Sommerseminar 1999
Sommerseminar der Stiftung Deutscher Architekten 1999
"Die geheimen Gärten von Pömbsen"
Wie kann ein ehemaliges Munitionsdepot der NATO mit einer Fläche von mehr als 65 Hektar in einen "Umwelt- und Erlebnispark" verwandelt werden? - Mit dieser Fragestellung befassten sich 30 junge Architektinnen und Architekten während des dreitägigen Sommerseminars der Stiftung Deutscher Architekten (24.-26.08.99) in Pömbsen bei Nieheim im Kreis Höxter. Eine planerische Herausforderung, für die es bundesweit kein Vorbild gibt.
Ziel des Sommerseminars der Stiftung Deutscher Architekten ist es, jungen Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich mit neuen Ideen auseinanderzusetzen und Erfahrungen auszutauschen. Dazu bot das diesjährige Thema "Umwelt und Erlebnispark Pömbsen - Konversion militärischer Liegenschaften" ideale Voraussetzungen. Das 65 Hektar große Areal in Ostwestfalen ist durch 50 turnhallengroße Bunker, militärische Werkstätten und eine komplette Infrastruktur charakterisiert. Zwei private Investoren planen, das ehemalige Munitionsdepot in eine touristische Parklandschaft mit ökologischem Schwerpunkt zu verwandeln, die bundesweite Attraktivität entfalten soll. Einen "Glücksfall" für die Region und den Bund nannte Dr. Hans Jürgen Baedeker, Staatssekretär im NRW-Stadtentwicklungsministerium, dieses Vorhaben in seiner Ansprache zur Eröffnung des Sommerseminars in "Bunker 36" des ehemaligen Munitionsdepots. Die öffentliche Hand stehe bei vielen Konversionsflächen im ländlichen Raum vor dem Problem, dass einerseits keine sinnvolle oder finanzierbare Neunutzung zu finden sei, man andererseits diese Flächen aber auch nicht verwildern lassen könne. Denn Altlasten, die Gefährdung von Personen durch verfallende Gebäude sowie das Problem des Vandalismus würden in einem solchen Fall kostspielige Sicherungsmaßnahmen erforderlich machen. Die Seminarteilnehmer, so Baedeker weiter, könnten für die künftige Nutzung des ehemaligen Militärdepots wichtige Impulse geben und damit konkret zum Gelingen des Vorhabens beitragen. "Eine unkonventionelle Aufgabe und sicherlich eine große Herausforderung für jeden Planer", urteilte der Staatssekretär.
Welche Chancen dem Projekt eingeräumt werden können, analysierte Prof. Wolfgang Nahrstedt von der Universität Bielefeld. Der Freizeitforscher machte in seinem Festvortrag "Der Freizeitpark als Zukunftswerkstatt" deutlich, dass der geplante Umwelt- und Erlebnispark sich deutlich von den üblichen kommerziellen Freizeitparks abheben müsse, um eine Chance im Wettbewerb zu haben. Die ländliche Lage im Ostwestfälischen sowie die einmalige Situation, dass Flora und Fauna sich auf dem früheren Militärgelände sich nahezu 50 Jahre ungestört entfalten konnten, seien allerdings Trümpfe, die der projektierte Park voll ausspielen müsse. Die Freizeitgesellschaft von morgen suche nicht nur Erholung, sondern auch Erlebnis und Erkenntnis. Darauf könne ein Umweltpark zwischen Ruhrgebiet und Expo-Metropole Hannover durchaus setzen.
Die 32 jungen Teilnehmer des Sommerseminars gingen die gestellte Aufgabe mit einer Mischung aus Enthusiasmus und Skepsis an. Drei Tage arbeiteten sie intensiv und mit großer Motivation unter der Moderation der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen Ulrike Beuter (Landschaftsarchitektin), Klaus Bürger (Innenarchitekt), Jutta Heinze (Architektin), Holger Kruse (Architekt) und Rudolf Scheuvens (Stadtplaner). Da das Seminar auf dem ehemaligen NATO-Gelände in einem der früheren Munitionsbunker stattfand, war die besondere Atmosphäre des Ortes jederzeit spürbar. Es wurden sechs interdisziplinäre Gruppen gebildet, die durchweg zu interessanten, überzeugenden Ergebnissen kamen. Das Ideenspektrum reichte von den "Geheimen Gärten von Pömbsen" über eine "Plattform für Energiekultur" bis hin zu einer "Wasserlandschaft", die auf der Flutung der Militärbunker basierte. (Eine detaillierte Beschreibung der Arbeitsergebnisse erfolgt in der nächsten Ausgabe des DAB.) Im Rahmen der Schlussbesprechung hatten die Gruppen Gelegenheit, ihre Entwürfe den Investoren des geplanten Umweltparks sowie Vertretern der Stadt Alsdorf und der Landesentwicklungsanstalt zu erläutern. Das einhellige Urteil war, dass die Seminarteilnehmer eine Vielzahl interessanter Vorschläge erarbeitet hätten, die in die weitere Projektplanung mit einfließen könnten. Konkretere Aussagen seien gegenwärtig noch nicht möglich, da zunächst eine umfassende Machbarkeitsstudie für den "Umwelt- und Erlebnispark Pömbsen" erstellt werden müsse.
Auch aus fachlicher Sicht sei es erstaunlich, was die jungen Kolleginnen und Kollegen innerhalb von knapp drei Tagen an Ideen und Planungen konkretisiert hätten, urteilte Hans-Ulrich Ruf, der Hauptgeschäftsführer der AKNW und der Stiftung Deutscher Architekten. "Die Aufgabe, die wir hier gestellt haben, war extrem anspruchsvoll. Die Ergebnisse zeugen nicht nur von planerischer Fantasie, sondern auch von hoher fachlicher Kompetenz." Die Arbeiten der jungen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner sollen jetzt in einer Broschüre der Stiftung Deutscher Architekten dokumentiert werden. (ros)
Liste der Seminarteilnehmer
Peter Bee, Andreas Bentler, Iris Brockmann, Birgit Diermann, Manuela Dietrich, Uwe Dumke, Ralf Finkemeyer, Pia Fischer, Ole Flemming, Anna-Maria Gierse, Adriana Haberer, Frank Hadwiger, Christian Hagge, Ilka Hilgemann, Stefan Jahndel, Bettina Kaiser, Claudia Krieger, Francoise Le Put, Aladin Mai-bis, Heike Möller, Heike Nouvertné, Jürgen Reiners, Renate Sarici, Hubertus Schäfer, Vera Schmitz, Martin Schmitz-Mohr, Dörte Schröder, Petra Spranger, Eva-Margitta Stadler, Petra Steinmetz, André Wiedemann, Helga Wilts
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