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Shima Jahangiri Esfahani

Bekam einen von drei Förderpreisen der Stif-tung Deutscher Architekten zugesprochen: Shima Jahangiri Esfahani; hier zu sehen mit dem Modell ihrer Arbeit „Ort des Windes“, mit dem sie die Jury um den Vorsitzenden Prof. Arno Brandlhuber überzeugen konnte (Foto: Olaf Döring)

Förderpreis 2006: Kompetenz, Ehrgeiz und Poesie

Im März dieses Jahres hat die Stiftung Deutscher Architekten in Düsseldorf die Förderpreise 2006 an Studierende und Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge vergeben. Die unabhängige Jury unter Vorsitz von Prof. Arno Brandlhuber vergab drei Förderpreise an besonders talentierte Nachwuchs-Architekten. Shima Jahangiri Esfahani (FH Dortmund) im Interview. 

Frau Jahangiri, wie ist bei Ihnen der Wunsch entstanden, Architektur zu studieren?
Ich bin in Esfahan aufgewachsen, einer Stadt, die im 11. Jahrhundert erbaut wurde, mit vielen historischen Denkmälern. Da liegt es sehr nahe, dass ich mich für Architektur immer begeistern konnte.

Sie sind im Iran zur Schule gegangen. Dort haben sie zunächst ein Medizinstudium aufgenommen und sind erst später zur Architektur gekommen. Was waren die Probleme?
Das Architekturstudium für Frauen im Iran reduziert sich nur auf künstlerische Leistungen. Da ich gerne ein Projekt von A bis Z mitplanen und die erarbeiteten Details sukzessive mit entsprechenden Fachplanern umsetzen wollte, musste ich im Ausland studieren. Das Arbeitsgebiet einer Architektin im Iran beschränkt sich lediglich auf Büroarbeit. Ich wollte eine Architektin werden, die auch auf der Baustelle mitreden kann.

Sie sind von der „Stiftung Deutscher Architekten“ mit dem Förderpreis 2006 ausgezeichnet worden. Die von Ihnen eingereichte Arbeit behandelte das Thema „Ort des Windes“ – ein Windmuseum. Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?
Man muss dazu wissen, dass etwa zwei Drittel des Irans im Bereich eines Wüstengürtels liegen. Unvorstellbar große Flächen, für die es noch keine richtige Nutzung gibt. Ich verbrachte gerne die Zeit in der Wüste, wenn ich Ruhe und Stille suchte. Dort in diesem Niemandsland ist man auf sich und seine Sinne gestellt. Das ist ein außergewöhnlicher Eindruck, den man dort vor Ort bekommt. Das, was man hört, ist nur der Wind, und was man sieht, ist nur die Bewegung der Dünnen durch Wind. Nach einer Weile versteht man, dass in der Wüste der Wind der alleinige Herrscher ist. Mit meiner Arbeit wollte ich diesem Herrscher ein Haus widmen.

Zurzeit arbeiten Sie im Architekturbüro Index in Frankfurt. In welchen Projektbereichen arbeiten Sie dort?
Ich betreue ein Projekt in Frankfurt Sachsenhausen. Es handelt sich um den Neubau einer Villa. Ein sehr spannendes Projekt. Ich habe geschmackssichere Bauherrn, die geduldig mit mir als junger Architektin umgehen. Leider ist dies heutzutage sicherlich eine Ausnahme, was ich sehr schade finde. Ich will betonen, dass die Arbeit viel Spaß macht, wenn die Resultate zur Zufriedenheit der Bauherren führen.

Glauben Sie, dass ein guter Architekt mit einer besonderen Begabung ausgestattet sein muss - oder spielt die Qualität der Hochschulausbildung die wesentlichere Rolle?
Mein Professor sagte immer: „Man kann an Hochschulen keine Architektur lehren, man kann nur den richtigen Weg zeigen.“ Das denke ich auch. Ein guter Architekt ohne Begabung ist wie ein Haus ohne Fundament, und ein Architekt ohne gute Hochschulausbildung ist wie ein Haus ohne Fenster.

In der derzeitigen Situation am deutschen Arbeitsmarkt gehen viele Studenten und Absolventen ins Ausland, um dort Erfahrungen zu sammeln. Glauben Sie, dass es gegenwärtig wichtig ist, Auslandserfahrungen nachweisen zu können?
Auslandserfahrung ist das A und O, auch für Architektur. Meiner Meinung nach sollten die Hochschulen verstärkt dafür eintreten, mit einer Vielzahl von Exkursionen ins Ausland den Horizont der Studenten zu erweitern.

Haben Sie Vorbilder in der Architektur?
Ich bewundere diejenigen Architekten, die ihre Konzepte mit beachtenswerter Genauigkeit durchführen. Klare Konzepte, solide Bauweise und eine erlesene Materialwahl sind die Essenzialien der Architektur. Architekten, die mit Maß und Proportion arbeiten, faszinieren mich mehr als diejenigen, die zu Kitsch tendieren und dadurch an Zeitlosigkeit einbüßen.

Welche Ziele haben Sie für Ihre berufliche Zukunft? Wie schätzen Sie die Möglichkeiten ein, in der derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Lage Ihre Ziele zu verwirklichen?
Ich möchte irgendwann mein eigenes Büro mit meinem Partner gründen; interessante internationale Projekte  machen. Ich glaube, mit viel Ehrgeiz überwindet man jede Wirtschaftskrise.

Zur Person

Shima Jahangiri (*1978) geboren in Esfahan im Iran; Studium: Mikromedizin Universität Esfahan, 2000-2006 Architekturstudium FH Dortmund; seit 1999 Aufenthalt in Deutschland; Hochbauamt Oberhausen, Wiemann Architekt Dortmund, Saman Gostar Iran, Zargham Iran; seit 2006 bei Index Architekten Frankfurt am Main.

 

 

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