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Förderpreis 2002 – Preisträger und ihre Arbeiten

Stiftung Deutscher Architekten zeichnet talentierten Nachwuchs aus

Christof Rose

Zum neunten Mal verlieh die Stiftung Deutscher Architekten am 13. März in Düsseldorf ihren "Förderpreis", mit dem junge Nachwuchs-Architektinnen und -Architekten geehrt und gefördert werden sollen. Das Interesse an dem Auszeichnungsverfahren war diesmal besonders groß: Insgesamt 58 Studenten und Absolventen der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung waren von ihren Hochschullehrern für den Förderpreis 2002 vorgescshlagen worden.

Ziel des Förderpreises der Stiftung Deutscsher Architekten ist es, künftige Kolleginnen und Kollegen auf ihrem Weg in den Beruf zu ermutigen und zu besonderen Leistungen anzuspornen. Deshalb werden nicht einzelne Arbeiten der Studenten, sondern die Leistungen der Person insgesamt ausgezeichnet. Vorschlagsrecht haben die Professoren, die den jeweiligen Studierenden ein hohes Potenzial und neben Kreativität auch eine professionelle Arbeitsweise bescheinigen. Als Indiz für die Leistungsstärke der Kandidaten werden gleichwohl eine oder mehrere beispielhafte Arbeiten eingereicht, die bis Ende April im "Haus der Architekten"in Düsseldorf in einer Ausstellung zu sehen sind.

Bei 58 vorgeschlagenen jungen Frauen und Männern hatte die Jury in ihrer Sitzung Ende Dezember vergangenen Jahres kein leichtes Spiel. Unter Leitung von Prof. Kunibert Wachten (Dortmund) vergaben Prof. Julia Brigitte Bolles-Wilson (Münster), Dipl.-Ing. Gerhard Leister (Düsseldorf), Dipl.-Ing. Jürgen Meyer (Düsseldorf), Dr.-Ing. Rainer Norten (Gelsenkirchen) und Dr.-Ing. Arne Strassberger (Bonn) drei Förderpreise, dotiert mit je 2.500 €, sowie vier Anerkennungen (je 625 €). Die Anerkennungen gingen an:

Förderpreis: Marc Schwabedissen
Fachhochschule Aachen, vorgeschlagen von Prof. Lambertus van Bunningen
"Wohnen am Abgrund"(Lissabon)

(Zitat Begründung Jury):
"Unter der plakativen Überschrift "Wohnen am Abgrund" entwickelt Marc Schwabedissen am Beispiel der Steilküste von Amada vis-avis von Lissabon neue Wohnformen, einen neuen Typus des Wohnens am Hang. Damit will er aufzeigen, wie Stadt und Wasser in dieser Lage wieder einander näher gebracht werden können.
Nicht Einzelhäuser mit großen privaten Gärten, nicht sperrige Ketten von Reihenhäusern, sondern schlangenförmige Bänder legen sich an der Topographie orientiert, mitunter auch mit ihr "spielend", um den Hang. So wird eine hohe Kompaktheit erreicht, ohne die Landschaft zu verletzen. Diese stadt- und landschaftsräumliche Idee für die Organisation des Wohnens arbeitet Marc Schwabedissen konsequent und kreativ in allen Aussageebenen und Detaillierungsgraden ab. Dabei zeigt er eine breite Spanne vielversprechender architektonischer Fähigkeiten, von der stadträumlichen Idee bis zum konstruktiven Detail."

Förderpreis: Henrike Thiemann
Fachhochschule Münster, vorgeschlagen von Prof. Kirsten Schemel
"SchweineLandschaft"(Münsterland)

"In besonderer Weise wird die "Münsterländische Parklandschaft"in ihrem Bild durch die Landwirtschaft geprägt. Der Wandel und der notwendige Umbau der Landwirtschaft sind nicht ohne Folgen für die Kulturlandschaft des Münsterlandes. Unter der Überschrift "SchweineLandschaft"widmet sich Henrike Thiemann mit analytischer Präzision, intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung, funktionaler Nüchternheit und ausgesprochenem architektonischen Feingefühl einem komplexen und schwierigen Thema.
Es gelingt ihr, ein Konzept zu entwickeln, das von hoher Funktionalität im Nutzungsgefüge und synergetischen Effekten, durch sinnvolle Zuordnungen von Gebäudetrakten und Ausnutzen bauökologischer Prinzipien gekennzeichnet ist. Architektonisch entwickelt sie durch ihre Gebäude- und Freiraumkonzeption ein Ineinander-Fließen von Bebauung und Landschaft"in der Summe eine "SchweineLandschaft"regionalen Ausmaßes.
Die Intensität inhaltlicher Auseinandersetzung und Interpretation, die ausgeprägte Konzeptionsfreude und eine erstaunliche handwerkliche Virtuosität sind hervorragende Grundlagen für die berufliche Entwicklung von Henrike Thiemann."

Förderpreis: Daniel Verhülsdonk
Fachhochschule Dortmund, vorgeschlagen von Prof. Christine Remensperger
"Chilidas Raum"ein monografisches Museum"(Münster)

Seine eigene Begeisterung für den jüngst verstorbenen baskischen Bildhauer Eduardo Chilida hat Daniel Verhülsdonk angetrieben, ein monografisches Museum zu entwerfen. Nicht nur das Thema, auch der Ort für das Museum am Aa-See in Münster waren frei gewählt. Der Standort Münster erscheint auch deshalb gut überlegt, weil er das Kulturstadt-Profil Münsters mit der im zehnjährigen Rhythmus präsentierten Skulpturenausstellung verstärkt.

Die Gefahr ist groß, entweder eine Großskulptur in der Handschrift Chilidas als Museum oder einen neutralen Museumsbau ohne Bezüge zum Künstler zu entwerfen. Diese Gratwanderung ist Daniel Verhülsdonk hervorragend gelungen. Er entwirft ein Gebäude mit hoher skulpturaler Ausdruckskraft, das im Inneren durch die fast serielle Anordnung von Ausstellungsräumen eine große Funktionalität erzeugt und in der Komposition der Räume und durch die Lichtführung eine sehr gute Raumatmosphäre entstehen lässt.

Die Arbeit stellt unter Beweis, dass Daniel Verhülsdonk mit Tiefgang Thema und Ort durchdringen kann, dass er hohe Entwurfsqualitäten zeigt und in der Lage ist, mit großem Feingefühl die Palette der unterschiedlichen Maßstabs- und Aussagebenen zu bewältigen."

Fotos: Porträts privat, Modelle: T. Wermuth

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