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Preisträger des Förderpreis 2014

Verleihung des Förderpreis 2014 (v. l.): Jewgenij Senin (Förderpreisträger), Zarui Martirosyan (Förderpreisträgerin), Ernst Uhing (Präsident der Architektenkammer NRW, Eva Hagen (Förderpreisträgerin), Helen Shuyang Chen (Anerkennung), Barbara Beering (Anerkennung) und Prof. Wolfgang Döring (Juryvorsitzender) - Foto: Thilo Saltmann

Förderpreis 2014: Kreative Entwürfe junger Talente

Besondere Talente motivieren, inspirieren und ihre Leistungen öffentlich präsentieren – das sind die Ziele des Förderpreises der Stiftung Deutscher Architekten, der am 16. April 2015 im Düsseldorfer Malkasten zum 15. Mal an angehende Architektinnen und Architekten verliehen wurde. „Wir brauchen begabte junge Menschen, die unsere gebaute Umwelt von morgen engagiert gestalten und planen“ erklärte Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten, anlässlich der Preisverleihung. Der Förderpreis sei eine „Motivation und Ermutigung“ für die Preisträger auf dem Weg in den Beruf. „Zugleich dokumentiert das Verfahren das hohe Niveau der Architektenausbildung in unserem Bundesland.“ – Die drei Preise und zwei Anerkennung gingen an Absolventinnen und Absolventen der Bergischen Universität Wuppertal, der Peter Behrens School of Architecture(PBSA) in Düsseldorf, der münster school of architecture (msa) und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen.

Eva Hagen (Bergische Universität Wuppertal): „Krematorium mit Trauerhalle Westfriedhof in Köln“
„Der Westfriedhof in Köln-Vogelsang ist Begräbnisstätte für Angehörige vieler Religionen. Der Entwurf von Krematorium und Trauerhalle bietet Raum für die verschiedenen Formen des Abschiednehmens. Die Kuppel ist ein Bild für Transzendenz in vielen Religionen. Hier ist ihre Ornamentik aus zentralen Symbolen der Weltreligionen entwickelt.
Dieser Entwurf ist ein innovativer Beitrag zur Auseinandersetzung mit einem der wichtigen und aktuellen Themen des Zusammenlebens in einer von vielen Kulturen und Lebensformen geprägten Gesellschaft“, urteilte die Jury.

Zarui Martirosyan (PBSA Düsseldorf): „Besucherzentrum und Gestaltung der menschlichen Pfade in der historischen Stadt Ani“
„Zarui Martirosyan begibt sich mit ihrer selbstgewählten Arbeit auf einen persönlichen Weg in ihre Heimat Armenien und dabei gleichzeitig auf einen Weg zurück in eine Zeit, in der die Stadt Ani eine politische, kulturelle und wirtschaftliche Hoch-Zeit hatte.
Die Arbeit, die geographisch-regionale, kulturhistorische und heutige Wege und Landmarken ausstellungstechnisch beleuchtet und zwei Gebäudeteile hinzufügt (Besucherzentrum horizontal, Aussichtsturm vertikal), nimmt für sich in Anspruch, nur unterstützend die menschlichen Pfade in der historischen Stadt Ani in Erinnerung zu rufen. Die Etappen „Gründung, Blütezeit, Verwüstung, Vergessenheit, Wiederentdeckung und Moderne“ werden dem Besucher ohne künstliche Dramatik nähergebracht, die Landschaft und die historischen Zeugnisse sprechen für sich.
Die Verfasserin hat mit der Ausarbeitung eines zurückhaltenden, aber funktional und gestalterisch überzeugenden Architektur- und Ausstellungskonzeptes eine Sprache gefunden, die wechselvolle Geschichte des Ortes angemessen zu dokumentieren und zu erläutern. Hier sind die übersichtlichen Plandarstellungen und die das Wesentliche erfassenden Arbeitsmodelle zu nennen, insbesondere aber auch das schlichte und zum Nachdenken anregende Skizzenheft zur Arbeit.
Von einer teilweise bedrückenden Aktualität sind die Bearbeitung und Umsetzung durch die Verfasserin vor dem aktuellen Hintergrund, dass leider auch heute wieder wichtigen Zeugnissen der Menschheitsgeschichte im nahen und mittleren Osten erneut Verwüstung droht. Diesen heutigen kulturbarbarischen Ereignissen stellt sich die Verfasserin mit einer leisen, aber klaren und kraftvollen Sprache entgegen. Eine nach Jurymeinung insgesamt überzeugende Arbeit.“
 
Jewgenij Senin (PBSA Düsseldorf): „Sportpark in Düsseldorf Flingern-Nord“
„Die Arbeit von Jewgenij Senin zum neuen Sportpark in Düsseldorf-Flingern greift konsequent das Instrument der Aggregation auf. Auf einem heute eher abschreckend wirkenden Areal in von Industrie geprägter Lage versteht der Verfasser es sehr gut, durch Neuordnung der vorhandenen Sportanlagen und sinnvolle bauliche Ergänzungen die bislang kleinteilige Segmentierung aufzuheben. Die Besonderheit des Planungskonzeptes liegt in der intelligenten Verlinkung von Sporthallen und Bäderbereichen zu einem übereinander angeordneten, sportlich multifunktionsfähig nutzbaren Angebot. Durch Funktionsverdichtung wird mehr Freiraum auf dem vorhandenen Gelände geschaffen. Als besonders innovativ ist die Stapelung der Funktionsbereiche als Gegenpol zur bestehenden Dominanz der in der Nachbarschaft befindlichen Stadtwerkegebäude zu verstehen.
Insgesamt besticht die Arbeit von Jewgenij Senin durch ihren innovativen Planungsansatz im Sportstättenbereich mit der damit verbundenen Planungstiefe in der Synthese von Neubau und Bestand.“

Anerkennung: Barbara Beering (msa Münster):  „Contemplatio -  Ein Ort für Mönche auf Zeit“
„Die Verfasserin entwirft ein neues Bauwerk als Additiv zu der vorhandenen Bebauung des Franziskaner-Klosters in Borken. In seiner Struktur übernimmt es die Proportion des Bestandes. In Funktion und Material spiegelt es die Kargheit klösterlichen Lebens wieder und zeugt von einem sensiblen Umgang mit Ort und Thema.“

Anerkennung: Helen Shuyang Chen ( RWTH Aachen):  „Nýtt fangelsi á Íslandi – Entwurf eines Gefängnisses in Island“
„Die Arbeit greift ein ungewöhnliches Thema an einem unwirtlichen Ort – der schwarzen baumlosen Landschaft in Island – auf. Aufbauend auf einer umfassenden Analyse und auf Interviews vor Ort entwickelt die Verfasserin ein Raumprogram, umgesetzt in einen eigenständigen Ort. Dieser wirkt wie ein dörfliches Ensemble mit kleinen Baukörpern und vermittelt geschickt kleine Wohngemeinschaften zwischen Privatheit, Halböffentlichkeit und Öffentlichkeit (Zentrale Einrichtungen).
Auch die Landschaft, so unwirtlich sie sich darstellt, ist innerhalb der Gefängnisanlage spür- und wahrnehmbar. Ziel ist es, mit diesem Ansatz die Resozialisierung und Wiedereingliederung zu erleichtern, was durchaus nachvollziehbar erscheint. (Nur die Gefängnismauer stört die Ein- und Aussicht, aber sie gehört leider zu einem Gefängnis.) Die Arbeit zeichnet sich durch große Sensibilität für eine schwierige Aufgabe an einem ungewöhnlichen Ort aus.“

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