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Vertical Farming: Modell

Vertical Farming: Modell

Förderpreis 2008: Ohne Eier - kein Omelette

Im April dieses Jahres hat die Stiftung Deutscher Architekten in Düsseldorf die Förderpreise 2008 an Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge vergeben. Die unabhängige Jury unter Vorsitz von Prof. Markus Neppl vergab drei Förderpreise an besonders talentierte Nachwuchs-Architekten. Einen Preis erhielt Martha Chen Nunes für ihre Arbeit „Vertical Farming“.

Frau Nunes, Ihre Eltern sind als Komponist und als Geigerin im musischen Bereich beheimatet. Da liegt die Vermutung nahe, dass auch Sie sich eher der Musik zugewandt hätten. Wie ist bei Ihnen der Wunsch entstanden, Architektur zu studieren?
Die Verbindung zur Architektur entwickelte sich während der intensiven Reisen mit meinen Eltern, wo die Architektur meistens im Mittelpunkt stand. Außerdem denke ich, dass nicht nur die Arbeitsweise in der Musik und der Architektur viele Gemeinsamkeiten aufweist. Wie es Schopenhauer so schön formuliert hat: „Architektur ist gefrorene Musik“. 

Die Arbeit, die Sie zum Förderpreis eingereicht haben, behandelt das Thema „Vertical Farming“. Ein Thema, das neben der gestalterischen Ausarbeitung ein hohes Maß an technischer Überlegung beinhaltet. Warum haben Sie gerade dieses Thema gewählt?
Auf den ersten Blick erscheint dieses Thema fiktiv. Auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass hier die Gegenwart mit der Problematik der nahen Zukunft verbunden wird. Für mich lag die Besonderheit bei diesem Thema darin, dass es keine gebauten Beispiele gibt, sondern dass von uns ein prototypisches Beispiel für Dickson Despommiers‘ theoretische Ansätze erwartet wurde. Außerdem sah ich mit der technischen und sozialen Komponente in diesem Thema die Möglichkeit etwas zu bearbeiten, das über die Architektur hinausreicht.

Gibt es schon Vorstellungen die Idee des „Vertical Farming“ umzusetzen?
Gibt es – und  das ist ein aktuelles Thema. Dickson Despommiers plant zurzeit in Zusammenarbeit mit einem Pariser Architekturbüro eine Vertical Farm mit integriertem Wohnen und Arbeiten. Meinerseits ist das Interesse natürlich groß, das Grundmodul meiner Vertical Farm umzusetzen. Mein System basiert auf bewährter Technik, die eben nicht im üblichen Blickfeld der Architektur ist; das hat es umso spannender gemacht, aus dieser Technik Architektur zu formen. 

Sie haben während des Studiums bei David Chipperfield in Shanghai gearbeitet. In der derzeitigen Situation am deutschen Arbeitsmarkt gehen viele Studenten und Absolventen ins Ausland um dort Erfahrungen sammeln zu können. Glauben Sie, daß es gegenwärtig wichtig ist, Auslandserfahrungen nachweisen zu können?
Allein aufgrund meiner multikulturellen Herkunft, muss ich diese Frage mit „ja“ beantworten! Auslandserfahrung ist meiner Meinung nach auch wichtig für die persönliche Entwicklung. Ich denke, dass das Arbeiten oder allein schon ein längerer Auslandsaufenthalt den eigenen Horizont stark erweitert. Sowohl kulturell als auch beruflich. Unabhängig davon, ob es gute oder schlechte Erfahrungen sind - es sind Erfahrungen, die bereichern und eben diese persönliche Entwicklung fördern. Im besten Fall erweitert sich die Wahrnehmung – und diese können wir in unserem Beruf gut gebrauchen! 

Glauben Sie, dass ein guter Architekt mit einer besonderen Begabung ausgestattet sein muss?
Wie mein Vater zu sagen pflegt: „ohne Eier – kein Omelette“. Das ist hier wieder wie in der Musik, die Begabung nützt nichts, wenn man sie nicht umsetzen kann. Je besser man sie umsetzen kann, desto besser kann man sie nutzen!      

Zur Person

Dipl.-Ing. Martha Chen Nunes, Förderpreis 2008; vorgeschlagen von Prof. i. V. Dipl.-Ing. Joachim Ruoff, RWTH Aachen

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