Förderpreis 2002
Begeisterung und eine verantwortungsvolle Haltung - Daniel Verhülsdonk, Förderpreisträger 2002, im Gespräch
Interview: Vera Anton-Lappeneit
Am 13. März wurden in Düsseldorf drei Studenten nordrhein-westfälischer Architekturfakultäten mit dem Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten ausgezeichnet. Einer von ihnen ist Daniel Verhülsdonk, den wir hier im zweiten Teil unserer Interview-Reihe mit ausgezeichneten Nachwuchs-Architekten vorstellen.
Einer von drei ausgezeichneten Förderpreisträgern 2002: Daniel Verhülsdonk - Foto: privat
Wie ist bei Ihnen der Wunsch entstanden,
Architektur zu studieren?
Schon früh während meiner Schulzeit wusste ich, dass ich Architekt werden wollte. Ausgehend von der Faszination des kleinen Jungen, im Dreck der Baustelle, umgeben von großen, lärmenden Baugeräten und Maschinen, faszinierte mich auch die Vielseitigkeit des Berufes; vom Entwurf bis zu Bauleitung, einfach die Bandbreite von Kunst bis Technik. Nach meiner Tischlerausbildung habe ich dann an der FH Dortmund Architektur studiert.
Haben Sie neben dem Studium gearbeitet?
Schon seit dem dritten Semester habe ich bei verschiedenen Architekten - teils neben dem Studium, teils auch Vollzeit - gearbeitet. Im Architekturstudium ist das eine ganz wichtige Seite der Ausbildung und an der Fachhochschule auch fest im Studienplan integriert. Gerade durch die Erfahrungen bei der Arbeit habe ich so viel gelernt.
Sie haben eine Zeit lang in Sevilla gearbeitet, was fasziniert Sie an dieser Stadt?
An Spanien und an Sevilla speziell faszinierte mich schon immer neben der Architektur auch die Sprache und die südliche Lebensqualität. Vor allem das Bauen unter dem Licht und mit dem Licht des Mittelmeers begeisterte mich. In Spanien gibt es so viele sinnliche, poetische Projekte, die viel mehr „aus dem Bauch heraus“ entworfen sind. Außerdem befinden sich in Andalusien beeindruckende Spuren maurischer Vergangenheit, Bauten wie die Alhambra in Granada oder die Mezquita in Cordoba, die ich sehen wollte.
Die von Ihnen zum Förderpreis 2002 eingereichte Arbeit behandelte das Thema „Chillidas Raum – Ein monografisches Museum“. Wie sind Sie zu dieser Aufgabenstellung gekommen?
In der Zeit in Spanien habe ich viel über spanische Architektur gelesen und gemerkt, wie wichtig Eduardo Chillida für die spanische Architektur ist. Seine Themen sind unter anderem auch die der Architektur. Seine Werke und Schriften, sein unermüdliches Fragen bietet viel Potenzial. In der Diplomzeit wollte ich mich intensiver mit seinem Werk auseinandersetzen. Und so stellte ich mir die Aufgabe für ein Museum, das nicht nur Ausstellungsraum sein sollte, sondern wo auch Chillidas Ideen des Raumes vom Besucher nachvollzogen werden können.
Sie sind von der „Stiftung Deutscher Architekten“ mit dem Förderpreis 2002 ausgezeichnet worden. Glauben Sie, dass ein guter Architekt bzw. eine gute Architektin mit einer besonderen Begabung ausgestattet sein muss?
Ich möchte nicht von besonderer Begabung sprechen, sondern eher von Neugier und Interesse an den Dingen. Und ich glaube, jeder merkt recht schnell, ob es ihm Spaß macht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Dieser Prozess ist nicht immer einfach; bei der Suche kommt man meist so tief, dass man auch sich und seine Gewohnheiten in Frage stellt. Das ist aber auch das Schöne daran, dass man dadurch viel über sich selbst erfährt.
Wie beurteilen Sie die derzeitige Hochschulausbildung?
Oft hört und liest man so viel Schlechtes über die deutsche Hochschulausbildung, aber ich muss sagen, dass ich eine sehr gute Ausbildung hatte. Über das ganze Studium habe ich Professoren gehabt, die ich fachlich und menschlich sehr schätze und die mich mit ihrem leidenschaftlichen Unterricht der Architektur begeistert haben. Es ist ein Vorteil der Fachhochschule, dass dort intensiv in Kleinstgruppen mit dem Professor zusammen gearbeitet werden kann. Allerdings gibt es auch viele Studenten, die lieber konsumieren statt produzieren, die sind in der Architektur einfach falsch. Diese Haltung sollte konsequenter von den Hochschulen unterbunden werden.
Haben Sie Vorbilder in der Architektur?
Im Studium habe ich gelernt, Bilder im Sinne von Vor-Bildern für meine Ideen zu finden und in Architektur zu transformieren, aus dem Erlebten und dem Gesehenen heraus zu entwerfen; das versuche ich. Grundsätzlich mag ich Architekturen mit einem klaren Konzept und einer spürbaren Ausstrahlung; Räume, in denen man die Besonderheiten des Ortes spürt, archaische Räume, in denen Raum, Licht und Schatten zum einzigen Luxus werden, Räume, die die Fantasie anregen.
Welche Ziele haben Sie für Ihre berufliche Zukunft?
Ich habe schon den Wunsch, irgendwann ein eigenes Büro zu haben, aber ich merke, dass ich noch ganz am Anfang stehe und noch viel lernen will. Im Moment macht mir mein Beruf unheimlich Spaß, ich bearbeite zurzeit spannende Wettbewerbe, und dann werde ich die Zukunft mal auf mich zu kommen lassen...
Zur Person:
Daniel Verhülsdonk, Jahrgang 1975. 1994 - 96 Ausbildung zum Tischler; studierte von 1997 bis 2002 Architektur an der Fachhochschule Dortmund; Diplom 2002. Tätigkeit bei: Schiedeknecht-Krampe-Reiter, Bochum; Hillebrandt + Schulz, Köln; Medienkunstprojekt R111 mit Michael Saup + Supreme Particles, Ausstellungen u.a. Tokio und Paris; Josè Morales, Juan Gonzales y Sara de Gilles, Sevilla; Volker Staab Architekten, Berlin.
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