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Sonja Hesselmann und Dorothee Wittag

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten 2004: Sonja Hesselmann (l.) und Dorothee Wittag (Foto: Christof Rose)

Förderpreis 2004: Wichtig ist ein behutsamer Umgang mit Material und städtebaulichem Kontext

Die Stiftung Deutscher Architekten hat am 15. März 2005 in Düsseldorf drei Förderpreise 2004 vergeben. Einer davon ging an Sonja Hesselmann und Dorothee Wittag, die wir hier im zweiten Teil unserer Interview-Reihe mit ausgezeichneten Nachwuchsarchitekten vorstellen.

Die von Ihnen zum Förderpreis 2004 eingereichte Arbeit behandelt das Thema „Haus und Museum der jüdischen Kultur in Köln“. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?
Dorothee Wittag: Wir haben beide ein allgemeines Interesse an Religion und sind dadurch auf die Idee gekommen, eine Aufgabe aus diesem Themenbereich zu bearbeiten. Bei unserer Recherche sind wir über das Internet auf die Aufgabenstellung gestoßen. Uns hat die komplexe städtebauliche Situation und die ungewöhnliche Aufgabe gereizt.

Sie sind von der Stiftung Deutscher Architekten mit dem Förderpreis 2004 ausgezeichnet worden. Glauben Sie, dass ein guter Architekt mit einer besonderen Begabung ausgestattet sein muss oder spielt die Qualität der Hochschulausbildung eine wesentliche Rolle?
Sonja Hesselmann: Meiner Meinung nach sind beide Aspekte wichtig. Wobei ich aber glaube, dass, wenn man zum Beispiel Baumanagement oder Bauwirtschaft als persönliche Schwerpunkte wählt, die Ausbildung einen anderen Stellenwert haben kann.
Dorothee Wittag: Ich denke, dass beides wichtig ist, Ausbildung und Talent sowie Idealismus. In jedem Beruf.

Wie beurteilen Sie Ihre Hochschulausbildung?
Dorothee Wittag: Positiv finde ich, dass in Münster sozusagen „ganzheitlich“ gearbeitet wird. Alle Aufgaben während des Studiums, auch aus dem konstruktiven und statischen Bereich, werden immer mit einem Entwurfsbezug erstellt.
Sonja Hesselmann: Ich bin froh, dass wir noch einen  klassischen Diplomstudiengang abschließen konnten. Nach Einführung der Bachelor und Master-Studiengänge hat man zwar das Gefühl, dass der Master mittlerweile höherwertig gehandelt wird als das Diplom, wohingegen aber die Situation des Bachelors noch relativ unklar ist.

Wo arbeiten Sie zurzeit und welche Aufgaben haben Sie dort zu bearbeiten?
Dorothee Wittag: Schon während des Studiums habe ich im Büro Fritzen + Müller-Giebeler in Ahlen gearbeitet, das mich danach weiterbeschäftigt hat. Ich bin vor allen Dingen im Bereich der Wettbewerbsbearbeitung und Ausführungsplanung tätig.
Sonja Hesselmann: Ich konnte nach dem Diplom bei Scholz Architekten in Senden bleiben, wo ich bereits als studentische Hilfskraft gearbeitet hatte. Dort werde ich vorwiegend in der Wettbewerbsbearbeitung sowie in der Ausführungsplanung eingesetzt.

In der derzeitigen Situation am Deutschen Arbeitsmarkt gehen viele Studenten und Absolventen ins Ausland, um dort Erfahrungen sammeln zu können. Haben Sie auch Auslandserfahrung oder haben Sie noch vor, im Ausland zu arbeiten?
Sonja Hesselmann: Nein, ich habe bisher noch keine Auslandserfahrung, könnte mir aber schon vorstellen, für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Auslandserfahrungen sind sicherlich wichtig und wertvoll, aber dennoch denke ich, dass wir hier in Deutschland in einem guten Büro mindestens ebenso viel lernen können.
Dorothee Wittag: Ich hatte während meines Praktikums die Gelegenheit, in St. Gallen in der Schweiz im Büro Graf zu arbeiten. Ich fände es interessant, noch mal in der Schweiz oder im europäischen Ausland zu arbeiten.

Haben Sie Vorbilder in der Architektur?
Dorothee Wittag: Vorbilder, nein, das würde ich nicht sagen. Ich glaube, dass ein sensibler Umgang mit Materialien und dem Bestand in der Architektur uns beiden besonders wichtig ist.
Sonja Hesselmann: Wir haben uns mit den Projekten von Heinz Bienefeld, Peter Zumthor, Carlo Scarpa und Eduardo Souto de Moura beschäftigt. Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich die Arbeitsweisen anderer anzusehen und ihnen folgen zu können, aber dennoch eine eigene Entwicklung zu durchleben. 

Zur Person

Dorothee Wittag, 1975, studierte von 1997 bis 2004 Architektur an der Fachhochschule Münster, Diplom 2004, Tätigkeit bei: W. Stute, Rhede, H. Graf, St. Gallen, Schweiz, Fritzen+Müller-Giebeler, Ahlen.
Sonja Hesselmann, 1976, studierte von 1997 bis 2004 Architektur an der Fachhochschule Münster, Diplom 2004, Tätigkeit bei: Feldmann und Partner, Münster, Scholz Architekten, Senden, Rheinflügel/ Ortner+Ortner, Düsseldorf, Archäologische Ausgrabung an der Überwasserkirche in Münster. 

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