Förderpreis

Interview: „Wandel.gestalten“

Mit dem Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten wurden im Frühjahr 2025 im Baukunstarchiv NRW junge Nachwuchsplanerinnen und -planer für ihre überzeugenden Studienabschlussarbeiten ausgezeichnet. Ann-Kathrin Penkert (FH Münster) ist eine von drei gleichrangigen Preisträger*innen. Unter dem Titel „Wandel.gestalten – Über das Recycling von Orten im städtischen Raum“ entwickelte sie ein Szenario für die Reaktivierung eines ehemaligen Kaufhauses in Celle.

24.11.2025

Ann-Kathrin Penkert studierte an der FH Münster (msa). Ihre Masterarbeit wurde von Prof. Joachim Schultz-Granberg vorgeschlagen.
© Foto: Detlef Podehl / Architektenkammer NRW

Die Jury zeigte sich beeindruckt von ihrem respektvollen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und würdigte die strategische Klarheit ihres Konzepts, den nachhaltigen Ansatz sowie die hohe gestalterisch-funktionale Qualität der vorgeschlagenen Umnutzung.

Gewinnerin des Förderpreis 2025 Ann-Kathrin Penkert im Interview

Ann-Kathrin Penkert, die Jury hat Ihr besonderes konzeptionelles Talent bestätigt. Was bildet Ihrer Meinung nach die Basis für die Entwicklung eines guten architektonischen Konzepts?

Die Grundlage eines überzeugenden architektonischen Konzepts ist das Verständnis für den spezifischen Ort, seine Geschichte und die Bedürfnisse der Nutzer*innen. Im Rahmen meiner Masterarbeit lag der Fokus auf der Entwicklung eines Konzepts, das die Potenziale einer ressourcenschonenden Umnutzung innerstädtischer Kaufhausstrukturen untersucht. Zentral war dabei ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsverständnis, das ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen gleichwertig integriert, um eine resiliente und vielfältig nutzbare Alternative zum monofunktionalen Einzelhandel aufzuzeigen. Die aktive Einbindung relevanter Akteur*innen von Politik über Wirtschaft bis hin zur Zivilgesellschaft bildet eine wichtige Grundlage, um tragfähige Lösungen zu entwickeln, die gestalterisch wie auch funktional überzeugen.

Welche Strategien haben Sie angewendet, um die Transformation des Karstadt-Gebäudes im Kontext des tiefgreifenden Strukturwandels im Einzelhandel zukunftsfähig zu gestalten?

Im Zentrum meines Ansatzes stand das Konzept des „Recyclings von Orten“, bei dem bestehende Bausubstanz ressourcenschonend weiterentwickelt und ihre Identität geschützt wird. Ziel war es, das Gebäude vor dem Abriss zu bewahren, es durch gezielte Transformation in seiner städtebaulichen Bedeutung zu stärken und neue, vielfältige Funktionen in die Innenstadt zu integrieren. Als grundlegende Strategie dient ein hybrides Nutzungskonzept, das Bildung, Kultur, Wirtschaft und Wohnen intelligent miteinander verknüpft. Durch die Schaffung gemeinschaftlich nutzbarer Flächen wird das Gebäude zu einem produktiven Ort, der auf veränderte Arbeits- und Konsumformen reagiert und Synergien zwischen den Nutzer*innen fördert. Es entsteht ein zukunftsfähiger Ort, der Wandel nicht nur mitträgt, sondern einen solchen aktiv ermöglicht.

Wie trägt Ihr Konzept dazu bei, das Stadtzentrum von Celle als lebendigen, multifunktionalen Ort zu stärken?

Mein Konzept trägt zur Stärkung des Stadtzentrums von Celle bei, indem es monofunktionale Strukturen gezielt aufbricht und stattdessen einen Ort der Begegnung, Vielfalt und Teilhabe schafft. Mit dem WANDEL.HAUS entsteht ein offenes Umfeld, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten zusammenkommen können. Durch die aktive Einbindung verschiedener Akteur*innen wird das Gebäude zum Impulsgeber für eine lebendige Stadtmitte. Celle ist mit Herausforderungen konfrontiert, die auch in vielen anderen mittelgroßen Städten zu beobachten sind – Rückgang des Einzelhandels, Leerstände, sinkende Aufenthaltsqualität. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich übertragbare Prinzipien ableiten, etwa Mischnutzung, bauliche und programmatische Flexibilität sowie die gezielte Aktivierung von Erdgeschosszonen, die auch an anderen Standorten als wirksame Strategien zur Belebung der Innenstadt dienen können.

Welche Pläne haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang? Welche Ziele möchten Sie als Architektin erreichen?

In meinem weiteren Werdegang möchte ich mich intensiv mit nachhaltigen Transformationen im urbanen Raum auseinandersetzen, sowohl in der Planungspraxis als auch möglicherweise in der Forschung. Mein Ziel ist es, Projekte zu entwickeln, die den Bestand intelligent weiterentwickeln, Ressourcen schonen und gleichzeitig soziale Werte fördern. Langfristig strebe ich eine Tätigkeit an, in der ich konzeptionelles Arbeiten, Entwurf und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden kann.