Sommerseminar 2005
"Stiftung Deutscher Architekten" – Ergebnisse des Sommerseminars 2005Neuer Auftritt für ein Wahrzeichen: Architekten-Nachwuchs präsentiert Ideen für das Umfeld des Altenberger Doms
Christof Rose31.08.2005 | Kontemplation und Entertainment, Spiritualität und Spaß, Bildung und Tourismus – wie kann die bergische Gemeinde Altenberg mit dem Altenberger Dom im Zentrum diesen Aufgaben und Ansprüchen gerecht werden? Mit dieser Frage befassten sich 31 Nachwuchs-Architektinnen und -Architekten sowie junge Landschaftsarchitekten und Stadtplaner drei Tage lang im Rahmen eines Sommerseminars der Stiftung Deutscher Architekten. Unter dem Motto „Perspektive Altenberg – Brückenschläge von der Vergangenheit in die Zukunft“ entwickelten die Hochschulabsolventen und Berufsstarter vom 26. bis 28. August 2005 Lösungsvorschläge zu der Aufgabe, den Altenberger Dom neu in Wert und in Szene zu setzen. – Eine Aufgabenstellung, die von der Stiftung Deutscher Architekten in Kooperation mit der Regionale 2010, der Gemeinde Odenthal und dem Rheinisch-Bergischen Kreis entwickelt worden war.
Ergebnispräsentation im alten Klosterhof: "Ein riesiges Geschenk an die Gemeinde Odenthal-Altenberg" nannte Bürgermeister Johannes Maubach (l.) die Konzepte der Seminarteilnehmer - Fotos: T. Saltmann
Die jungen Architekten arbeiteten in fünf Gruppen, die jeweils von erfahrenen Berufskollegen geleitet wurden. In einem Punkt waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops rasch einig: Der spirituelle Charakter des „Bergischen Doms“ und der ihn umgebenden Zisterzienser-Klosteranlage müsse wieder stärker heraus gearbeitet werden. Der Dom sollte das Tal entlang der Dhünn optisch deutlich dominieren und für Passanten und Besucher zu einem beeindruckenden Erlebnis werden. Alle fünf Arbeitsgruppen empfahlen deshalb Mut zur Reduktion: „Weniger kann tatsächlich Mehr sein“, spitzte Arno Brandlhuber, als Architekt und Stadtplaner einer der Seminarbegleiter, die Kernaussage zu.
Aufmerksame Zuhöhrer für die Seminaristen (v.l.): Michael Arns (Vizepräsident AKNW), Rolf Menzel (Landrat Rheinisch-Bergischer Kreis), Johannes Maubach (Bürgermeister Odenthal), Hans-Ulrich Ruf (Hauptgeschäftsführer Architektenkammer NRW und Stiftung Deutscher Architekten) und Rüdiger Brosk (Landschaftsarchitekt und einer der Seminarleiter)
Problemanalyse
Das Umfeld des Altenberger Doms wird derzeit von zahlreichen kleinteiligen Elementen bestimmt, die einerseits vielfach die Sicht auf das beeindruckende Bauwerk versperren, andererseits aber auch den Grundregeln der Zisterzienser wie Schlichtheit, Ruhe, Zurückgezogenheit widersprechen. Parkplätze und Wege, Hecken und Bäume, Sitzbänke und Absperrungen prägen das Gelände und führen dazu, dass der mächtige Dom in der Wahrnehmung des Besuchers von Altenberg nicht angemessen zur Geltung kommt. Der Hauptzugang zur Klosteranlage erfolgt heute nicht durch das historische Tor, sondern über eine Straße und Parkplatzanlagen. Cafés und Gastronomien haben die ursprünglich großzügig angelegten Plätze in Altenberg parzelliert und mit Schutzhecken weitere Sichtblockaden eingefügt.
Renommierte Kollegen leiteten die Arbeitsgruppen: Rüdiger Brosk (Landschaftsarchitekt, Essen, l.) und Arno Brandlhuber (Architekt und Stadtplaner, Köln/Nürnberg). Nicht im Bild die Seminarleiter Daniel Kas (Architekt und Innenarchitekt, Düsseldorf) und Rudolf Scheuvens (Stadtplaner, Dortmund), Peter Köster (Landschaftsarchitekt, Essen/Hamburg)
Teamwork: Das gemeinsame Arbeiten schafft im Sommerseminar eine ganz besondere Atmosphäre Arbeitsgruppe "Dornröschen"
Konzentration auf das Wesentliche
Die Teilnehmer des Sommerseminars entwickelten eine ganze Reihe von Vorschlägen, die Altenberg wieder zu einer klareren Struktur verhelfen und dem Bergischen Dom seinen ursprünglichen Charakter wiedergeben könnten.
Zentral war dabei der Gedanke, das bauliche Umfeld des Domes auf das Notwendige und Wesentliche zu reduzieren: Die Parkplatzanlagen sollten außerhalb des Klostergeländes liegen, um Ruhe und Beschaulichkeit zurück zu gewinnen. Zugleich könnte damit auf Sichtschutzhecken rund um die heutigen Parkzonen sowie auf Poller und einige Begrenzungsbeete verzichtet werden. Auch Sitzbänke und sonstige Einbauten, die willkürlich platziert wurden, sollten nach Vorstellung der Nachwuchs-Architekten verschwinden und durch angemessene Alternativangebote ersetzt werden. Die Nutzungsmischung, die typisch ist für Altenberg, wurde von den jungen Architekten berücksichtigt: Auch künftig soll der Bergische Dom sowohl Kirchgänger als auch Tagestouristen, Nutzer der Bildungsstätten wie auch Spaziergänger und Radfahrer anlocken.
Sichtachsen entwickeln
Nicht nur aus unmittelbarer Nähe, sondern auch bei Annäherung an Altenberg soll der Dom künftig besser wahrnehmbar sein. Die jungen Architekten und Landschaftsarchitekten empfehlen, an bestimmten Stellen das über Jahrzehnte unstrukturiert gewachsene Grün zu beseitigen, um so neue Sichtachsen zu schaffen und den Dom zum Beispiel von der Umgehungsstraße aus überhaupt sichtbar zu machen.
Eine große Rolle in den Konzepten der Seminarteilnehmer spielte auch die Dhünn. Der Fluss ist heute in Altenberg kaum zu sehen, war aber historisch der Grund für die Anlage des Zisterzienserklosters an dieser Stelle. Entsprechend sollte die Dhünn für Altenberg zurück gewonnen werden.
Orte der Ruhe und Einkehr schaffen
Die Tatsache, dass sich der Bergische Dom mit seiner touristisch ausgerichteten Umgebung wie dem Märchenpark einer hohen Besucherfrequenz erfreut, stellt ein permanentes Konfliktpotenzial dar. Wo viele Menschen zusammen kommen, findet man keine klösterliche Ruhe. Eine Arbeitsgruppe des Sommerseminars entwickelte deshalb die Idee von dezentralen Klosterzellen, die zur Kontemplation und inneren Einkehr einladen sollen: An sieben Orten im Dhünntal sollten Räume eingerichtet werden, die als Ziel für kurze Spaziergänge und als attraktive Aussichtspunkte dienen sollen, aber auch Orte der Ruhe und Besinnung sein können. Damit würde die Klosteranlage stärker mit der umgebenden Landschaft vernetzt und zugleich den Bedürfnissen von religiösen Besuchern des Doms und der Bildungseinrichtung Rechnung getragen.
Skizzen, Grafiken Modelle: Zur Abschlussveranstaltung am 28. August bereiteten die fünf Arbeitsgruppen zum Teil aufwändige Präsentationen vor. Entwurf der Arbeitsgruppe "Reducere"
Realisierung im Rahmen der Regionale 2010?
Das ambitionierte Ziel des Sommerseminars war es, den Altenberger Dom als regional und bundesweit bedeutsame Destination neu in Wert zu setzen. Hans-Ulrich Ruf, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und der Stiftung Deutscher Architekten, wies bei der Abschlusspräsentation des Seminars darauf hin, dass die Nachwuchs-Architekten sehr überzeugende, in sich schlüssige Konzepte entwickelt hätten. „Dabei handelt es sich aber zunächst um einen Ideenpool, den die Gemeinde nutzen kann“, betonte Ruf. Was konkret umgesetzt werde, müsse vor Ort entschieden werden.
Auch Dr. Reimar Molitor, Geschäftsführer der Regionale 2010, zeigte sich von den Ergebnissen des Sommerseminars beeindruckt: „Wir haben eine Vielzahl frischer, unverbrauchter Ideen von jungen Planerteams erhalten für einen prominenten Ort mit großen Potenzialen“, so Molitor. „Die Staffelübergabe an die Akteure vor Ort in Altenberg ist erfolgt.“
Odenthals Bürgermeister Johannes Maubach nahm die Anregungen der jungen Architekten als „riesiges Geschenk an die Gemeinde“ gerne entgegen. Er hoffe, dass einige der Vorschläge im Rahmen der Regionale 2010 umgesetzt werden könnten, so Maubach. Es sei deutlich geworden, dass der Bergische Dom und Altenberg insgesamt enorme Potenziale böten, die unbedingt genutzt werden müssten.
Hintergrund: Sommerseminar
Die Stiftung Deutscher Architekten engagiert sich als gemeinnützige Einrichtung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen besonders für junge Berufskolleginnen und -kollegen. Zur Förderung des Nachwuchses veranstaltet die Stiftung Deutscher Architekten alle zwei Jahre ein „Sommerseminar“ für Absolventen und Berufsstarter der Architektur-Fakultäten, in dem praktisches Arbeiten an einem konkreten Projektthema angeboten wird.
Stiftung Deutscher Architekten | Zollhof 1 | 40221 Düsseldorf | Telefon: (02 11) 49 67-52 | Telefax: (02 11) 49 67-96 | Internet: www.stiftung-deutscher-architekten.de | E-Mail: info@stiftung-deutscher-architekten.de












