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Harald Deilmann im Jahr 2005

Harald Deilmann im Jahr 2005: Sein umfangreiches Wirken ist Thema der Dissertation von Stiftungsstipendiat Stefan Rethfeld. Foto: Aiette-Shagal

S. Rethfeld: Harald Deilmann - Ein Gestalter seiner Zeit

Erster Zwischenbericht von Stefan Rethfeld:
Die Arbeit an meinem Forschungsprojekt zum Werk des Architekten Harald Deilmann (1920-2008) konzentrierte sich in den ersten zehn Monaten auf zwei Bereiche: einerseits auf die Sammlung und Sichtung des Materials, andererseits auf die Erstellung eines Arbeitskonzeptes, das versucht, den unterschiedlichen Facetten des Wirkens von Harald Deilmann gerecht zu werden. Mit Projektbeginn stand dabei fest, dass sein Werk der 1950er- bis 1970er-Jahre den Schwerpunkt bilden wird.

Im Verlauf der Sichtung des Gesamtwerkes mit mehr als 1700 Projektnummern, darunter allein über 838 Projekte aus dem Zeitraum 1950-1979, hat sich gezeigt, dass Deilmann in erheblichem Umfang auch Stadtplanungsprojekte wie Stadtsanierungen, Fußgängerzonen und Bebauungspläne entwickelt hat, so dass ich meinen Projektanspruch nun insofern relativiert habe, als dass ich mich allein auf das architektonische Werk beschränke.

Die Projekte liegen hierbei mehrheitlich im Bereich Münster (allein über 200 Projekte), Westfalen, in den Stadtregionen von Dortmund, Düsseldorf und Stuttgart, und gerade in den 1970er-Jahren vereinzelt auch im Ausland, wie Projekte in Iran, Italien, Luxemburg, Österreich, Schweiz und USA zeigen. In der überwiegenden Anzahl wurde Deilmann direkt mit den Projekten beauftragt, doch sah er sich immer auch durch Wettbewerbe herausgefordert. Geschult am Erstlingsprojekt, dem Stadttheater Münster (1954-56, noch zusammen mit Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau), errang Deilmann bis 1980 bei insgesamt 250 Wettbewerbsteilnahmen für weitere dreißig Entwurfsprojekte die Aufträge.

Gleich der zweite Wettbewerbsgewinn, eine Kurklinik in Bad Salzuflen, erweiterte hierbei das Spektrum des Büros beträchtlich und ermöglichte Deilmann, sich auch als Architekt für Krankenhausbau zu etablieren. Dem Architekten lag jedoch viel daran, nicht zum Spezialisten zu werden.

Boomjahrzehnte der Bundesrepublik ermöglichen breites Tätigkeitsfeld

Die günstigen Umstände der Boomjahrzehnte der jungen Bundesrepublik eröffneten Harald Deilmann alle Möglichkeiten: neben Kirchen und Kindergärten, Krankenhäusern und Sportstätten, Schulen und Instituten, Banken und Versicherungen, Rathäusern und Bürgerzentren verlangte die neu entstehende Gesellschaft bekanntlich jedwede Form von Infrastruktur, so dass sein Werk nahezu jeden Gebäudetyp aufweist - bis hin zu Spielcasinos, Flugsimulatoren, Zoo und Fernsehturm.

Deilmann erfuhr für sein Tun wichtige Prägungen während seines Studiums in Stuttgart, wo er bei Rolf Gutbrod 1948 mit einer Arbeit für den Hauptbahnhof Friedrichshafen diplomierte. Nicht „um Wiederaufbau, sondern um einen Neubau“ (Rolf Gutbrod) ging es hierbei auch Deilmann, und die Stuttgarter Schule unter Richard Döcker bot ihm dafür ein wichtiges Umfeld, zunächst als Student, später als Assistent und Hochschullehrer. Wie Jürgen Joedicke rückblickend beschreibt, „war ihr Fundament ein erneuertes Verständnis des Bauens, Offenheit gegenüber neuen Tendenzen, aber zugleich Ablehnung alles Monströsen und Übersteigerten. Wer sich modischen Neigungen hingab, fiel scharfer Kritik zum Opfer.“

Markante Objekte beschreiben den Prozess der „Formfindung“

In den nächsten Monaten soll meine Arbeit neben den persönlichen, biographischen Prägungen insbesondere diese Anfänge eingehend untersuchen. Dabei geht es darum, zu prüfen, ob sich speziell aus dieser Zeit Leitmotive für das Schaffen Deilmanns ergeben haben. Mit dem Begriff „Formfindung“ wird hier ein Schlüsselvorgang zu untersuchen sein, sowohl architekturtheoretisch als auch am Objekt selbst. Markant erscheinen hierbei einige beispielhafte Bauten, etwa die Sonderschule Haus Hall in Gescher (1968), das Krankenhaus in Engelskirchen (1956) oder die West LB-Bauten in Münster (1967) und Düsseldorf (1976).

Den zahlreichen privaten Wohnhäusern wird eine eigene Untersuchung gewidmet werden, sowohl im Vergleich untereinander, als auch mit Werken maßgeblicher Architekten der Zeit in den USA, Skandinavien und der Schweiz.

Dem Austausch während der zurückliegenden Bearbeitungszeit dienten regelmäßige Gespräche im Graduiertenkolleg sowie mit den Autoren weiterer monographischer Dissertationsvorhaben am Lehrstuhl, insbesondere zu den Arbeiten über Bruno Lambart (Alexandra Apfelbaum), Paul Zucker (Petra Kahlfeldt) und Carl Pinnekamp (Melanie Günter).

Auch einzelne Tagungen und Symposien boten im Berichtszeitraum einen guten Rahmen zur Auseinandersetzung mit Fachkollegen, so das Symposium „Bauten und Anlagen der 1960er und 1970er Jahre – Ein ungeliebtes Erbe?“, veranstaltet vom Haus der Architektur (Oktober 2009, Köln), und die Tagung „Initiative Beethovenhalle Bonn“, veranstaltet vom Kunsthistorischen Institut Universität Bonn (Dezember 2009, Bonn) – in beiden Veranstaltungen standen jeweils auch Deilmann-Bauten zur Diskussion.

Beschäftigung mit Deilmanns Werk auch außerhalb des Hochschulkontextes

Bei einer Reihe von Deilmann-Bauten erschien mir bereits auch eine Einmischung außerhalb des Hochschulkontextes notwendig, da sie teilweise vom Abriss (Deutsche Bank Münster, bis April 2009) bedroht sind oder durch Sanierung verunklart werden (Stadttheater Münster). Erfreulicherweise konnte einem Projekt auch infolge medialer Intervention zum Denkmalstatus verholfen werden: dem seit kurzem denkmalgeschützte Wohnhaus Dr. Steinmann in Ahlen. Im April 2009 wurde es sogar als ein exponiertes Beispiel modernen Bauens der 60er-Jahre vom LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen zum „Denkmal des Monats“ erklärt. Fazit: Input und Output meines Forschungsprojektes stehen somit jetzt bereits in einem herausfordernden Spannungsverhältnis.

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