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Dipl.-Ing. Andreas Klozoris (*1984). 2004 - 2011 Architekturstudium an der RWTH Aachen, seit 2012 wissenschaftlicher Mit-arbeiter am Institut für Städtebau und Lan-desplanung der RWTH Aachen.

Dipl.-Ing. Andreas Klozoris (*1984). 2004 - 2011 Architekturstudium an der RWTH Aachen, seit 2012 wissenschaftlicher Mit-arbeiter am Institut für Städtebau und Lan-desplanung der RWTH Aachen. (Foto: T. Saltmann)

Förderpreis 2012: Mutrah – eine Stadt im Oman zwischen Tradition und Moderne

Die Stiftung Deutscher Architekten hat im April dieses Jahres in Düsseldorf die För-derpreise 2012 an Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge vergeben. Die unabhängige Jury unter Vorsitz von Chris-toph Ingenhoven vergab drei Förderpreise an besonders talentierte Nachwuchs-Architekten. Einen Preis erhielt Andreas Klozoris für die Arbeit „Rethink Mutrah“, vorgeschlagen von Prof. Rolf Westerheide (RWTH).

Herr Klozoris, Sie beschäftigen sich in Ihrer Arbeit „Rethink Mutrah“ mit dem Thema eines rasanten Stadtwachstums vor dem Hintergrund tradierter baulicher und räumlicher Strukturen im Oman. Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihrer Analyse arabischer Lebenswelten gemacht?
Die arabische Stadt ist ein sehr interessantes und hoch komplexes Gebilde, dessen Morphologie grundsätzlich auf klimatischen und kulturellen Aspekten beruht. Das Ergebnis dieser Prämissen ist ein Raumgefüge, in dem der Übergang zwischen öffentlich und privat zwar fließend, dennoch sehr spürbar ist. Für die Analyse musste ich mich in die hinteren Bereiche Mutrahs bewegen. Dabei hatte ich stets das unbehagliche Gefühl, mich in einem privaten Bereich zu befinden. Letztendlich waren es die Bewohner, die mich in diesen Räumen herzlich empfangen und mich bei meiner Analyse tatkräftig unterstützt haben.
Die historischen arabischen Strukturen basieren auf jahrhundertealtem Wissen und gehören meiner Ansicht nach zu den wertvollsten und erhaltenswertesten Elementen, die ein Land wie der Oman haben kann. Dabei geht es mir nicht nur um den baukulturellen, sondern auch um den soziokulturellen Aspekt.

Wie verläuft nach Ihren Erfahrungen die städtebauliche Entwicklung im Oman?
Im Oman herrscht leider dasselbe Bild wie in vielen anderen Entwicklungsländern: alte Strukturen, die eng mit Klima, Kultur und sozialem Gefüge verwoben sind, werden durch neue, glänzende Gebilde nach westlichen Vorbild ersetzt. Dabei gehen Dinge wie Nachbarschaft, Zusammengehörigkeitsgefühl und kulturell bedingte Gesellschaftsformen verloren. Mutrah ist einer der letzten Stadtteile Muscats, wo die Bewohner noch zusammen statt anonym nebeneinander leben. Es herrscht ein beinahe familiäres Miteinander unter den Bewohnern, welches sich im Außenraum durch etwa gemeinsames Teetrinken und Unterhalten ausdrückt.
In den neueren Wohngebieten leben die Omanis hinter hohen Betonmauern in stark verglasten kleinen Palästen. Das Glas muss wiederum verspiegelt sein, um vor Sonneneinstrahlung und fremden Blicken zu schützen. Obligatorisch ist bei diesem Wohntypus die Klimaanlage auf dem Dach.
In meiner Arbeit habe ich versucht, bestimmte Merkmale des arabischen Bauens hervorzuheben und dessen besonderen Wert darzustellen. Die ursprünglichen Strukturen haben sich über einen langen Zeitraum entwickelt und sind das Ergebnis klimatischer und kultureller Gegebenheiten. Dadurch sind viele Bestandteile maßgeschneidert und auf die Bedürfnisse der Nutzer angepasst. Diese gilt es zu erhalten und in die Bau- und Denkweise von heute zu integrieren. Gerade heute, wo der Begriff der Nachhaltigkeit allgegenwärtig ist.

Welche Bedeutung hat der Aspekt der Nachhaltigkeit in Ihrem Entwurfsansatz bzw. Lösungsvorschlag?
Heutzutage werden unterschiedliche Nutzungen im städtischen Raum zunehmend voneinander getrennt. Dies ist u. a. im Oman, in Indien, und im südlichen Europa noch nicht der Fall. Besonders in Indien schafft die starke Mischung aller Aktivitäten eine pulsierende und lebhafte Atmosphäre. Eine solche Mischung findet dann statt, wenn die Nutzer mitwirken und mitbestimmen. Wie solche Systeme im Extremfall funktionieren können, zeigt u.a. der diesjährige ausgezeichnete Berlinale-Beitrag von urban-think-tank „Torre David“.
Mein Ansatz in der Arbeit war ähnlich: Ich wollte nicht, dass meine Interventionen eine von mir vorgegebene und ausschließliche Funktion haben; stattdessen sollten die Nutzer selber über die Strukturen bestimmen. Dadurch wird ein Gebäude immer nach den aktuellen Bedürfnissen genutzt, und ihm droht nicht der Leerstand. Bei dem immer komplexer werdenden Begriff der „Nachhaltigkeit“ sollte die Langlebigkeit immer als Leitfaden dienen.

Sie haben mehrere Studiensemester in unterschiedlichen Ländern wie Griechenland, Indien, Spanien und eben auch Oman verbracht. Unterscheiden sich die Ausbildungen grundsätzlich, oder trifft man zwangsläufig auf immer ähnliche Studienabläufe?
Ich habe mich in Athen und Madrid mit theoretischeren und philosophischeren Themen beschäftigen können. Aufgefallen ist mir dabei, dass in Spanien und Griechenland die Studenten eine sozialkritischere oder zumindest emotionalere Haltung im Entwurf einnahmen, bei dem Analyse, Emotion und Ausarbeitung ein komplexes Ergebnis hervorbrachten. Der Zusammenhalt der Studenten und die Kollegialität ist außerdem wesentlich höher als in Deutschland.

Welche Wünsche und Ziele haben Sie für Ihre berufliche Zukunft?
Es mag komisch klingen, aber mir dreht sich die Welt manchmal ein wenig zu schnell. Ich würde gerne noch viele Orte besuchen und so viel wie möglich von anderen Kulturen und Systemen lernen. Meine Haltung bei potenziellen Projekten an diesen Orten habe ich zum Glück durch meine Diplomarbeit schon gefunden.

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