foto: Chris 73 / Wikimedia Commons

Geplant ist eine Zusammenarbeit mit der Università Iuav di Venezia. Gemeinsam und im Austausch mit den Studierenden der Hochschule wollen wir vor Ort, in einem internationalen Workshop, aktuelle Themen zur Baukultur am Beispiel der verlassenen Insel Poviglia in Venedig analysieren und bearbeiten wie:

–    Klima- und Hochwasserschutz
–    Umbaukultur, Innovative Wohntypologien
–    Resiliente Stadtentwicklung

Besonderes hingewiesen wird auf den hohen Qualitätsanspruch der Aufgabe innerhalb des Weltkulturerbes Venedig, vor diesem Hintergrund erwartet die Stiftung ein Motivationsschreiben zu der Bewerbung.

Betreut wird der Workshop von Prof. Donatella Fioretti, Prof. Rolf Westerheide und seitens der IUAV von Prof. Marco Pogacnik und Prof. Sergio Pascolo.

Die Eigenbeteiligung der Teilnehmenden ist im DZ 150,00 € und im EZ 200,00 € pauschal für den gesamten Workshop mit Unterbringung und Anreise.

Wer kann teilnehmen?

Mit dem International Workshop fördert die Stiftung Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtung Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung, die bei Reiseantritt nicht älter als 33 Jahre und noch nicht Mitglied der AKNW sind.

Mit der Bewerbung für die Reise ist der Nachweis eines erfolgreich abgelegten Studiums in NRW erforderlich, das, mit Ausnahme der beruflichen Praxis und der Weiterbildung, zum Eintritt in die AKNW berechtigt. Im Falle eines Studiums der genannten Fachrichtungen an einer Hochschule in einem anderen Bundesland, berechtigt auch ein Wohnsitz in NRW zur Teilnahme.

Die Teilnehmerzahl ist auf 16 Personen beschränkt.

Die Ergebnisse des Workshops werden in geeigneter Weise durch die Stiftung Deutscher Architekten veröffentlicht.

Der Workshop ist ausgebucht. Bei Interesse oder Fragen schreiben Sie uns unter: workshops@aknw.de an oder rufen uns an unter: Tel. 0211 496742, Frau Vera Anton-Lappeneit.

Baukunstarchiv NRW

Neue Dauerausstellung: Impulse. Baukunst der Industriekultur

Ob Rathaus oder Siedlungshäuschen, Förderturm oder Energiespeicher, Kanal oder Verkehrsbauwerk: Die für das Ruhrgebiet spezifischen Großbauten der Industriekultur setzten Impulse für die gesamte Architektur in der Region. In einer neuen Dauerausstellung in Dortmund präsentieren der Regionalverband Ruhr (RVR) als Träger der „Route Industriekultur“ und das Baukunstarchiv NRW, das selbst Teil dieser Route ist, die vielfältigen Beziehungen zwischen Industriekultur und Baukunst. Die Ausstellung kann ab sofort dauerhaft in der Galerie des Baukunstarchivs NRW am Ostwall 7 in Dortmund kostenlos besucht werden.

24.09.2021

24.9.21

Dauerausstellung “Impulse. Baukunst der Industriekultur” im Baukunstarchiv NRW
© Detlef Podehl

24.09.21

„Die Architektur der Industriekultur des Ruhrgebiets hat unser Bundesland entscheidend geprägt und wirkt bis heute im Städtebau nach“, betont Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Gesellschafter des Baukunstarchivs NRW. „Das Baukunstarchiv NRW ist mit seiner wechselvollen Geschichte selbst ein Beispiel dafür, dass die ‚Route der Industriekultur‘ nicht nur die Historie erlebbar macht, sondern auch die Gegenwart und Zukunft dieser wichtigen Architekturen.“

Die neue Dauerausstellung geht den städtebaulichen Dimensionen Wohnen, Verkehr, Industrie, Wasser und Stadt nach. Identifiziert werden insgesamt 24 Bauaufgaben, zu denen jeweils einzelne Objekte vorgestellt werden. „Baukunst der Industriekultur – das ist neben Industrieanlagen und Arbeitersiedlungen das ganze Spektrum großstädtischer Bauaufgaben vom Wohnblock bis zum Rathaus, vom Theater bis zur Kirche“, meinen die Kuratoren Ruth Hanisch und Wolfgang Sonne. Jedes Bauwerk ist durch eine Fotografie des bekannten Düsseldorfer Fotografen Matthias Koch und ein Modell der Modellbauwerkstatt der TU Dortmund sowie Texttafeln und historisches Referenzmaterial dargestellt. Die Fotografien zeigen den heutigen Zustand der Gebäude in ihrem baulichen Kontext. Matthias Kochs Architekturfotografie nimmt das bauliche Objekt immer ernst, geht aber in ihrer atmosphärischen Dichte über die reine Dokumentation weit hinaus. Die ergänzend präsentierten, dreidimensionalen Modelle fokussieren auf unterschiedliche Aspekte dieser Gebäude im Ursprungszustand und reichen im Maßstab vom Städtebau bis ins architektonische Detail.

er durch die Ausstellung geht, der bemerkt sofort, dass die gezeigten Gebäude alle noch in den einzelnen Städten prägend sind – in unterschiedlichster Nutzung. Die 24 Großbauwerke sind ein eindrucksvoller Beleg, wie die industrielle Architektur bis heute im Alltag der Menschen präsent ist. „Daher ist es für den Regionalverband Ruhr selbstverständlich, sich hier an diesem spannenden Ort als Träger der Route Industriekultur dauerhaft zu engagieren“, sagt Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel anlässlich der Ausstellungseröffnung. „So ist beispielsweise das Baukunstarchiv NRW, untergebracht im ehemaligen Gebäude des Landesoberbergamts am Dortmunder Ostwall, Bestandteil der Themenroute sechs der Route Industriekultur – Dortmund: Dreiklang – Kohle, Stahl, Bier.“

Das größte Modell – vom Oberhausen Gasometer – ist wie ein Tortenstück angeschnitten, um das Innere zu zeigen. Der Gasometer war ursprünglich ein rein technisches Bauwerk, wurde allerdings schon bei der Errichtung auch als ästhetisches Objekt wahrgenommen und dient heute als Ausstellungsgebäude. Weitere Beispiele des engen Austausches zwischen Baukunst und Industriekultur sind die Arbeitersiedlungen, etwa die Werksiedlung Eisenheim in Oberhausen; oder die Kirchenbauten für die Arbeiter aus Osteuropa wie die Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen. Ganz zentral ist die Infrastruktur – wie der Dortmund-Ems-Kanal und der Ruhrschnellweg -, die die Region überhaupt erst zusammenwachsen ließ und umso mehr eine spezifische regionale Ausprägung erhielt. Als Teil der Industriekultur nicht zu übergehen sind die Themen Bier und Fußball, die durch die Dortmunder Unionsbrauerei und das Stadion in Gladbeck repräsentiert werden.

Ergänzt wird die Präsentation der 24 Bauten durch Abreißzettel mit weiteren Informationen zur Architektur der Region, die auch zu Besuchen weiterer Objekte auf der „Route der Industriekultur“ anregen. Für Kinder gibt es ein Erkundungsprogramm mit Bilderrätsel – und eine Belohnung zum Mitnehmen.

Baukunstarchiv NRW, Ostwall 7, 44135 Dortmund
Öffnungszeiten: Di. – So. 14.00 – 17.00 Uhr; Do. 14.00 – 20.00 Uhr; Mo. Geschlossen
www.baukunstarchiv.nrw

Förderpreis

Interview: „Ein sensibler und respektvoller Umgang“

Architektur-Absolvent Antony Hans Widjaja, ging in Indonesien zur Schule, wo man häufig mit Hochwassern zu kämpfen hat. Dieser Eindruck ist in seine Arbeit eingeflossen, die er sehr erfolgreich für den Förderpreis 2021 eingereicht hat. Im Preisträgerinterview erläutert er seinen Entwurf.

06.09.2021

Holz & Hochwasser: Schreinerwerkstätte in Bukit Duri
© Anthony Hans Widjaja

Frage: Ihre Arbeit befasst sich mit den Themen „Holz und Hochwasser am Beispiel einer Anlage für Schreinerwerkstätten in Bukit Duri“ in Indonesien. Mit diesem Thema haben Sie angesichts der Hochwasserkatastrophe in Deutschland und angrenzenden Ländern ein Thema gewählt, das an Aktualität kaum zu übertreffen ist. Was hat Sie zu dieser Aufgabenstellung gebracht?

Die Flutkatastrophe hat uns deutlich die Macht der Natur vor Augen geführt. Anders als hier sind jährliche Überschwemmungen und das sogenannte fünfjährige Hochwasser in der indonesischen Hauptstadt Jakarta bereits ein wiederkehrendes Naturphänomen, dass das Leben aller Gesellschaftsschichten bestimmt. Im Stadtbezirk Bukit Duri, wo ich einige Jahre zur Schule ging, kommen zur Problematik der wiederkehrenden Fluten auch soziologische und politische Aspekte hinzu.

Außerdem sind in diesem Stadtbezirk viele Handwerksbetriebe angesiedelt, und es ist ein Ort von historischer Bedeutung der kolonialen Stadtgeschichte Jakartas. Besonders faszinieren mich die Bewohner: Die vielen Schreinereien und Handwerksbetriebe stellen sich gegen das Angebot der Stadt, in deutlich sicherere Stadtgebiete umzusiedeln, und kämpfen dafür, vor Ort zu bleiben – mit all den Schwierigkeiten und Risiken. Dieser Kampfgeist wird an vielen Stellen durch bauliche Formen sichtbar; improvisierte Gesten, die das Leben während der Flut erträglicher machen. In diesem komplexen Gefüge, dass einen sensiblen, respektvollen Umgang erfordert, sah ich eine interessante Aufgabe, mit der ich mich befassen wollte.

Sie haben das Thema Hochwasser an einem Holzbauprojekt für einen Standort in Indonesien bearbeitet. Können Sie aus Ihrer Arbeit auch für den Umgang mit Hochwasser in der europäischen Baukultur und Stadtplanung Erkenntnisse ziehen?

Anthony Hans Widjaja

Der Entwurf versucht zwar, auf die spezifischen Gegebenheiten des Ortes wie die lokale Baukultur und die klimatischen Bedingungen einzugehen, basiert aber auf einem Grundgedanken, der auch im veränderten Kontext funktioniert. Dieser stammt aus der Beschäftigung mit der Theorie im Bereich der vernakularen Architektur. Dabei übernimmt die Natur weder die Haupt- noch die Nebenrolle, sondern ist eine unaufhörliche, durchgehende Konstante, die es immer schafft, sich ihren Weg zu bahnen.

Um einen dauerhaften Lebensraum für Menschen zu schaffen, muss zuerst die Akzeptanz und Aussöhnung mit der Natur geschaffen werden; ein Ausgleich, der die Schönheit der Natur mit ihrer unbarmherzigen Seite in sich vereinbart. Alle Facetten der Natur aufzunehmen und sogar zu inszenieren, ist ein interessanter Gedanke – aber auch nur einer von den vielen Möglichkeiten in der Architektur.

Mit dem Förderpreis wurde Ihnen ein besonderes Talent attestiert. Was möchten Sie in Zukunft mit diesem Talent machen, wo sehen Sie selbst Ihre Stärken, und in welchem Bereich möchten Sie gerne arbeiten?

Diese Arbeit hat mich inspiriert, mich noch intensiver mit dem Thema Gleichgewicht und seinen Einflussfaktoren zu beschäftigen. Es existieren bereits viele großartige Werke dazu – davon möchte ich in der Zukunft noch mehr lernen. Besonders reizvoll sind eben solche Bereiche, die in vielseitiger Wechselwirkung stehen, wo Theorie und Praxis, Ingenieurskunst und Gestaltung, Wissenschaft und Kunst zusammenkommen. An solchen Schnittstellen möchte ich gerne tätig sein. Wo das konkret zur Anwendung kommt, wird die Zeit noch zeigen.  

Interview: Vera Anton-Lappeneit

Förderpreis

Interview: „The Journey of no return“

Die Stiftung Deutscher Architekten vergibt alle zwei Jahre den mit insgesamt 16 000 Euro dotierten Förderpreis an besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge. Eine unabhängige Jury unter Vorsitz von Architektin Dagmar Grote wählte im Mai 2021 drei besonders talentierte Nachwuchs-Planerinnen und -Planer für den Förderpreis 2021 der Stiftung Deutscher Architekten aus. Einer der Preisträger: Felix Mayer, der mit seiner Arbeit „Dokumentationszentrum – Flucht, Vertreibung und Heimatverlust“, vorgeschlagen von Prof. Dipl.-Ing. Uwe Schröder (RWTH Aachen), überzeugen konnte.

06.09.2021

06.09.2021

Entwurf „Dokumentationszentrum – Flucht, Vertreibung und Heimatverlust“
© Felix Meyer

In Ihrer Arbeit befassen Sie sich mit den Themen Verlust und Vertreibung. Auf dem Grundstück des ehemaligen Anhalter Bahnhofs sollte ein Ort geschaffen werden, der sich all jenen Menschen widmet, die sich gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen. Wie haben Sie sich – als junger Mensch, der vermutlich selbst keine Erfahrung mit dem Verlust von Heimat und Familie hat – dem Thema genähert und Ihre Entwurfshaltung entwickelt?

Richtig. Als Grundlage für die Bearbeitung habe ich mich mit individuellen, aber auch mit kollektiven Schicksalen auseinandergesetzt. Über den ganzen Prozess hat mich insbesondere eine Stelle in Carl Zuckmayers Autobiografie „Als wär’s ein Stück von mir“ nicht mehr losgelassen: „Die Fahrt ins Exil ist ‚the journey of no return‘. Wer sie antritt und von der Heimkehr träumt, ist verloren. Er mag wiederkehren – aber der Ort, den er dann findet, ist nicht mehr der gleiche, den er verlassen hat, und er selbst ist nicht mehr der gleiche, der fortgegangen ist.“

Um aus all den gesammelten Erkenntnissen sowie der tiefen Auseinandersetzung mit dem Ort eine entschiedene Haltung und eine konzeptionelle Essenz zu entwickeln, habe ich mir unterschiedliche Fragen prozessbegleitend gestellt: Wie kann die überzeitliche Thematik in der Architektur auftauchen? Welche Bedeutung spielt der unmittelbare Ort? Wie können räumliche Situationen den Zugang zur Thematik stärken? Welcher architektonische Ausdruck ist der Bauaufgabe angemessen?

Die Jury hat Ihnen ein besonderes Talent bestätigt. Ihr sensibler Umgang mit vielschichtigen und überzeitlichen Themen wird herausgestellt. Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken?

Felix Mayer – Foto: privat

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich sehr intensiv mit Räumen und deren leiblicher Erfahrung auf den Menschen. Es ist für mich faszinierend, wie Räume auf subtile Weise Emotionen wecken können und uns dadurch nahetreten können. Die Architektur wird in dieser Hinsicht manchmal unterschätzt. Sie betrifft meiner Auffassung die ganze Bandbreite menschlicher Wirklichkeitserfahrungen und ist dadurch nicht auf eine intellektuelle Rezeption beschränkt oder gar an zeitliche Moden gebunden. Ein Phänomen, dem es sich meines Erachtens nach lohnt, mit eigenen Studien, Entwürfen und Projekten nachzugehen.

 „Durch die schöne Präsentation und die klugen Texte scheint eine Persönlichkeit durch, welche die Baukultur in Zukunft sicher bereichern wird“, so die Meinung der Jury. Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang?

Das Schöne sind für mich die unterschiedlichen Themen, mit welchen wir uns als Architekt*innen mit der Bearbeitung von Entwurf zu Entwurf an unterschiedlichen Orten beschäftigen dürfen. Für die berufliche Zukunft erhoffe ich mir zum einen, meine eigene Haltung im Entwurf weiterentwickeln zu können, und zum anderen die große Freude an der Architektur hoffentlich lange beibehalten zu dürfen.

Interview: Vera Anton-Lappeneit