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S. M. Burggräf: Der Weg der Idee

Dritter Zwischenbericht von Sabine Marion Burggräf:
Der Versuch, „den Weg der Idee“ nachzuzeichnen, zeigt eines deutlich: Bei der IBA gab es nicht „den“ einen Weg der Idee. Schon gar nicht im Umgang mit dem stark geschwächten Ruhrgebiet. Die intensive Auseinandersetzung mit der Materie lässt erahnen, wie facettenreich und komplex das Instrument IBA konzipiert war und sich aus dem täglichen Fortschreiten des Prozesses heraus weiterentwickelte. Es gab eine Vielzahl von Wegen bzw. von Strategien, Handlungsmustern und auch Zufällen, die wiederum zu einer Vielzahl von Ideen respektive zu Konzepten, Entwürfen und Planungsergebnissen führten.

Analysiert man vollständige Ideenlinien der IBA und ihrer Projekte so wird deutlich, dass es sich ähnlich wie mit der Eisbergtheorie des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick verhält: Nur etwa ein Siebtel des Eisbergs ragt über den Wasserspiegel hinaus und ist sichtbar, messbar, vermeintlich einschätzbar. Diesen Teil des Eisbergs verkörpern die etwa 120 Projekte der IBA. Der restliche Teil des Gesamtvolumens hingegen liegt unterhalb der Wasseroberfläche. Der Schwerpunkt der Dissertation liegt darin, diesen unsichtbaren Teil des „IBA-Eisbergs“ zu erforschen, der die Ideenursprünge, die bisher nicht publizierten Strategien, das alltägliche, individuelle Handeln verkörpert.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Leitprojekte überwiegend keine „Erfindungen“ der IBA waren. Sie entstanden aus einem konkreten Bedarf (Umbau des Emschersystems), einer von der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen  (LEG) übernommenen Projektgruppe, oder sogar aus einem Konzept aus den 1920er Jahren (Emscher Landschaftspark). Die Leitprojekte entwickelten sich während der zehnjährigen Arbeitsphase weiter. Es kamen Projektfamilien hinzu, Arbeitsschwerpunkte veränderten sich, ein Leitprojekt entfiel sogar. Die offene und prozessuale Vorgehensweise ist an der Entwicklung der Leitprojektideen ablesbar.

Um die Komplexität des Experiments IBA zu verdeutlichen, ist neben der strukturellen Betrachtung der Strategieebene (IBA-Gesellschaft), der Leitprojekt- und der Projektebene, die chronologische Untersuchung elementar. Anhand von vier zeitlich aufeinander folgenden Phasen wurden die Ideen der IBA und ihrer Projekte analysiert: Die Zeit vor der IBA bis 1987, die strategische Vorbereitung zwischen 1987 und 1989, die zehnjährige Laufzeit bis 1999 sowie die Phase nach der IBA seit 1999 prägten den Projektverlauf im Einzelnen. Es ist beachtlich, wie viele der Ideen der IBA im Nachgang institutionalisiert wurden und wie nachhaltig die gebauten Bilder der einstigen Ideen in den Köpfen der Ruhrgebietler verankert sind. Die Analyse der Ideenursprünge, ihre Modifikationen während des Prozesses und die Verstetigungen nach der Bauausstellung ergeben erst das Gesamtbild der „sichtbaren“ und „unsichtbaren“ IBA Emscher Park.

Info:
Die Stiftung Deutscher Architekten hat vor drei Jahren in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dortmund, Fakultät Bauwesen, Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur, zwei Promotionsstipendien vergeben. Eine der Stipendiatinnen ist Sabine Marion Burggräf. Forschungsziel ihrer Arbeit ist die Analyse der Herkunft, Modifikation und Verstetigung starker Projektideen im Verlauf eines Planungs- und Bauprozesses. Die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park, die als Strukturförderprogramm des Landes NRW in den 1990er-Jahren einen offenen Planungsprozess für die Revitalisierung der Emscherregion angestoßen hat, dient als Forschungsgegenstand.

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