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Sommerseminar 2001

Sommerseminar "Spurwechsel und Brückenschlag": Junge Planerinnen und Planer entwickeln Ideen und Konzepte für die Müngstener Brücke

Das Sommerseminar der Stiftung Deutscher Architekten bot auch in diesem Jahr wieder 28 Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung die Möglichkeit sich mit neuen Ideen auseinander zu setzen und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen.

Natur trifft Technik, Idylle ergänzt um Ingenieurkunst. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt seit 1897 das Tal der Wupper und Verbindet Remscheid und Solingen auf dem Schienenweg. Ein beeindruckendes Ingenieurbauwerk in idyllischer Umgebung. Aber das touristische Potential der Brücke und des Tales ist bisher kaum erschlossen. Das soll anders werden, meint die "REGIONALE 2006" - das kann anders werden, meinen die Teilnehmer des Sommerseminars 2001 der Stiftung Deutscher Architekten, einer Einrichtung der Architektenkammer Nordrhein -Westfalen.

Kreative Gruppenarbeit

Die "Müngstener Brücke" und das sie umgebende Tal der Wupper zwischen Remscheid, Solingen und Wuppertal waren Thema des diesjährigen Sommerseminars der Stiftung Deutscher Architekten, das in Zusammenarbeit mit der "REGIONALE 2006" und dem Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport durchgeführt wurde. Unter dem Motto "Spurwechsel und Brückenschlag" entwickelten die Nachwuchsarchitektinnen und Architekten in drei Tagen intensiver und hochmotivierter Gruppenarbeit neue Ideen und Konzepte, wie die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands künftig überregionale Anziehungskraft auf Touristen aus nah und fern ausüben kann und darüber hinaus zu einen Wahrzeichen der Region um das bergische Städtedreieck werden kann. Vorschläge, die Realität werden könnten: Die erarbeiteten Konzepte sollen Eingang finden in die Überlegungen der REGIONALE 2006!

Foto einer Stahlbrücke Foto: Kiosk im Wald

Fachlich begleitet wurden die Teilnehmer während der drei Tage von Architektin Elke Beccard, Landschaftsarchitektin Dr. Antonia Dinnebier, Architekt und Innenarchitekt Daniel Kas und Stadtplaner Rudolf Scheuvens. Zentrale Überlegungen der 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer war, die Beziehung von Naturerlebnis im romantischen Tal der Wupper mit dem technischen Meisterwerk der Müngstener Brücke, die weiterhin alle zehn Minuten von Zügen befahren wird, neu zu definieren. In fünf interdisziplinär zusammengesetzten Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer Vorschläge mit unterschiedlichen Ansätzen. Die Ergebnisse bezogen sich auf die Themenbereiche: "Schlagspur - Ein Fußweg als Schnitt durchs Tal", "Bewegungs-Momente - Berge und Brücke in neuer Verknüpfung", "Blickpunkte - Neue Rast-, Ruhe und Spielplätze am Wasser" und "Im Fluss - die Wupper als prägendes Element des Tales". (Eine ausführliche Darstellung der Entwürfe finden Sie in der nächsten Ausgabe des Deutschen Architektenblatts.)

Allen Vorschlägen war gemein, das sie bewusst auf populistische Inszenierungen an der Brücke und Eingriffe in das Brückenbauwerk verzichteten. Im Rahmen der Schlussbesprechung hatten die Gruppen Gelegenheit, die Vielfalt ihrer Entwürfe auch Vertreten der Stadtverwaltungen und dem Geschäftsführer der "Agentur Regionale 2006", Henry Beierlorzer, zu erläutern. Beierlorzer sagte zu, die Teilnehmer noch einmal zu einem Planungsworkshop einladen zu wollen, um die verschiedenen Ansätze der Arbeitsgruppen zu einem Gesamtkonzept für die REGIONALE 2006 weiter zu entwickeln.

Die Stiftung Deutscher Architekten

Die Stiftung Deutscher Architekten engagiert sich als gemeinnützige Einrichtung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen besonders für junge Berufskolleginnen- und kollegen. Die Nachwuchsförderung ist eine der besten Investitionen für die Zukunft des Berufsstandes und der Baukultur. In diesem Sinne veranstaltet die Stiftung alle zwei Jahre ein "Sommerseminar" für Absolventen und Berufsstarter, in dem praktisches Arbeiten an einem konkreten Projektthema gefordert wird. Darüber hinaus vergibt die Stiftung im Wechsel mit dem Sommerseminar alle zwei Jahre einen "Förderpreis" an besonders begabte Studentinnen und Studenten der oberen Fachsemester.

Der Erhalt des Berufsstandes und der Baukultur ist abhängig von der heranwachsenden Generation. Die Arbeit der Stiftung kann aber nur wirksam durchgeführt werden, wenn sie finanzielle Unterstützung findet. Deshalb bitten wir Sie: Unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung mit Ihrer Spende.
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Ergebnisse des Sommerseminars 2001: Spurwechsel und Brückenschlag

Die "Müngstener Brücke" und das sie umgebende Tal der Wupper zwischen Remscheid, Solingen und Wuppertal waren Thema des diesjährigen Sommerseminars der "Stiftung Deutscher Architekten". Unter dem Motto "Spurwechsel und Brückenschlag" entwickelten 28 Nachwuchs-Architektinnen und -Architekten in einem dreitägigen Workshop (28. bis 30. August) neue Ideen und Konzepte, wie die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands künftig Anziehungskraft auf Touristen aus Nah und Fern ausüben kann. Vorschläge, die Realität werden sollen: Die Konzepte der jungen Architekten finden Eingang in die Überlegungen zur REGIONALE 2006!

Dem diesjährigen Sommerseminar war, in Zusammenhang mit der Regionale 2006, die Aufgabe gestellt, die Müngstener Brücke als symbolischen Ort des Bergischen Städtedreiecks zu inszenieren. Die 100 Jahre alte Brücke steht dabei für technische und logistische Höchstleistung in einem naturnahen Abschnitt des Tals der Wupper. Ein beeindruckendes Bauwerk in attraktiver Umgebung - aber die Gestaltung des Ortes und das Erholungsangebot für die Besucher entsprechen längst nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Mit der Aufwertung dieses touristischen Zieles soll zugleich ein Ankerpunkt für Ausflüge in die Region geschaffen werden, da die Brücke der geographische Berührungspunkt der drei bergischen Großstädte Solingen, Remscheid und Wuppertal am Flusslauf der Wupper ist.
Die Teilnehmer, von denen die meisten die Brücke zum ersten Mal besuchten, setzten sich intensiv mit dem Thema auseinander. Bezeichnend für alle Arbeiten war der sensible Umgang mit der vorgefundenen Situation und die Entwicklung von nachhaltigen Entwürfen, die auf spektakuläre Eingriffe und Show-Effekte verzichteten.
Zentrale Überlegung der 28 Workshop-Teilnehmer war, die Beziehung von Naturerlebnis im attraktiven, idyllischen Tal der Wupper mit dem technischen Meisterwerk der Müngstener Brücke, die weiterhin alle zehn Minuten von Zügen befahren wird, neu zu definieren. Die Vorschläge der jungen Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner bezogen sich auf fünf Themenbereiche, die hier im Einzelnen kurz vorgestellt werden. Eine ausführliche Darstellung enthält die Broschüre zum Sommerseminar 2001, die bei der AKNW gegen einen Kostenbeitrag von 10 Mark bestellt werden kann (Tel: 0211 - 49 67 0).

Modell des Projektes Schlagspur - Schnitt in die Landschaft - Bild kann per Mausklick vergößert werdenSchlagspur - Schnitt in die Landschaft

Tal und Brücke sollen für Besucher zu einem einheitlichen Erlebnis verbunden werden. Bisher existieren unabhängig voneinander zwei Erfahrungsqualitäten:
- auf der Brücke, wie eine "Schlagspur" über der Landschaft
- unter der Brücke verzweigte Wege in der Landschaft.
Dazu schlägt eine Arbeitsgruppe vor, das Tal und die angrenzenden Berge durch einen neuen, schnurgeraden Fußweg zu durchschneiden, der neue Perspektiven auf die Brücke und die reizvolle Tallandschaft ermöglicht. Die neue "Schlagspur" würde die bisherigen Wege an vielen Stellen kreuzen, neue Verbindungen schaffen und vor allem die Müngstener Brücke aus vielen Blickwinkeln erfahrbar machen. Der "Einschnitt in die Landschaft" soll nach Vorstellung der jungen Architekten nur zwei Meter breit sein und mit regionalem Schiefer befestigt werden.

Zeichnung des Projektes Bewegungs - Momente - Bild kann per Mausklick vergrößert werdenBewegungs - Momente

Für eine andere Gruppe ist die Besonderheit dieses Ortes die Spannung der beiden Richtungen, die gebildet wird aus der Mügstener Brücke und der Wupper. Es wird vorgeschlagen, die Brücke nicht länger nur als Aussichtspunkt aus dem Talraum heraus zu betrachten, sondern auch selbst als Aussichtsstrecke zu benutzen. Ein Rundweg entlang der Bergkuppen links und rechts der Wupper wird in der Mitte von der Müngstener Brücke durchschnitten. An den Schnittpunkten der Wanderwege mit dem Fußpunkt der Brücke soll der Besucher vor die Entscheidung gestellt werden, den geradlinigen Fußweg in schwindelnder Höhe über die Brücke oder den Rundweg durchs Tal zu wählen. Bestehende Pavillons und Wegkreuzungen könnten in das Konzept eingebunden und durch neue Aussichtspunkte, Stege, Brücken und kleine Bauwerke ergänzt werden.

Zeichnung des Projektes Blickpunkte - Bild kann per Mausklick vergrößert werden - Bild kann per Mausklick vergrößert werdenBlickpunkte

Das Potential des Tal, so meinte eine dritte Gruppe, liege schon in der bisherigen Nutzung als Ausflugziel und müsse nur deutlicher herausgearbeitet werden. Die Brücke sei nicht nur Kulisse für das Tal, ihre Ausmaße sollten durch ein Netz von Blickpunkten wahrgenommen und erlebbar gemacht werden sollen. Die Verknüpfungen dieser Blickpunkte ergeben Routen, die auf die Bedürfnisse der Nutzer wie Wanderer, Radler, Rentner zugeschnitten sind. Als gemeinsame Basis soll eine "Plattform" in der Talebene dienen, die durch kleine infrastrukturelle Eingriffe die bestehende Lebendigkeit des Ortes intensiviert. Die "Plattform" soll vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bieten, wie z.B. Flächen zur Kommunikation, Gastronomie, Veranstaltungen, Information, Kanuanleger und vieles mehr.

Zeichnung des Projektes Im FlussIm Fluss

Ans Wasser und seinen Lauf führt die Arbeit der vierten Gruppe. Ausgehend von den Ursprüngen der Entwicklung der Region setzt die Idee unmittelbar am Flusslauf der Wupper an. Die Wupper wird gleichzeitig als verbindendes und trennendes Element verstanden und ist das "Rückgrat" der Region. Entlang der Wupper sollen künstliche leuchtende "Steine" in unterschiedlichen Größen zusammengefügt als Aneignungsorte für Besucher oder als Plattformen für Kunst dienen. In Bezug zu diesen Steinen im Uferbereich werden in den Höhenlagen, an den die Bachläufe kreuzenden Wegen, kleinere Steine installiert. In Form von Stegen in den Hängen werden Blickpunkte markant in Szenen gesetzt und die Besonderheiten des Ortes hervorgehoben werden. Entlang der Wupper gelangt man zu der großen Freifläche unterhalb der Müngstener Brücke, die das Tal überspannt und den Aufbruch aber auch den Zusammenhang dieser Region zum Ausdruck bringt.

Zeichnung des Projektes i3kubiki3kubik

Information über die Region, Identifikation mit der Region und Innovation für die Region - das sind die drei "i", welche die fünfte Arbeitsgruppe als Zukunft für das Brücken-Tal vorschlug. Dem historischen Fortschrittsoptimismus der Müngstener Brücke soll ein modernes Pendant hinzugefügt werden. Im Tal der Brücke soll ein Forum entstehen, das dem Städtedreieck die Möglichkeit bietet, sich als Region zu präsentieren, auszutauschen und weiterzuentwickeln. Über all dem soll die Brücke als Symbol für die künftige Innovationskraft der Region stehen. Das Areal ist in drei thematische Schwerpunkte unterteilt: Der Eingangsbereich des Tals ist die Schnittstelle zur Außenwelt, die Mitte des Tals stellt den Marktplatz der Innovationen dar. Der südliche Bereich des Areals soll für eher kontemplative Nutzung vorgesehen werden, hier wird eine Übernachtungsmöglichkeit in kleinen Baumhäuser inmitten der Natur angeboten.

Allen Entwürfen war gemein, eine akzentuierte Ankunfts- und Aufenthaltssituation für die Besucher an der Brücke schaffen zu wollen, sowie den Autoverkehr in den vorderen Teil des Tales oder vor seinen Eingang zu verlagern. Die durchweg guten Ergebnisse des Sommerseminars erhalten die Chance, im Rahmen der REGIONALE 2006 Berücksichtigung zu finden. Die REGIONALE 2006 Agentur sagte zu, die Teilnehmer noch einmal zu einem Planungsworkshop einzuladen, um die verschiedenen Ansätze der Arbeitsgruppen zu einem Gesamtkonzept für die Regionale 2006 weiter zu entwickeln.


Die "Stiftung Deutscher Architekten"

Vielseitig und umfassend ausgebildete Architektinnen und Architekten sind für die heute immer komplexer werdenden Bauaufgaben unentbehrlich. Deshalb engagiert sich die Stiftung Deutscher Architekten als gemeinnützige Einrichtung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen besonders für junge Berufskolleginnen und -kollegen. Sie veranstaltet alle zwei Jahre ein "Sommerseminar" und vergibt alternierend alle zwei Jahre einen "Förderpreis" an besonders talentierte Studenten der oberen Fachsemester.

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