Förderpreis 2006
Die Natur zum Vorbild genommen
Förderpreisträger 2006 vorgestellt (III): Moritz Fleischmann (RWTH Aachen / ETH Zürich)
Interview: Vera Anton-Lappeneit
Förderpreisträger
2006 der Stiftung Deutscher Architekten (v. l.): Moritz Fleischmann,
Shima Jahangiri Esfahani und Alexander Bartscher - Foto: Olaf DöringIm März dieses Jahres hat die Stiftung Deutscher Architekten in Düsseldorf die Förderpreise 2006 an Studierende und Absolventen der NRW-Architekturstudiengänge vergeben. Mit der Vorstellung von Moritz Fleischmann beenden wir unsere dreiteilige Serie über die Preisträger.
Herr Fleischmann, Sie sind von der „Stiftung Deutscher Architekten“ mit
dem Förderpreis ausgezeichnet worden. Die von Ihnen eingereichten
Arbeiten waren ungewöhnlich, eher analytischen Charakters. Ihr Beitrag „Donauinsulaner“ ist
eine Fiktion gesellschaftlicher Strukturen. Wie sind Sie zu dieser Interpretation
gekommen?
Ich sehe die Aufgabe des neuen Architekten nicht darin, „fertige“ Ergebnisse
zu liefern. Seine eigentliche Rolle besteht doch viel mehr darin, den
Betrachter oder Interessierten mit unkonventionellen Mitteln zum Nachdenken
anzuregen. Einem guten Architekten gelingt es, sein Gegenüber zu
animieren, die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Entwurf zu wagen.
Dies war auch meine Intention bei der Wahl eines (räumlichen) Entwurfes,
der allein im Kopf des Zuschauers entsteht - oder eben nicht.
Wie ist bei Ihnen der Wunsch, Architektur zu studieren, entstanden?
Der unbedingte Wunsch nach Unsterblichkeit, glaube ich.
Sie haben Ihr Studium an der RWTH Aachen begonnen
und sind dann zur ETH Zürich gewechselt. Haben Sie signifikante
Unterschiede in der Lehre festgestellt?
Natürlich gibt es Unterschiede. Aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten.
Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es die engagierten Individuen sind,
und zwar Lehrende wie Studenten, die die Qualität der Lehre ausmachen.
Egal, ob Zürich oder Aachen. An der AA in London erhoffe ich mir,
eine Vielzahl solcher Menschen zu treffen.
Glauben Sie, dass ein guter Architekt mit einer
besonderen Begabung ausgestattet sein muss - oder spielt die Qualität
der Hochschulausbildung eine wesentlichere Rolle?
In einer der ersten Vorlesungen von Prof. Klaus Kada, die ich an der
RWTH besuchte, sagte dieser, dem überfüllten Hörsaal zugewandt: „Unter
Ihnen befinden sich zwei (mahnend die beiden Finger erhoben) gute Architekten
- nur zwei!“ Obwohl alle Studenten in den darauffolgenden Jahren
mehr oder weniger die gleiche Ausbildung genossen, standen „nur“ vier
aus der damaligen Zuhörerschaft beim Förderpreis 2006 auf der
Bühne. Eventuell werden zwei davon ja gute Architekten - genetisch
bedingt oder nicht.
Sie arbeiten zurzeit im Büro Ingenhoven und Partner. Haben Sie dort
die Möglichkeit, Ihre Projekte selbstständig zu bearbeiten?
Mir wird viel Vertrauen entgegengebracht. Das wirkt sich natürlich
positiv auf den eigenen Handlungsspielraum aus. Jedoch gibt es ohne ein
gutes Team auch keine guten Entwürfe - das hat mir der Büroalltag
gezeigt.
In der derzeitigen Situation am deutschen Arbeitsmarkt
gehen viele Studenten und Absolventen ins Ausland, um dort Erfahrungen
sammeln zu können.
Glauben Sie, dass es gegenwärtig wichtig ist, Auslandserfahrungen
nachweisen zu können?
Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute ins Ausland gehen, um Erfahrungen
zu sammeln - oder eher Geld. Die wirtschaftlichen Beweggründe scheinen
mir da doch im Vordergrund zu stehen - was nicht heißen soll, dass
es dadurch keinen kulturellen Austausch geben kann. Ich empfand und empfinde
ihn als persönliche Bereicherung, als Quelle meiner Kreativität.
Ich kenne aber auch gute Architekten, die im Studium keine Auslandserfahrungen
gesammelt haben.
Haben Sie Vorbilder in der Architektur?
Die Natur ist wohl das einzig vernünftige Vorbild. Mit den Möglichkeiten
moderner Simulationssoftware werde ich versuchen, mich mit der ihr innewohnenden
Faszination und Logik auseinanderzusetzen. Die AA bietet mit ihrem Studiengang „Emergant
technologies and Design“ optimale Rahmenbedingungen.
Sie studieren zusätzlich noch Wirtschaftswissenschaften. Welche
Ziele haben Sie für Ihre berufliche Zukunft?
Ich will im Oktober mein 16-monatiges Master-Studium an der AA in London
beginnen. Was danach passiert, steht in den Sternen. Ideal wäre
die Kombination von Arbeit in einem großen Architekturbüro
und eine Hochschulkarriere.
Zur Person
Moritz Fleischmann, *1980. 2001 - 2006 Architekturstudium an der RWTH
Aachen und der ETH Zürich. seit 03/2006 Wirtschaftswissenschaftliches
Zusatzstudium an der RWTH. Seit 03/2007 angestellt bei Ingenhoven Architekten,
Düsseldorf
Stiftung Deutscher Architekten | Zollhof 1 | 40221 Düsseldorf | Telefon: (02 11) 49 67-52 | Telefax: (02 11) 49 67-96 | Internet: www.stiftung-deutscher-architekten.de | E-Mail: info@stiftung-deutscher-architekten.de




