Hands-on

Jan Glasmeier über das Bauen für Flüchtlingskinder in Thailand

Mae Sot, die Grenzstadt im Nordwesten Thailands, direkt an der Grenze zu Burma. Ein Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichen Herkünften, Religionen und Kulturen zusammenkommen. Die Umgebung ist geprägt von Reisfeldern, Hügeln, einfachen Dörfern und staubigen Straßen. Ein Beitrag von Jan Glasmeier.

22.01.2026

Das Hands-on-Team errichtet aktuell mit Jan Glasmeier (obere Reihe, ganz rechts) von „simple architecture“ in Mae Sot ein Schulgebäude. – Foto: Christof Rose / AKNW
© Christof Rose / Architektenkammer NRW

Die Menschen sind aus unterschiedlichen Gründen hier. Viele sind vor den Kampfhandlungen in Burma geflüchtet; Soldaten der ethnischen Armeen kommen hierhin, um sich zu erholen, Verletzte werden in den Krankenhäusern behandelt. Mae Sot it eine Transitstadt, aber auch ein Ort, in dem Menschen einander helfen. 

Nun sitze ich wieder hier, im Hof der „Ah Yoon Oo“-Schule, einem der besonderen Orte in dieser Stadt, zu ich zurückgekehrt bin. In einer der vielen Schulen, zu denen ich eine starke Verbindung habe. Die Schule wurde von der Hilfsorganisation „Help without Frontiers“ errichtet. Auch an dieser Schule sind die Räume mittlerweile zu klein, die Zahl der Flüchtlinge aus Burma wächst stetig. 

Auch dieses Mal bauen wir mit jungen Planerinnen und Planern aus Nordrhein-Westfalen und dem Hands-on-Projekt der Stiftung Deutscher Architekten weitere Schulräume, damit den Kindern die Möglichkeit einer guten Bildung und ein Stück „Normalität“ geboten werden kann. Für geflüchtete Kinder in Mae Sot ist eine Schule nicht selbstverständlich. Sie ist ein geschützter Raum, ein Ort der Stabilität. Jeder zusätzliche Klassenraum bedeutet mehr Zeit zum Lernen, mehr Ruhe, mehr Chancen.

Unser Ziel ist es, in einem partizipativen Prozess mit der örtlichen Gemeinschaft Räume zu entwickeln, die einfach, funktional und kostengünstig sind. Die Menschen hier haben faktisch keinen Zugang zu Architektur. Es fehlt vor allem an Geld, Ressourcen und der Möglichkeit, zu arbeiten. 

Auch Hilfsorganisationen, die unverzichtbare Arbeit leisten, errichten oft reine Funktionsbauten. Mit wenigen tausend Euro lassen sich hier aber auch Schulräume schaffen, in denen Kinder über Jahre hinweg gut lernen können.

Mit meinem Büro „simple architecture“ habe ich in dieser Region einen Krankenhauscampus und dreißig Schulprojekte realisiert, meist in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen. Jedes Projekt ist anders, aber alle folgen derselben Überzeugung: Gute Architektur darf kein Privileg sein. 

Die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen hier berühren mich jedes Mal aufs Neue. Wir arbeiten eng mit lokalen Arbeitskräften zusammen, und oft sind es sie, von denen wir am meisten lernen. Wir bauen mit Bambus, recyceltem Teakholz und vor allem mit sonnengetrockneten Lehmziegeln – eine traditionelle Technik in Thailand. Viele der Menschen, mit denen ich hier arbeite, sind über die Jahre zu Freunden geworden.

Wenn ich die Kinder sehe, wie sie in diesen geschützten Räumen spielen, lernen und lachen, wird mir klar, warum wir all das tun. Ihr Lachen ist leicht, ehrlich und ansteckend. Es ist unsere tägliche Motivation, weiterzumachen.

Zur Person:
Jan Glasmeier, Architekt aus Gelsenkirchen, gründete 2016 in Bangkok das Büro Simple Architecture, mit dem er nachhaltige Architektur mit sozialem Anspruch realisiert; häufig kooperativ mit Hilfsorganisationen und lokalen Akteur*innen. Im Januar/Februar 2026 realisierte Glasmeier mit der Stiftung Deutscher Architekten bereits zum dritten Mal ein „Hands-on“-Projekt für junge Planer*innen aus NRW in Thailand.